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Fake-Werbung auf Social Media Mona Vetsch: «Es macht mich wirklich hässig»

Die Gesichter von Prominenten werden immer wieder für dubiose Werbeanzeigen missbraucht. Das Ziel: Abzocke. Sich zu wehren, ist jedoch schwieriger als gedacht.

Beim Scrollen auf Social Media fallen sie auf, bekannte Gesichter und Schlagzeilen wie: «Das ganze Land ist schockiert über die Aussage von Mona Vetsch!»

Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass etwas nicht stimmen kann. Oft wirken die Fotos verzerrt – weil sie es sind. Es handelt sich in der Regel um Deepfakes, um technisch manipulierte Bilder. Hinter den Posts stecken Betrüger und Betrügerinnen, die mit Hilfe von bekannten und darum vertrauenswürdig wirkenden Gesichtern Geld verdienen.

«Mein Gesicht war mithilfe von KI so verändert, dass ich verprügelt aussah. Dazu ein scheinbares Blick-Interview, in dem ich Werbung gemacht habe für ein Anlagetool – natürlich alles Fake», sagt Moderatorin Mona Vetsch.

Zuerst tut sie die die Fake-Posts als einmalige Sache ab, dann entwickeln sie sich zum dauerhaften Ärgernis. «Ich dachte, das geht vorbei. Doch ich habe mich getäuscht – das Ganze läuft seit drei Jahren.»

Der Schaden ist gross

Die Betrugsfälle, die auf solchen Fake-Werbungen basieren, haben in den letzten Jahren drastisch zugenommen. «Die Fälle haben sich im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorhalbjahr verfünffacht», berichtet Vetsch. Es geht um viel Geld und viele Betroffene.

Zu einem gewissen Grad fühle ich mich hilflos.
Autor: Mona Vetsch SRF-Moderatorin

Opfer werden Menschen aller Altersklassen, die in gutem Glauben investieren. Mona Vetsch erzählt von einem Lehrling, der mit den Fake-Anlagen sein Geld vermehren will und von Pensionierten, die den gefälschten Anzeigen glauben und ihr Geld verlieren.

Mona Vetsch machen diese Geschichten betroffen: «Nach drei Jahren muss ich sagen: Zu einem gewissen Grad fühle ich mich hilflos und es macht mich auch unglaublich wütend.»

Plattformen profitieren

Trotz aller Bemühungen, über die Staatsanwaltschaft, Cyber-Polizei und Plattformen gegen die Betrügereien vorzugehen, scheint es keine einfache Lösung zu geben. Wenn Mona Vetsch und ihre Follower die Fakes bei den Plattformen melden, erhält sie oft die Antwort: «Wir können keine Verstösse gegen unsere Richtlinien feststellen.»

Fakt oder Fake? – Die Themenwoche bei SRF

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Logo SRF Themenwoche

Ab dem 26. Januar 2026 beleuchtet SRF das Thema Fake News eine Woche aus verschiedenen Blickwinkeln – mit Reportagen, Recherchen und Faktenchecks zu aktuellen Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Alle Inhalte finden Sie hier auf der Übersicht zur Themenwoche «Fakt oder Fake?».

Ein Grund dafür sieht die Moderatorin in den finanziellen Interessen der Plattformen. «Diese Fakes sind alle bezahlte Werbung. Eine Reuters-Studie sagt, dass Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Instagram, zehn Prozent seines Werbeumsatzes mit Werbung für betrügerische Fake-Inhalte macht. Das wären etwa 16 Milliarden Dollar.»

Diese Zahlen verdeutlichen das Dilemma: Die Plattformen profitieren finanziell von Anzeigen – egal, ob diese echt oder betrügerisch sind.

Melden, melden, melden

Trotzdem sei es wichtig, die Fakes weiterhin konsequent bei den Plattformen zu melden. «Auch wenn man einen Post schon tausendmal gemeldet hat – man soll es wieder tun, um den Druck auf die Plattformen zu erhöhen», sagt Mona Vetsch.

Wie erkenne ich Deepfakes?

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Werden unglaubliche Versprechen gemacht? Passen die Aussagen der gezeigten Person überhaupt zu dem, was sie üblicherweise sagt (z.B. SRF-Mitarbeitende, die Werbung machen, was sie normalerweise nicht tun)? Und müsste ein Video aus dem SRF-Nachrichtenstudio nicht auch auf srf.ch zu finden sein? Solche inhaltliche Fragen können oft helfen, einen zweifelhaften Beitrag zu identifizieren.

Daneben können auch formale Aspekte Hinweise liefern:

  1. Gesichtsausdruck überprüfen: Eine unnatürliche Mimik oder ein leerer Blick können ein Hinweis darauf sein, dass es sich um ein Fake handelt. Gleiches gilt für eine unnatürlich glatte Haut, besondere Augenbrauen oder Lippenbewegungen.
  2. Blick auf die Augen: Überprüfen Sie die Augen des Sprechenden. Wirkt das Blinzeln natürlich?
  3. Stimme und Tonfall: Wenn die Stimme nicht zur Person passt oder sich unnatürlich anhört, könnte das ein Hinweis sein.
  4. Unterschiedliche Qualität: Wenn die Qualität des Gesichts und des Hintergrunds stark variiert oder zwischen Gesicht und Hals ein unscharfer Übergang auffällt, könnte es sich um ein Deepfake handeln.
  5. Licht und Schatten: Unregelmässige Schatten oder Lichtreflexionen könnten auf eine Bearbeitung hinweisen.
  6. Bewegungen und Hintergrund: Passt der Hintergrund nicht zur Situation oder sind die Bewegungen nicht flüssig?

Hinweis der Redaktion: Diese Tipps wurden am 01.06.2024 erstmals veröffentlicht und für diesen Artikel adaptiert.

Und ebenfalls wichtig: Wer Opfer eines Betrugs wurde, sollte unbedingt zur Polizei gehen. Nur so könne sich etwas ändern.

Fakes werden raffinierter

Vetsch weist auch darauf hin, dass die Fakes immer raffinierter werden. «Bei den ersten Fakes vor drei Jahren dachte ich: Das glaubt kein Mensch. Mittlerweile sind sie so gut, dass man mich in Videos Anlagetipps vermitteln sieht – da merkt man die Fälschung fast nur noch am schlechten Thurgauer Dialekt.»

Woran man sich jedoch orientieren kann: «Immer wenn dir jemand verspricht, dass du in kurzer Zeit sehr viel Geld verdienen kannst, kannst du sicher sein: Du bist nicht die, die profitiert, sondern immer der andere.»

Radio SRF 3, 26.01.2026, 8:40 Uhr ; 

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