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Live am Festi'neuch Kneecap: zwischen Ekstase, Israel-Kritik und Überforderung

Das erste Schweizer Konzert von Kneecap zu besprechen, ist eine Krux.

Fangen wir mit dem an, was unbestritten ist: Kneecap ist verdammt gut. Punkt. Der Mix aus treibenden Trap-, Grime- und House-Beats und trotzig-angriffigem Rap in Gälisch und Englisch ist elektrisierend.

Die Mcs Mo Chara und Móglaí Bap und DJ Próvaí verwandeln das Festi'neuch in Neuenburg in den frühen Morgenstunden in einen dampfenden Rave-Moshpit. Alles wirkt tight und maximal dringlich. Was das Trio abliefert, kann musikalisch getrost zum Aufregendsten gezählt werden, was die Festivallandschaft aktuell zu bieten hat.

Zwei Personen halten eine Flagge auf einer Bühne, umgeben von einem jubelnden Publikum.
Legende: JJ O'Dochartaigh und Naoise O Caireallain beim Wide Awake Festival London (2025) KEYSTONE/AFP/HENRY NICHOLLS

Doch natürlich wird es auch politisch. Das gehört zur DNA von Kneecap, die ihre Kunst – eine Mischung aus irischem Nationalbewusstsein und provokativer Anti-Establishment-Haltung – explizit als politisches Instrument verstehen. Das Trio äussert sich auch regelmässig lautstark pro-palästinensisch und israelkritisch.

Wiederholte Israel-Kritik

Unmittelbar bevor Kneecap die Festi'neuch-Bühne betreten, wird dort eine Nachricht auf der LED-Wand eingeblendet: Israel begehe Genozid am palästinensischen Volk. Und: «Stand on the right side of history» (stehe auf der richtigen Seite der Geschichte).

Kneecap unter Terrorverdacht

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2024 tauchte bei einem Kneecap-Konzert in London eine Flagge der in Grossbritannien als Terrororganisation eingestuften Hisbollah-Miliz auf der Bühne auf.

Der folgende Gerichtsprozess gegen Liam Óg Ó hAnnaidh (Rapper Mo Chara) wegen Terrorismusunterstützung endete 2025 mit einem Freispruch aufgrund eines Verfahrensfehlers.

Kneecap hatte sich schon zuvor bei Konzerten abwertend über Israel sowie die britische Regierung geäussert. Das führte dazu, dass Konzerte und eine US-Tour abgesagt wurden.

Später sprechen Kneecap davon, dass die «israelische Kriegsmaschinerie gegen das palästinensische, libanesische und iranische Volk gestoppt werden müsse.» Im Publikum: Applaus, Jubel, erhobene Fäuste.

Wie ein eingeübter Refrain

Es passiert mittlerweile oft, dass an Konzerten «Free Palestine» skandiert wird. Auch Kneecap initiieren den Sprechgesang – das Publikum antwortet zuverlässig. Diese Haltung der Band scheint bei vielen gut anzukommen. Es klingt wie ein eingeübter Refrain und hat dadurch etwas zutiefst Ambivalentes für den Teil des Publikums, der das Geschehen im Nahen Osten nicht einfach auf einen einzigen Slogan reduzieren will.

Kneecap spielen bewusst mit dieser Dynamik und betreiben populistische Vereinfachung. Hinzu kommt: Das politische Statement wirkt wie ein weiterer Programmpunkt. Unmittelbar nach der Israel-Kritik sprechen Kneecap über das Schweizer Wetter und wie toll man das als Iren fände.

Euphorisierend und überfordernd

So bleibt vom Festi'neuch der Eindruck eines Konzertes, das in seinen besten Momenten alles kann: mitreissen, elektrisieren und euphorisieren. In anderen Momenten fühlt man sich überfordert, weil plakative Israel-Kritik auf Bühnen zur Mode geworden ist. Dabei würde die Musik von Kneecap alleine doch schon Widerstand, Radikalität, Energie und Haltung transportieren, und zwar viel besser, als jeder Slogan.

Gisela Feuz

SRF-Musikredaktorin

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Gisela Feuz arbeitet als Musik- und Gesellschaftsredaktorin für SRF 3 und SRF2 Kultur. Sie mag Musik abseits des Mainstreams, laute Stromgitarren und Popkultur als Seismograf gesellschaftlicher Veränderungen.

Radio SRF3, 10.6.2026, 20:55 Uhr

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