Liebes Frauenfeld, warum habt ihr so wenig Frauen im Line-up?

Der Frauenanteil am Openair Frauenfeld ist auf der Bühne – gelinde ausgedrückt – etwas dürftig. Von den über 50 Acts am Festival hat es nur vier Künstlerinnen und keine einzige spielt auf der Hauptbühne. Wir suchen Gründe für diesen Missstand.

Boom! Das Openair-Frauenfeld-Line-up glänzte mit hochkarätigen Namen – von amerikanischen Topstars wie The Weeknd bis hin zum deutschen Chartstürmer Marteria gab es auf der Allmend einiges zu bestaunen.

Studiert man das Programm des Festivals etwas genauer, fällt auf: Gerade mal vier (!) Acts sind weiblich. Der Rest der über 50 auftretenden Acts sind Männer. Plus: Keine einzige Frau spielt auf der Haupttribüne. Warum?

Die deutsche Rapperin Ace Tee. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine der wenigen Frauen am Frauenfeld: die deutsche Rapperin Ace Tee. SRF/Noëlle Guidon

Eigentlich wünscht sich das Openair Frauenfeld mehr Frauen im Line-up, sagt Andrej Malogajski, Programmverantwortlicher des Openairs. Anfragen an Künstlerinnen wie SZA, Kehlani und Princess Nokia seien aber alle ins Leere gelaufen.

Hauptsächlich daran schuld seien die Tourpläne dieser Acts oder bessere Angebote. «Wir stehen halt auch in starker Konkurrenz mit anderen Hip Hop-Festivals im Ausland», so Malogajski.

Nicki Minaj als Headlinerin 2015

Das Openair Frauenfeld versuche seit einigen Jahren, den Frauenanteil im Programm zu erhöhen und das mit immer mehr Erfolg. «Wir sehen eine steigende Tendenz an Möglichkeiten – vor einigen Jahren hatten wir schlichtweg weniger Rapperinnen, die für einen Auftritt in Frage kamen, als heute.» Wie ernst es dem Programmleiter ist, bewies das Openair Frauenfeld vor zwei Jahren: «Mit Nicki Minaj als Headlinerin haben wir gezeigt, dass es möglich ist.»

Mit der in diesem Jahr neugeschaffenen Nachwuchs-Bühne «Soul City Hall» sollen in Zukunft zudem Schweizer Jungkünstler und eben auch -künstlerinnen vermehrt supportet werden. Ein Problem bleibe aber bestehen: «Es gibt in der Szene schlicht weniger Frauen als Männer», so Malogajski.

Als Frau im Rap-Business bestehen

Ist das Rap-Business ein zu hartes Pflaster für Frauen? Die britische Rapperin Lady Leshurr, eine der vier Frauen im Line-up, hat am eigenen Leib erfahren, dass es als Frau um einiges schwieriger ist, in der Hip-Hop-Welt zu bestehen.

Lady Leshurr am Openair Frauenfeld 2017. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Lady Leshurr am Openair Frauenfeld 2017. SRF/Noëlle Guidon

Frauen werden in der Szene zuerst auf ihr Äusseres reduziert, so die Künstlerin. «Du kannst musikalisch noch so gut sein – dein Arsch ist wichtiger als deine Rap-Talente», erklärt die Londonerin im Interview mit SRF 3 (siehe Video oben). Dies habe sie allerdings umso mehr motiviert, selber an sich zu glauben und die Männerdomäne zu durchbrechen.

Frauenrap höre ich mir nicht wirklich an

«Wenn das im Radio läuft, hör ich mir das schon an.» Sonst aber findet Frauenrap auch für Grössen wie Bushido nicht wirklich statt. Aber hört selbst:

Video «Bushido: Frauenrap hör ich mir nicht wirklich an» abspielen

Bushido: Frauenrap hör ich mir nicht wirklich an

1:00 min, aus Festivalsommer vom 9.7.2017