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Openair St. Gallen 2018 #MeToo am Festival: Ein Erlebnisbericht zweier junger Frauen

Dank #MeToo sprechen alle darüber, aber es passiert trotzdem immer noch überall: Sexuelle Belästigung. Auch am Festival. Unsere SRF-3-Superpassgewinnerinnen Mitch und Chris berichten über ihre Erfahrungen am Openair St. Gallen.

Chris und Mitch spazieren über das Gelände.
Legende: Chris und Mitch spazieren über das Gelände. SRF / Noëlle Guidon

Leider Alltag, seit der Social-Media-Kampagne #MeToo aber wenigstens im Bewusstsein der meisten angekommen: Sexuelle Belästigung im täglichen Leben.

Take a Stand: Podiumsdiskussion am Openair St. Gallen

Ein Novum für ein Festival: Am Samstagmorgen, 30. Juni, um 10.15 Uhr findet am Openair St. Gallen vor der Sternenbühne, einePodiumsdiskussion zum Thema «Safer Space», Link öffnet in einem neuen Fensterstatt.

Die Kampagne will auf sexuelle Übergriffe aufmerksam machen. Moderiert wird die Diskussion von SRF-Redaktorin Reena Thelly.

Ein aufdringlicher Spruch oder ein kurzer Füdligrabscher: Jeder und jede nimmt sexuelle Belästigung anders wahr. Trotzdem findet sie statt. Auch an Festivals. Unsere SRF-3-Superpassgewinnerinnen Mitch und Chris berichten, wie anstrengend ein Festival für eine Frau sein kann.

«Ich will dein Sklave sein»

Chris und Mitch gehen am Donnerstagabend über das Gelände vom Openair St. Gallen. Drei Jungs kommen auf sie zu. «Sie müssen etwa um die 22 Jahre alt gewesen sein und waren definitiv schon angetrunken», erzählt Chris. Einer der jungen Männer sucht das Gespräch. «Du kannst alles mit mir anstellen: Mich fesseln, mich schlagen, mich anspucken. Ich will dein Sklave sein», haucht er Chris zu.

Du kannst alles mit mir anstellen: Mich fesseln, mich schlagen, mich anspucken. Ich will dein Sklave sein.

Sie reagiert ablehnend, sagt ihm, dass sie keinen Sklaven braucht. «Er hat meine Einwände komplett ignoriert und meinte dann, ich könne auch Mitch dabeihaben, falls es mir dann wohler sei.» Der junge Mann lässt nicht locker, bis der Geduldsfaden der Superpassgewinnerinnen reisst und sie die Jungs einfach stehenlassen.

«Hey, ich sehe deinen BH»

Nicht mal zwei Stunden nach dieser irritierenden Begegnung kommt es zum nächsten Zwischenfall. «Mein BH war unter meinem Shirt ein wenig zu sehen», erklärt Mitch. Ein Mann spricht sie beim Vorbeilaufen an. Belässt es aber nicht nur dabei: Er fasst ihr an die Brüste. «Er ist dann einfach weiterspaziert, als wäre nichts passiert.»

Die beiden Situationen sind keine Einzelfälle. Sie passieren den zwei jungen Frauen ständig.

«G.A.B.I: Geh einfach weg»

Mitch und Chris wollen aber nicht alle Männer in einen Topf schmeissen. «Mehrheitlich sind Männer sehr lustig und vor allem respektvoll», findet Chris. Sie hätten schliesslich gerne Kontakt mit Menschen, speziell an einem Festival. Für den Fall, dass jemand zu aufdringlich wird, empfiehlt Mitch eine abgekürzte Version von G.A.B.I: «Geh einfach weg. Es lohnt sich nicht, sich mit jemandem, der wahrscheinlich auch noch sehr betrunken ist, in eine Diskussion einzulassen.»

Openair St. Gallen
Legende: Dieser Mann wollte auch aufs Foto. Aber Fehlalarm: Es ist ein Kollege von Chris und Mitch. SRF / Noëlle Guidon

Aber: Sind nur Frauen Opfer sexueller Belästigung? Mitnichten. Auf dem Gelände treffen wir den 30jährigen Leeroy. Er wurde vor einigen Jahren in einem Club belästigt. «Der Typ sass neben mir und hat diesen intensiven, aber unangenehmen Augenkontakt mit mir gesucht», erzählt er. Daraufhin habe er den Platz gewechselt. Ohne Erfolg. Der Mann sass kurze Zeit darauf wieder neben ihm und begann, den Oberschenkel von Leeroy anzufassen. «Ich hab ihm dann gesagt, dass er verschwinden soll. Dann ist er weg.»

Leeroy am Openair St. Gallen
Legende: Leeroy (30) aus St. Gallen SRF / Noëlle Guidon

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Und wenn mal ausnahmsweise ein Wahrheitsallergien ausloesender Kommentar freigeschaltet wird, verschwindet der Artikel von der Frontklickflaeche in der Versenkung....
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Wenn ich einen Wald mit verdichtungsgestressten Tigern begehen muesste, wuerde ich es vorziehen, wenn die gut gefuettert, statt ausgehungert auf Beutejagd waeren. Aber jeder Ansatz, das Problem des primaeren Sextriebes des Mannes und nur sekundaeren der Frau (guter Zahlvater) zu loesen, wird mit SMM-Support von den gleichen wahrheitsallergischen Mimosen verteufelt, die dann nicht nur angestarrt, sondern von auch mit Ersatzdrogen enthemmten Notgeilen angegangen werden und nach deren Verwahrung sc
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  • Kommentar von Lily Baumann (Medinilla)
    Irgendwie können einem diese jungen Männer leid tun. Da begegnen sie jungen Frauen, die sehr, sehr offenherzig und in kurzen, kurz ist nur der Vorname, Hosen daher kommen und sie dürfen nicht einmal hinschauen, geschweige denn einen Kommentar abgeben. Ja was wollen denn diese Frauen mit ihrer grosszügigen "Alegi"? ... mit aller Garantie beachtet werden. Um Handgreiflichkeiten abzuwehren kann FRAU einen Selbstverteidigungskurs besuchen, da wird MANN kein zweites Mal einen Übergriff starten.
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