Diagnose Demenz - «Klär das mal ab, sagte die Tochter»

Antina Werner ist 59jährig als eine Abklärung ergibt: sie ist eine Demenz-Patientin. Sie vergisst Namen und Orte. Sie lernt die Memory Klinik kennen und sieht: Hier wird auch gelacht.

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Bildlegende: Diagnose Demenz «Ich muss mich oft sehr konzentrieren, damit ich nichts vergesse.» Colourbox

Hihihi. Es wird geschmunzelt in der psychiatrischen Tagesklinik in Chur bei den Alzheimer- und Demenz-Patienten und ihren Betreuern. Ein Demenz-Patient hat vergessen, welche Jacke ihm gehört. Er selber sieht das anders, er behauptet steif und fest: «Das isch miin Tschoopa!» und er schlüpft in eine Damen-Jacke.

Auch die Tatsache, dass die Ärmel der Damen-Jacke ihm nur knapp über die Ellbogen reichen, lässt ihn nicht an seiner Wahl zweifeln. Er verlässt die Tagesklinik mit der Jacke seiner Wahl. Seine Tochter wird sie am nächsten Tag zurückbringen. Und der Demenz-Patient wird über sich selbst schmunzeln können.

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Birgit Walser

Zu sehen ist das Gesicht einer Frau mittleren Alters. Sie hat blond gefärbte Haare, trägt eine Halskette und ein türkis-farbenes Oberteil. Sie lächelt. Dem Anschein nach ist sie amüsiert. Oder glücklich.

Birgit Walser, Leiterin der Memory Tagesklinik Chur. SRF 3

«Es ist schön, Menschen zu helfen, die meine Arbeit sehr schätzen.»

Memory- statt Demenz-Test

Seit 2006 kennt auch die Rentnerin Antina Werner die Tagesklinik in Chur. 59-jährig war sie damals, als ihre Tochter sie wegen Konzentrations-Schwierigkeiten zur Demenz-Abklärung schickte.

Memory Test heisst das offiziell. Das tönt weniger einschüchternd als Demenz-Test. Damit keiner schon auf der Türschwelle auf dem Absatz kehrt macht. Die offizielle Diagnose für Antina Werner lautet Frontallappen-Demenz, eine von 50 Demenz-Erkrankungen, die bekannt sind.

«Ich koche selber»

Im konkreten Fall heisst das, dass Antina Werner z.B. Namen und Personen vergisst. Auch die Orientierung kann zum Problem werden. «Wenn ich am Abend vom

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Singen heimkomme, muss ich mich sehr fest konzentrieren», sagt Antina Werner.

Sie führt penibel ihre Agenda, füllt die Seiten mit Namen, Daten, Ortschaften. Den Tag verbringt sie in der Tagesklinik. Am Abend geht sie heim. «Ich kann selber kochen, ich lisme, es geht mir gut.»

Kontrolle behalten

Die Kontrolle zu behalten ist ein grosses Thema bei Demenz-Patienten. Birgit Walser, die Leiterin der geronto-psychiatrischen Tages-Klinik in Chur, sagt: «Vielen Demenz-Patienten ist es wichtig, ihre Eigenständigkeit zu bewahren, z.B. alleine Zug zu fahren. Auch auf die Gefahr hin, dass sie sich halt einmal verfahren.»

Antina Werner fährt alleine Zug. Sie tauscht sich in der Tagesklinik mit anderen Patientinnen und Patienten aus und macht Gedächtnistraining und andere Therapien.

Manchmal sitzen die Patienten auch einfach zusammen an einem Puzzle oder kochen einen Zmittag. Und wenn einmal ein Demenz-Patient partout eine viel zu kleine Jacke vom Kleiderhaken nimmt, darf geschmunzelt werden.