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360° Live in Zürich Auch ein Letzigrund mit Lücken kann Helene Fischer nicht stoppen

Akrobatikeinlagen, Heiratsanträge, Hit-Medleys: Nicht jede Idee dieses zweieinhalbstündigen Konzertabends geht auf. Doch Helene Fischer unterstreicht in Zürich einmal mehr, weshalb sie Europas unangefochtener Schlagerstar bleibt.

Liegt es am Ferienbeginn, an der Hitze oder an der Fussball-WM? Der Zürcher Letzigrund ist beim Schweizer Tourstopp von Helene Fischers 360°-Tour alles andere als ausverkauft. Veranstalter Live Nation meldet 33'500 verkaufte Tickets. Und auch der Augenschein bestätigt: Im Stehplatzbereich fühlt sich heute niemand eingeengt.

Dazu passt, dass Anwohnende rund um den Letzigrund per Briefpost ein Gratisticket-Angebot erhielten – offiziell als Entschädigung, weil vor wenigen Wochen das Linkin-Park-Konzert die erlaubte Schlusszeit überschritten hatte.

Live Nation spricht gegenüber «Blue News» von einem «nicht unüblichen» Vorgehen. Ob das Angebot bei Coldplay oder Taylor Swift ähnlich grosszügig ausgefallen wäre?

Leere Plätze? Egal!

Eine Profi-Entertainerin wie Helene Fischer bringt das nicht aus der Ruhe. Kurz vor 20 Uhr schwebt die 41-Jährige in bester «Cirque du Soleil»-Manier vom Stadiondach zur Bühne, die mitten im Letzigrund steht. «Grüezi Züri», ruft sie – und beweist im Verlauf der Show mit regelmässigen «Merci vielmals», dass sie dem Schweizerdeutschen durchaus mächtig ist.

Person in einem roten Outift schwebt mit Mikrofon.
Legende: Spektakuläre Akrobatikeinlagen: Helene Fischer «fliegt» auf die Bühne – und hebt im Verlauf der Show regelmässig ab. Keystone/Georg Hochmuth (Archiv)

Wer heute nur aus Neugier gekommen ist und endlich wissen möchte, was es mit dem Phänomen Helene Fischer auf sich hat, merkt schnell: Eine Helene-Fischer-Show ist weit mehr als Schlager. Fischer wird von einer grossen Liveband und einer 20-köpfigen Tanzcrew begleitet. Viel Pop im Viervierteltakt, ja – mit Fernsehgarten-Vollplayback-Schlagerklischees hat das allerdings herzlich wenig zu tun.

Nicht jede Idee zündet

Mit ihrer Jubiläumstour möchte Fischer alle Phasen ihrer 20-jährigen Karriere auf die Bühne bringen – Taylor Swifts «Eras Tour» lässt grüssen. Das gelingt heute nicht immer. Die Reise zurück zu «Feuer am Horizont», einem Song ihres Debütalbums, verpufft beim Publikum. «Schau mal herein», eine deutsche Version von «Stumblin' In», kommt dagegen um einiges besser an.

Überhaupt wechseln sich starke und schwächere Momente ab. Grossen Hits wie «Atemlos durch die Nacht» und «Herzbeben», die erwartungsgemäss für eine kollektive Endorphinausschüttung sorgen, steht ein Medley aus lateinamerikanischen Songs gegenüber, das eher wie eine misslungene Duolingo-Lektion daherkommt.

Vor allem aber widerspricht dieser Showteil Fischers Versprechen, heute Abend «jedem Einzelnen nahekommen zu wollen»: Sie performt das Medley aus einem käfigartigen Bühnenelement heraus – womit plötzlich genau jene Distanz entsteht, die das Konzert sonst so gekonnt vermeidet.

Zwei Akrobaten in funkelnden Kostümen führen eine Luftakrobatik-Nummer auf.
Legende: «An meiner Seite»: Die Liebeserklärung an ihren Mann Thomas Seitel passiert in luftigen Höhen. (Seitel ist Akrobat und kennt sich an den Seilen bestens aus.) ZVG/Sandra Ludewig (Archiv)

Publikumsinteraktion der Extraklasse

Den stärksten Eindruck hinterlässt die Entertainerin zwischen den Songs. Wenn sie die 10-jährige Mathilde auf die Bühne holt und mit ihr deren Lieblingslied singt. Oder wenn sie Zuschauer Thierry zu sich bittet, der seinem Partner vor Zehntausenden einen Heiratsantrag machen darf – und die beiden dann mit einem verschmitzten «Ich hätte noch den passenden Song dazu: ‹Warum›» wieder von der Bühne verabschiedet.

Solche Momente erklären, weshalb Helene Fischer seit zwei Jahrzehnten mit Schlagermusik Stadien in halb Europa füllt. Weil sie ihr Publikum glaubhaft ernst nimmt, trotz riesiger Kulisse Nähe schafft und selbst in einem nicht ausverkauften Stadion das Gefühl vermittelt, jeder einzelne Gast sei heute Abend ihrer persönlichen Einladung gefolgt.

Radio SRF Musikwelle, 14.7.2026, 11:40 Uhr

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