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Live im Letzigrund Zürich Linkin Park: 45 Minuten Show-Unterbruch und eine Wahnsinns-Stimme

Wasserfälle von der Bühne, Blitzschläge und die Donnerstimme der neuen Frontfrau Emily Armstrong: Linkin Park geizen im Zürcher Letzigrund nicht mit Drama und lassen sich trotzdem nie ganz gehen.

Das passiert jetzt nicht wirklich, oder? 40 Minuten nach Showstart sind Linkin Park bei der Emo-Powerballade «Over Each Other» ihrer aktuellen Platte «From Zero» angelangt und als hätte die US-Band eine Wettermaschine in einem ihrer LKWs mitgebracht, öffnen sich über dem Zürcher Letzigrund die Wolkenschleusen und der angestaute Regen peitscht theatralisch über die 50'000 Fans im Stadion (oder zumindest alle mit einem unüberdachten Stehplatz).

Person mit blonden Haaren singt in ein Mikrofon auf beleuchteter Bühne.
Legende: Die neue Frontfrau Emily Armstrong ist eine stimmliche Naturgewalt, ihre Growls sind locker bis an die Zürcher Kantonsgrenzen zu hören. Sie singt aber auch glasklar und wunderschön, wenn es es das Stück verlangt. Marco Masiello

Er lässt einfach nicht nach und die Musikerinnen und Musiker sind gezwungen, die von einer riesigen Lache bedeckte Bühne zu räumen. Ein Blick in den Himmel zeigt ... nichts mehr – sämtliche umliegenden Gebäude werden vom Sturm verschluckt, der Befürchtungen aufwirbelt: Die Linkin-Park-Show vor einem Jahr in Bern musste ultrakurzfristig abgesagt werden und nun könnte das Ersatzkonzert abgebrochen werden?

Das Bern-Gate 2025

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Schwarzer Hintergrund mit weissem Text über Konzertabsage im Jahr 2025 in Bern, Schweiz.
Legende: Statement der Band vom 20. Juni 2025 Instagram/linkinpark

Am 20. Juni 2025 wurde die ursprüngliche Schweizer Comeback-Show von Linkin Park eine halbe Stunde vor Türöffnung des Bernexpo-Geländes gecancelt.

Als Grund gaben Act und Veranstalterin «einen Krankheitsfall innerhalb der Band» an. Details sind bis heute keine bekannt, niemand wollte sich weiter zum Thema äussern.

Der Gig wurde von der Bundesstadt ins Stadion Letzigrund verschoben, wo mit bis zu 50'000 Menschen rund 20'000 mehr Platz haben. Wer ein Ticket für Bern hatte, bekam Vorkaufsrecht für Zürich-Tickets.

Die Veranstaltenden versichern alle zehn, 15 Minuten, dass es wahrscheinlich gleich weitergeht, während der Himmel langsam aufklart. Und tatsächlich: Nach 45 Minuten regnet es nur noch senkrecht statt wie eben in alle Himmelsrichtungen und die Gruppe aus Kalifornien kehrt zurück.

Laut – aber zögerlich

Es lässt sich aber nicht wegheadbangen: Die Pause hat der Show ordentlich den Schnauf genommen. Schnauf, der von vornherein nicht im Überfluss vorhanden zu sein schien. Auch wenn Linkin Park vom ersten Ton an allen Trommelfellen vor Ort den Krieg erklärt haben: Abgesehen von der Lautstärke drückt zunächst wenig – die Mitglieder spielen souverän, klammern sich jedoch an ihre Instrumente, die Visuals sind hübsch, aber zweckmässig und die grossen Nu-Metal-Songs («One Step Closer»! «Numb»! Papercut»!) sind da, elektrisieren die durchnässte Crowd aber bedingt.

Erst nach der Hälfte suchen die Co-Frontleute Mike Shinoda und Emily Armstrong den Kontakt zur Menge auf dem Catwalk vor der Stage. Speziell Armstrong hält sich lange zurück, bevor sie die Bühne zu ihrem Reich erklärt und das Publikum dirigiert.

Aus Ehrfurcht, weil sie – zusammen mit Drummer Colin Brittain – «die Neue» ist und das nicht unschwere Erbe von Chester Bennington angetreten hat, der vor neun Jahren Suizid beging und die Band zeitweilig zum Stillstand brachte? Weil Zürich der letzte Stop ihrer mit 100 Gigs durchaus anstrengenden Tour ist? Weil die Hitze auch am Dienstagabend noch drückt?

Zurück – aber noch nicht ganz

Dabei hat Emily Armstrong eigentlich keinen Grund, nicht voller Selbstvertrauen aufzudrehen. Wenn die 40-Jährige zum Schreien und Growlen ansetzt, ist das nicht weniger als markerschütternd und ein unglaubliches Gefühl. Ausserdem sind die neu aufgestellten Linkin Park ziemlich sicher der erste von einer Frau angeführte harte Rock-Act, der jemals im Letzi aufgetreten ist. Das ist ein wichtiger und längst überfälliger Meilenstein.

Die Sängerin blüht allerdings immer wieder auf. Und zwar dann, wenn sie «ihre» Stücke von «ihrem» Album performen kann statt die aus der Chester-Bennington-Ära (die sie jedoch mühelos stemmt und ihnen neue Nuancen entlockt). Linkin Park haben mit dem Comeback nach dem Tod ihres Frontmanns Beeindruckendes geschafft – aber noch nicht, das Damals nahtlos mit dem Jetzt zu verknüpfen. Diesen Umstand spült auch kein Wolkenbruch biblischen Ausmasses so einfach weg.

SRF 3, 30.6.2026, 17:20 Uhr

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