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Musik-Blog «Jööö, schau die behinderten Punks»

Finnland schickt mit Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN) eine Band an den Eurovision Song Contest (ESC), deren Mitglieder Diagnosen wie Trisomie 21 oder Autismus haben. Musikredaktor Gregi Sigrist spricht von positiver Diskriminierung und findet die Angelegenheit heikel.

Der ESC-Beitrag von PKN: «Aina mun pitää»

Damit wir uns richtig verstehen: Ich habe grundsätzlich nicht das geringste Problem damit, DASS eine Down-Syndrom-Band am ESC teilnimmt. Ich denke nicht einmal, dass ich ein Problem damit habe, dass diese Band AUFGRUND, der bei den Mitgliedern diagnostizierten Behinderungen, den Sprung in die Endrunde des ESCs geschafft hat.

Was ich mich aber frage ist, ob es der Band gegenüber fair ist, dass sie AUSSCHLIESSLICH aufgrund ihrer Handicaps Teil dieses Zirkusses sind und ganz klar auf ihre Behinderungen reduziert und somit diskriminiert werden.

Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN)
Legende: Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN). PD

Der ESC ist eine Freak-Show

Auch wenn der ESC nicht erst seit dem Sieg von Conchita Wurst auch als Integrations- und Toleranzanlass verklärt wird, hat dieser Event nach wie vor nur diese Ziele: Unterhalten, Länderimages aufpeppen und dick abkassieren.

Die Gattung der ESC-Marionettenspieler reicht vom korrupten Diktator bis zum hundskommunen Boss einer Plattenfirma. Die Marionetten auf der Bühne sind Verbrauchsmaterial – und sind sie nicht bereits Show-Profis, werden sie nicht nur vom Scheinwerferlicht auf der Bühne geblendet.

Jemanden aufgrund einer Behinderung auf ein Podest zu stellen, ist in diesem Fall genau so diskriminierend, wie jemanden aufgrund einer Behinderung auszugrenzen. Es ist so falsch, wie Obama toll zu finden, weil er schwarz ist. Denn – seien wir ehrlich – wäre PKN einfach eine ganz normale Band, hätten sie es ganz bestimmt nicht auf die Bühne des ESCs geschafft. Dass hier Menschen aufgrund ihrer Behinderung ausgestellt und vorgeführt werden, ist so klar wie, dass man ihre Behinderung zur Sympathiebekundung einsetzt und ausnützt.

Respekt und Gleichheit

«Ich will etwas Respekt und Gleichheit» fordern PKN in einem ihrer Songs. Dieser Wunsch wird der Band leider ausgeschlagen, denn das Ticket für PKN nach Wien hat wenig mit Respekt und schon gar nichts mit Gleichheit zu tun.

Über diese aussergewöhnliche Band einen Film zu drehen, wie das zwei Filmemacher 2012 mit der Dokumentation «The Punk Syndrom» getan haben, ist im Übrigen eine ganz andere Geschichte. Dieses Quartett jedoch an den ESC, der seit Jahren nichts anderes als ein Freakshow-Wanderzirkus ist, zu senden – ist meiner Ansicht nach mehr als fragwürdig.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Dinu Tandt, Bern
    ich finde die jetzt überhaupt nicht "Jö" - aber die Musik gefällt mir VIEL besser als die meisten anderen Stücke, die am ESC gespielt werden.........
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  • Kommentar von Christian Schaad, Winterthur
    Respekt erfahren sie da nicht. Gleichheit aber sehr wohl. Für Respekt ist der ESC schlicht die falsche Veranstaltung und Respektlosigkeit widerfährt tendenziell ALLEN Teilnehmern - wir haben es ja wie erwähnt mit einer Freakshow zu tun, die zusätzlich ihre Freaks instrumentalisiert. Der positive Rassismus besteht doch darin zu glauben, diese Jungs schützen zu müssen, auf dass sie dieser Instrumentalisierung entgehen. Behinderte sollen auch das Recht haben Freaks zu sein und vorgeführt zu werden.
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    1. Antwort von Gregi Sigrist, Bern
      Ganz so einfach ist das nicht und das weisst du auch... lg. Gregi
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  • Kommentar von Lena Berger, Luzern
    Ich habe heute morgen einen höflichen, wenn auch kritischen kommentar zu diesem artikel verfasst. Er wurde nicht freigeschaltet. Dass srf nur positive kommentare veröffentlicht, finde ich beunruhigend. Von einer öffentlichen institution hätte ich das erwartet. Entweder man lässt verschiedene ansichten zu, oder man spart sich die kommentarfunktion - finde ich.
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