Mit dem Song «In Case I Fall for You» gelang ihnen 2018 der Durchbruch. Seither zählt Black Sea Dahu zu den wenigen Schweizer Bands, die sich auch international ein stetig wachsendes Publikum erspielt haben und zu einer der erfolgreichsten Schweizer-Musik-Exporte gehören.
Die Zürcher Indie-Folk-Band um die Bandleaderin Janine Cathrein, ihre Schwester und drei weitere Bandmitglieder, scheint den grossen Traum vom Musikerinnen- und Musikerleben zu leben – oder täuscht dieser Eindruck?
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Bild 1 von 4. Von links nach rechts oben: Schlagzeuger Alon Ben, Keyboarder Ramon Ziegler, Bassist Pascal Eugster. Von links nach rechts unten: Gitarristin und Sängerin Vera Cathrein sowie ihre Schwester, Gitarristin, Sängerin und Bandleaderin Janine Cathrein. Bildquelle: ZVG / Paul Märki.
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Bild 2 von 4. «Wir sind Geschwister und gemeinsam in der Band. Natürlich gibt es da auch Streit. Inzwischen gehen wir deswegen sogar zusammen in Therapie», erzählt Janine Cathrein Links: Vera Cathrein, rechts mit Gitarre Janine Cathrein. Bildquelle: ZVG / Noëlle Guidon.
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Bild 3 von 4. Janine Cathrein hat in der Pfadi durch eine Leiterin das Gitarrenspielen entdeckt. Die ersten Lieder, die sie spielte, stammten aus dem Pfadi-Liederbuch. Bild: Janine Cathrein mit Gitarre, ihre Schwester Vera Cathrein und SRF-3-Moderatorin Céline Werdelis am Open Air St.Gallen 2024. Bildquelle: ZVG / Noëlle Guidon.
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Bild 4 von 4. Janine Cathrein mit Black Sea Dahu bei ihrem Auftritt am Open Air St. Gallen 2024. Bildquelle: ZVG / Noëlle Guidon.
Wie viel ist man bereit zu opfern?
Die Berner Rapperin Steff la Cheffe hat sich vor Kurzem wegen Erschöpfung – unmittelbar vor Albumrelease und Tour – erneut aus dem Musikbusiness zurückgezogen.
Ich frage mich ab und an: Gibt es noch ein Leben neben Black Sea Dahu – und wie sähe das aus?
An eine Pause oder sogar ans Aufhören hat auch Janine Cathrein von Black Sea Dahu schon oft gedacht: «Nicht wegen der Musik, sondern wegen allem drum herum: Social Media, Pressetexte und Gesuche schreiben, die Logistik, das Design von Merch – und unzählige weitere Aufgaben.» Mit dieser Aufzählung bestätigt sie den Ruf der Band: unermüdliche Arbeiterinnen und Arbeiter sowie konsequente Do-it-yourself-Musikerinnen und -Musiker.
«Je erfolgreicher die Band wird, desto mehr kommt dazu.» Black Sea Dahu opfert viel. Sehr viel. «Ich hätte gerne einen Hund und einen Garten, doch das geht zeitlich einfach nicht. Und ja, ich frage mich ab und an: Gibt es noch ein Leben neben Black Sea Dahu – und wie sähe das aus?»
Warum lohnt es sich, trotz allem Musik zu machen?
Idealismus und finanzielle Realität stehen schnell im Konflikt. Wenig Geld, viel Arbeit – warum macht man das? «Weil ich durch die Musik spüre, wie schön das Leben ist», erklärt Janine Cathrein mit geschlossenen Augen, als würde sie in diesem Moment fühlen, wovon sie spricht. Weiter erzählt sie: «Als meine Mutter mich anrief, um mir mitzuteilen, dass mein Vater gestorben ist, war das Erste, was ich machte, mich ans Klavier zu setzen.»
Es fühlt sich an, als würde man fallen. Fallen, fallen, fallen – immer weiter.
Sie habe kein Album gemacht, sondern einen Ort gebaut, um die Trauer und den Verlust ihres Vaters auszuhalten. Und man hört ihn: den ungezügelten Schmerz, die kaum begreifbare Leere, die zurückbleibt. Gleichzeitig bringen die neuen Songs Wärme, Hoffnung und Trost.
Wie geht man mit dem Tod eines Elternteils um?
Man hat keine Chance, der sofortigen Tiefe zu entfliehen – sei dies im Gespräch mit Janine Cathrein und in der Musik von Black Sea Dahu. Mit allem, was sie hat – oder gar nicht: Das scheint ihr Motto zu sein. Das Gefühl des Verlusts beschreibt sie so: «Es fühlt sich an, als würde man fallen. Fallen, fallen, fallen – immer weiter. Bevor man es nicht selbst erlebt hat, kann man es sich nicht vorstellen.»
Cathrein erzählt: «Wir hatten grosse Blätter aus Papier zu Hause auf dem Tisch. Darauf haben meine Mutter und meine beiden Geschwister einen Raum für Erinnerungen und Anekdoten an meinen Vater geschaffen, die wir im Vorbeigehen aufgeschrieben und so gesammelt haben.»
Man könnte meinen, alles sei schwer und dunkel. «Ja, die Trauer ist seit dem Tod meines Vaters ein Teil von mir geworden. Aber genauso wichtig ist es, auch zu lachen – denn er tat das auch gerne, und er fände es toll, mich lachen zu sehen.» Janine Cathrein sagt das so, als müsse sie sich selbst daran erinnern.
Das neue Album «Everything» von Black Sea Dahu ist die Umarmung, von der wir nicht wussten, dass wir sie brauchen.