Zugegeben, der Titel dieses Artikels ist etwas reisserisch. Wer ist die Person, die nicht möchte, dass Marco Odermatt in der Abfahrt in Kitzbühel zuoberst auf dem «Stockerl» steht? Kurze Antwort: ein Österreicher. Die etwas längere und durchaus plausible Erklärung folgt später.
Zuerst zu den Speakern unten im Zielraum eines Skirennens. Dabei handelt es sich nicht einfach um Schreihälse, die der Stimmung willen ihr Mikrofon malträtieren, sondern um Menschen, die in schwierigen Momenten Ton und Tempo drosseln können – und müssen.
Sepp Odermatt: Ein Urgestein beschallt das Chuenisbärgli
«Eine halbe Sekunde Vorsprung für Marco Odermatt!», tönt es durch die Lautsprecher im Zielraum. «Marco ist vorne!» Sepp Odermatt ist das Speaker-Urgestein von Adelboden. Er kommentiert die Rennen am Chuenisbärgli seit über 30 Jahren.
«Bei meinem ersten Einsatz wurde das Rennen aufgrund mangelnden Schnees auf die Tschentenalp verlegt», erzählt Odermatt. «Ich sass oben im Startgelände im Schnee und speakerte mit meinen Unterlagen auf den Knien.» Heute sitzt er im engen Speaker-Häuschen im Zielraum und kommentiert den Grossteil des Rennens ab Bildschirm.
Spätestens wenn die Fahrer in Sichtweite sind, legt der Nidwaldner eine Schippe drauf. «Im Zielhang pushe ich nochmals und versuche die Emotionen aufs Publikum zu übertragen.»
Das funktioniert einwandfrei, besonders, wenn sein Namensvetter Marco vorne mitfährt. «Ihn kenne ich von klein auf. Bei seinem ersten Sieg am Chuenisbärgli wurde meine Stimme schon etwas brüchig vor Freude.»
Rainer Maria Salzgeber: Die Allzweckwaffe vom Lauberhorn
Der Walliser TV-Liebling Salzgeber ist bestens bekannt als Moderator von SRF-Sendungen wie Sportpanorama oder Donnschtigs-Jass. Seit 2019 speakert er in Wengen. «Die Organisatoren suchten jemand, der auch Events wie Siegerehrung und Startnummernausgabe moderiert.»
Seine Rolle sieht er wie folgt: «Der Speaker sollte sich nicht in den Vordergrund stellen. Ich bin Begleiter und auch ein bisschen Unterhalter.» Das Publikum zu bespassen, wenn die Schweizer gut fahren, könne jeder, sagt er.
Die Herausforderung aber bestehe darin, auch in heiklen Momenten den richtigen Ton zu treffen. «Gerade bei schlimmen Stürzen ist Fingerspitzengefühl gefragt.»
Die Kitzbühel-Speaker: Zwischen Demut und Halligalli
Stefan Steinacher und Didi Ziesel gelten als die Stimmen des österreichischen Wintersports. Seit über 20 Jahren sorgen sie in den Zielräumen von Schladming und Kitzbühel für Stimmung. «Gemeinsam mit unserem Team aus DJs und Kameraleuten versuchen wir jeden Moment zu zelebrieren», sagt Steinacher.
Fein abgestimmtes Entertainment mit Interviews, Kommentar und Sound – das klingt nach Halligalli: «Es ist Leidenschaft pur – und die muss raus», sagt Ziesel. Aber auch die Demut vor der Aufgabe, dem Berg und den Fahrern ist bei den Speakern spürbar. «Die Athleten sind für uns Helden und gehören gebührend gefeiert und gewürdigt – egal für welche Nation sie fahren.»
Während Ziesel mit Blick auf die Abfahrt auf Marco Odermatt als Sieger tippt, hofft Steinacher, dass «Odi» den Klassiker noch nicht gewinnt. «Wenn er Kitzbühel gewinnt, dann hat er alles gewonnen und möglicherweise kommt dann das Ende seiner Karriere», was der Speaker bedauern würde. «Odermatt ist als Typ und Sportler fast unersetzbar, deshalb tippe ich dieses Jahr auf Vincent Kriechmayr.»