Bremgarten ruft die Bevölkerung auf, zu duschen statt zu baden. Und in Fahrwangen riskiert man eine Busse von 2000 Franken, wenn man sein Auto wäscht. Solche Massnahmen sind für Schweizerinnen und Schweizer aussergewöhnlich. In anderen Ländern sind sie längst Alltag. SRF-Korrespondentinnen und -Korrespondenten aus drei Ländern geben Einblick, wie mit Wasserknappheit umgegangen wird.
Australien: «Das Bewusstsein für Wasserknappheit ist gross»
In Australien wurden bei der Hitzewelle 2024 im kleinen Örtchen Paraburdoo 47.9 Grad Celsius gemessen. «Die Australierinnen und Australier sind sich Hitze und extreme Trockenheit gewöhnt», sagt Australien-Korrespondent Urs Wälterlin. Entsprechend sei das Bewusstsein für Wasserknappheit gross. Besonders auf dem Land, denn in der Landwirtschaft spüre man die Auswirkungen der Dürren am stärksten.
«Allgemein ist der Umgang mit Wasser hier anders als in der Schweiz», sagt Wälterlin. «Die Leute duschen weniger lang und schalten das Wasser beim Einseifen ab. Es gibt sogar Leute, die beim Duschen das Wasser mit einem Eimer auffangen und dann damit die Blumen giessen.»
Wenn in Australien extreme Trockenheit herrscht, greifen die Behörden durch. Ähnlich wie in der Schweiz wird das Autowaschen und das Bewässern vom Rasen verboten. Wer sich nicht daran hält, riskiert hohe Bussen.
Südafrika: «Die Schweiz könnte einiges lernen»
Kapstadt wurde 2018 beinahe zur ersten Grossstadt der Welt, die ihren Wasserbedarf nicht mehr decken konnte. Eine mehrere Jahre anhaltende Dürre führte zu einem Notstand. Schliesslich konnten die Behörden mit gezielten Massnahmen den Wasserverbrauch senken. Zudem gab es im Juni 2018 wieder mehr Niederschlag, was zu einer Entspannung der Situation führte.
«Wasserknappheit ist bei uns Alltag», sagt Südafrika-Korrespondentin Cristina Karrer. Wenn es wieder mal eine Dürre gibt, halten sich die Leute von selbst an gewisse Regeln. «In Südafrika versuchen die Leute, kürzer und weniger oft zu duschen.»
Aus Sicht von Karrer könnte die Schweiz einiges von Südafrika im Umgang mit Wasser lernen. «Wasser aus dem Hahn wird in der Schweiz als selbstverständlich angesehen. Das ist in Südafrika nicht der Fall. Aber vielleicht müssen das die Leute in der Schweiz eines Tages auch lernen.»
Zudem greifen in Südafrika die Behörden bei Trockenheit rigoros durch. «Wenn sich die Leute nicht an die Regeln halten, wird der Wasserdruck gesenkt, dass man nicht mehr so viel Wasser verbrauchen kann. Man wird dazu aufgerufen, die Nachbarn zu melden, wenn sie zu viel Wasser brauchen.»
Italien: «Wenn der Staat versagt, fehlt das gute Beispiel»
«Die Italienerinnen und Italiener halten sich nicht so gerne an Regeln zur Wasserknappheit», sagt Italien-Korrespondent Franco Battel. Das liege aber nicht unbedingt am fehlenden Willen, sondern mehr am teilweisen Versagen der Behörden.
Auf Sizilien und in anderen süditalienischen Regionen versickert schätzungsweise die Hälfte des Trinkwassers, weil die Wasserleitungen schlecht unterhalten oder löchrig sind. Auf Sizilien könnten Staudämme die Niederschläge im Winter sammeln. Weil die Dämme aber veraltet sind, geht viel Wasser verloren. «Wenn der Staat versagt, fehlt das gute Beispiel, um selbst beim Wasser zu sparen», sagt Battel.
Allerdings gebe es auch positive Beispiele. Gerade in der Landwirtschaft habe es in den letzten Jahren grosse Fortschritte beim Wasserbrauch gegeben. «Es werden Drohnen für die gezielte Bewässerung eingesetzt, damit möglichst wenig Wasser verschwendet wird.»