Handbuchbinderei – wo Bücher gebunden und «aufgeschlagen» werden

In Gottlieben scheint die Zeit ein wenig anders zu ticken. In der kleinen Gemeinde am Bodensee fühlt man sich in ein anderes Jahrhundert zurückversetzt. Pittoreske Gässchen, schmucke Fackwerkhäuser und kleine Handwerksbetriebe laden zum Verweilen ein.

Einblicke in die Handbuchbinderei

Ein Hauch von früher vermittelt in Gottlieben auch die Handbuchbinderei von Kerstin Hennings. Hier werden Bücher noch wie in vergangenen Zeiten mit Nadel und Faden gebunden. Hennings näht aber nicht nur aktuelle Lieblingslektüre zusammen, sondern restauriert auch Buchbeutel oder Bücher mit Metallverschlüssen, die man regelrecht aufschlagen muss.

SRF Musikwelle-Redaktorin Karin Kobler hat Kerstin Hennings in ihrem Betrieb besucht und einiges über das heute eher seltene Handwerk erfahren.

Ein Aha-Erlebnis hatte sie bei der Erklärung, weshalb wir ein Buch «aufschlagen» und nicht einfach öffnen. Die Redewendung habe einen geschichtlichen Hintergrund, erklärt Hennings. «Bücher waren früher in Holzdeckel gebunden und mit Metalverschlüssen versehen». Holz und Metall seien unter Spannung gestanden. Deshalb habe man mit der Faust auf das Buch geschlagen, dadurch seien die Verschlüsse quasi aufgesprungen.