Pepe Lienhard hat die Show- und Big-Band-Tradition des deutschsprachigen Raums stark mitgeprägt und eine steile Karriere hingelegt.
Schon als Kind begeistert sich Lienhard für die Musik. «Wenn ich am Radio einen Schlager gehört habe, habe ich den auf der Blockflöte nachgespielt.»
Seine Mutter erkennt Pepes Begeisterung für die Musik und kauft ihm von ihren eigenen Einkünften als Inhaberin eines Lebensmittelgeschäfts ein Saxophon. «Die Nachbarn haben sich ein wenig aufgeregt und gefunden, die spinne, so ein teures Geschenk zu kaufen.»
Ich werde Tournee machen, solange ich gesund bin.
Für den jungen Lienhard erweist sich das Geschenk allerdings als Volltreffer. Mit 12 Jahren gründet er mit «The College Stompers Lenzburg» sein erstes Dixieland-Orchester.
Das Jura-Studium beginnt er auf Drängen seiner Eltern. Besonders ambitioniert ist er nicht. «Nach vier Semestern hatte ich das Gefühl, ich gehe ein wenig studieren, aber die halbe Zeit war ich gar nie richtig dort, sondern habe Musik gemacht.»
Pepe landet seinen ersten Hit
Lienhard bricht das Studium ab und wird Profi-Musiker. 1969 gründet er ein Profi-Sextett, mit dem er in den 70er-Jahren durchstartet.
«Sheila Baby» wird zum Hit
Ein erster Erfolg gelingt ihm und der Band 1971 mit dem Song «Sheila Baby».
Das Sextett nimmt am ESC teil
Den grossen Durchbruch schafft Lienhard 1977. Mit dem Song «Swiss Lady» nimmt das Sextett am Eurovision Song Contest in London teil.
Der Song ist eine Hommage ans Schweizer Alphorn, gespielt von Musiker Mostafa Kafa'i Azimi. Trotz kreativer Komposition reicht es nicht für einen Sieg. Das Sextett schafft mit dem sechsten Platz aber ein ordentliches Resultat.
Mit dem Alphorn nach London
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Bild 1 von 3. Mit dem von Peter Reber komponierten und getexteten Song «Swiss Lady» gewann das Pepe Lienhard Sextett die nationale Vorausscheidung. Bildquelle: Keystone/STR.
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Bild 2 von 3. Am 4. Mai 1977 fliegt das Sextett nach London – mit einem Alphorn im Gepäck. Bildquelle: Keystone/STR.
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Bild 3 von 3. Beim Flug nach London wird das Alphorn beschädigt – weshalb Musiker Mostafa Kafa'i Azimi ein Stubenalphorn als Entschuldigung geschenkt bekommt. Bildquelle: Keystone/STR.
Nach dem Wettbewerb schlägt der Song in der Schweiz ein. Über acht Wochen hält er sich an der Spitze der Hitparaden und gilt hierzulande bis heute als kommerziell erfolgreichster Song aus einem Eurovision Song Contest.
Udo Jürgens entdeckt die Band
Das Jahr 1977 hat es für Pepe Lienhard in sich. Nebst der Teilnahme am Eurovision Song Contest wird Udo Jürgens auf die Big Band aufmerksam. Die Band tourt mit dem Schlagerstar durch Kanada und die USA und wird später zum festen Begleitorchester.
Udo Jürgens und Pepe Lienhard
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Bild 1 von 4. Pepe Lienhard gibt den Startschuss zu Udo Jürgens Tournee «Geradeaus» 1992. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.
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Bild 2 von 4. Das Orchester Pepe Lienhard prägte den typischen Live-Sound vieler grosser Jürgens-Tourneen und Konzerte. Bildquelle: Keystone/STR.
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Bild 3 von 4. Im Oktober 2003 füllten die zwei Musiker das Zürcher Hallenstadion und performten vor 12'000 Zuschauenden. Bildquelle: Keystone/Eddy Risch.
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Bild 4 von 4. 37 Jahre lang begleitete das Orchester Pepe Lienhard den österreichischen Schlagersänger auf seinen Tourneen – bis zu Udo Jürgens Tod 2014. Bildquelle: APA/Barbara Gindl.
Über 1000 Mal standen die zwei Musiker gemeinsam auf der Bühne – sogar in China. «Unter den 3000 Chinesen konnte nicht einer Deutsch, aber am Schluss badete Udo trotzdem in der Menge. Er hatte einfach dieses Charisma», erinnert sich Pepe Lienhard.
Udo Jürgens hatte für jedes Thema einen Song mit wunderschönen Texten.
Die Zusammenarbeit gilt als eine der langlebigsten Partnerschaften im deutschsprachigen Showbusiness.
Pepe würdigt Udo Jürgens mit einer Tour
Nach Udo Jürgens’ Tod entwickelt Pepe Lienhard gemeinsam mit Produzenten und der Familie Jürgens eine posthume Showtour. Auf der «Da Capo Udo Jürgens»-Tournee stehen Schlagerhits wie «Griechischer Wein» im Zentrum, begleitet vom Orchester Pepe Lienhard.
Noch heute schwärmt Lienhard von seinem verstorbenen Gefährten: «Udo hatte für jedes Thema einen Song mit wunderschönen Texten – zur ersten Liebe, zur Scheidung, zum Tod eines geliebten Menschen.»
Ein Geburtstag der besonderen Art
Seinen 80. Geburtstag feiert Pepe Lienhard im grossen Rahmen – mit einer Tournee. Ab 27. Mai ist er mit dem Orchester Pepe Lienhard in elf Schweizer Städten unterwegs. «Wir wollen es nochmals richtig krachen lassen», so Lienhard schmunzelnd.
Ans Aufhören denkt der Saxophonist und Bandleader aber noch lange nicht: «Das ist definitiv keine Abschiedstournee. Ich werde Tournee machen, solange ich gesund bin.»