Das Auf und Ab am Lungerersee

Wenn Lungerer auf die Schönheit ihres Dorfes angesprochen werden, spielt der Lungerersee regelmässig eine Hauptrolle. Der Naturstausee besticht durch seine türkisblaue Farbe, hat das Dorf vor gut zwei Jahrhunderten aber auch in zwei Lager gespalten.

Durch die Absenkung des Lungerersees sollte im 18. Jahrhundert zusätzliches Kulturland gewonnen werden. Die Idee wurde in der Bevölkerung nicht gleichermassen gut aufgenommen. Im Dorf gab es fortan zwei Lager: die «Trockenen» befürworteten die Absenkung, die «Nassen» waren gegen eine Absenkung. Die Kluft zwischen Befürwortern und Gegner war so gross, dass eine Heirat zwischen «Trockenen» und «Nassen» ein Tabu war.

Eine Seite in einem Fotoalbum mit alten Fotografien. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Aus dem Fotoalbum von Emma Furrer Bilder aus alten Zeiten dokumentieren die Geschichte des Lungerersees. SRF/Alexandra Felder

Absenkung und erneute Stauung

1836 wurde der Lungernsee schliesslich um 18 Meter auf ein Niveau von 657 m ü. M. gesenkt. Dadurch konnten 170 Hektaren Land gewonnen werden. Die Bauern, die sich darauf niederliessen und das Land bewirtschafteten, mussten es nach nur 85 Jahre wieder räumen. Der See wurde erneut gestaut. Eine Tragödie für alle Betroffenen.

Die 88-jährige Emma Furrer hat diesen Zwist zwar nicht persönlich miterlebt. Aber als Dreijährige hat sie gespannt gelauscht, wenn die alte Magd die Geschichen von früher erzählte. «Die Familien konnten einem schon leid tun, sie verloren ihr Land, das sie vielleicht schon während zwei Generationen bewirtschafteten.» Andere versuchten sich mit der geringen Entschädigung andernorts eine neue Existenz aufzubauen, was nicht allen gleichermassen gut gelang.

Vergangenheit und Zukunft des Lungerersees

    • Das Atlantis von Lungern

      Ein ehemaliger Lungerer Dorfteil liegt seit Jahrzehnten versunken am Grund des Lungerersees. Auf einer Fläche von 250 Fussballfeldern lebten hier einmal mehrere Familien, die intensiv Landwirtschaft betrieben. Alles musste dem heutigen Stausee weichen. Davon erzählt Dorfhistoriker Sepp Ming.

      6:44 min, aus Dorfplatz vom 10.05.2016

    • Ganzjährig ein voller See?

      Wer Lungern im Winterhalbjahr besucht, sieht den Lungerersee nur in halber Schönheit. Der Wasserstand ist tief, das Ufer steinig und grau. Denn im Winter wird der Stausee abgelassen, um möglichst viel Strom zu produzieren. Nun setzt sich die «Interessengemeinschaft Naturnaher Lungerersee Lungern» dafür ein, dass der See ganzjährig auf dem gleichen Niveau bleibt. Fränzi Haller hat mit Hans-Heini Gasser über das Anliegen und den Stand der aktuellen Verhandlungen gesprochen.

      6:02 min, aus Dorfplatz vom 10.05.2016