Hörspiel-Klassiker im März – «Der Brand von Uster»

Am 22. November 1832 setzen Handweber aus dem Zürcher Oberland die Mechanische Spinnerei und Weberei Corrodi & Pfister in Oberuster in Brand. Der Aufstand geht als bedeutendster Fall eines Maschinensturms in die Schweizer Geschichte ein.

Bleistiftzeichnung mit einer Menge aufgebrachter Menschen vor einem mehrstöckigen Fabrikgebäude, aus dem grosse Flammen schlagen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zeitgenössische Darstellung des Maschinensturms von Uster (G. Werner, 1832). Die mit den ersten Webmaschinen ausgerüs... zvg

Hintergrund für den Maschinensturm ist die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzende Industrialisierung. Sie führt auch in der textilen Heimindustrie einen Strukturwandel herbei. Die Heimweber empfinden die mechanischen Webstühle als Teufelswerk, das sie um Arbeit und Brot bringt. Die Löhne werden noch niedriger, man ist gezwungen, in den neu entstehenden Fabriken zu arbeiten, sonst droht die Arbeitslosigkeit.

Die aufgestaute Wut der Heimarbeiter entlädt sich am 22. November 1832 beim sogenannten «Brand von Uster». Am Tatort und im Zürcher Oberland werden 75 Personen verhaftet. Die Hauptschuldigen werden zu langjährigen Kettenstrafen verurteilt, nach dem Züriputsch von 1839 aber amnestiert.

Das Schicksal der bestraften Aufständischen bewegt Jakob Stutz

Der Zürcher Volksdichter Jakob Stutz (1801-1877), der einige der Maschinenstürmer persönlich gekannt hat, sieht sich verpflichtet, die Geschehnisse von Uster für die Nachwelt festzuhalten. Er schreibt dazu: «Da ich nun das Glück hatte, belehrt zu werden, hätte ich so gerne auch andere belehren und zudem die Lebensverhältnisse jener Leute, sowie die Beweggründe der Freveltat deutlich der Wahrheit gemäss darstellen wollen. Zeit hiefür fand ich nur in den Stunden der Nacht, wenn alles schlief, oder am frühen Morgen, und dann hörte ich jene Unglücklichen in ihren Ketten an unserem Haus vorüber an die Arbeit auf die Schanzen gehen, was mich jedes Mal wieder in eine aufgeregte Gemütsstimmung brachte».

Hörspielfassung

1836 schreibt Jakob Stutz über den Brand ein Theaterstück. Der Autor nennt es ein Zeitgemälde. 1988 dient das Theaterstück als Grundlage für das fünfteilige Hörspiel «Der Brand von Uster» unter der Regie von Hans Jedlitschka.

Mitwirkende: Claudine Rajchmann (Stimme von heute), Valerie Steinmann (Grossmutter, Urscheli), Ueli Beck (Vater, Chaspar, Sohn), Ella Büchi (Mutter, Margret), Fay Kaufmann (Madlee), Gaby Steinmann (Vreneli), Franziska Frohofer (Nöggli), Sue Hürzeler (Babel), Heidi Diggelmann (Trynel), Paul Bühlmann (Felix), Rolf Simmen (Heiggel), Rolf Scheibli (Ruedli), Inigo Gallo (Hans, Bauer), Jörg Schneider (Friedli), Eduard Huber (Joggi) und Ernst Stiefel (Schulmeister).

Regie: Hans Jedlitschka
Produktion: 1988, SRF