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«Natürlich» 7,5 Millionen Mitarbeiterinnen

Die Imkerei fasziniert die Familie Villiger schon seit Jahren. Seit 2019 arbeitet Christoph Villiger sogar hauptberuflich als Imker – als einer der Wenigen in der Schweiz. Die Bio-Imkerei Villiger liegt auf einer Anhöhe am Rand von Döttingen AG, in unmittelbarer Nähe zum Landwirtschaftsland.

Derzeit betreut die Familie Villiger 150 Bienenvölker. Jedes besteht aus etwa 50'000 Bienen.

Schlechtes Honigjahr 2021

In einem «normalen Jahr» würden die rund 7,5 Millionen Bienen etwa drei Tonnen Honig produzieren. In diesem Jahr sind es jedoch nur etwa zehn Prozent davon. «Schuld ist das Wetter», sagt Corinne Villiger, «es war oft kühl und regnerisch». Gutes Flugwetter für die Bienen wäre warm und trotzdem feucht, sodass die Nahrungspflanzen gut blühen. «Bei Temperaturen unter etwa 11 bis 12 Grad können die Bienen nicht fliegen», ergänzt Corinne Villiger.

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Zu Besuch in der Bio-Imkerei Villiger (Teil 1/3)
07:53 min, aus Audio MW vom 10.08.2021.
abspielen. Laufzeit 07:53 Minuten.
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Zu Besuch in der Bio-Imkerei Villiger (Teil 2/3)
02:36 min, aus Audio MW vom 10.08.2021.
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Zu Besuch in der Bio-Imkerei Villiger (Teil 3/3)
05:04 min, aus Audio MW vom 10.08.2021.
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«Die Honigsaison ist seit Mitte/Ende Juli zu Ende. Seitdem bereiten sich die Bienen bereits auf den Winter vor», erklärt Christoph Villiger auf einem Kontrollgang zu einem Bienenvolk. «Im Moment kontrolliere ich vor allem, ob die Völker genug Futter haben». Da die Bienen weniger oft fliegen konnten, konnten sie auch ihre Nahrungsvorräte weniger gut aufstocken. Zudem prüft Christoph Villiger den Gesundheitszustand der Bienen.

Bienen dürfen «aufmüpfig» sein

Genau wie Menschen haben auch Bienen einen Charakter. Dies mache man sich bei der Zucht zunutze, sagt Christoph Villiger. Allerdings: «Robustheit und Sanftmut schliessen sich in der Genetik aus». Das heisst, etwas aggressivere Bienen sind in der Natur widerstandsfähiger. Auch gegen die vielgefürchtete Varroamilbe. «Ich will zwar keine Stecher züchten», schmunzelt der Profi-Imker, «aber wir wollen auch nicht die ‘zahmsten Lämmli’».

Die Gesundheit der Bienen ist für uns das Wichtigste.
Autor: Christoph Villiger Imker

Als Bio-Imker sorgt sich Christoph Villiger um ein hochwertiges und ausreichendes Nahrungsangebot in der Nähe der Bienenstöcke. Er habe eine gute Beziehung zu den Landwirten in der Umgebung, erzählt er. Diese informieren ihn über ihre geplanten Bepflanzungen und auch über allfällige Spritzeinsätze. Die gute Zusammenarbeit sei für beide Seiten von Nutzen, ist der Imker überzeugt, denn auch die Bauern seien auf die Bienen angewiesen.

Bienenprodukte vielseitig einsetzbar

Corinne Villiger beschäftigt sich intensiv mit der medizinischen Wirkung von Bienenprodukten. Zum Beispiel Propolis, ein harzähnliches Produkt, wirkt antibiotisch. Aber auch das Bienenwachs habe gute Eigenschaften, sagt die Imkerin: «Das Wachs hat nicht nur eine pflegende Wirkung für die Haut, sondern hilft zum Beispiel auch bei Muskel- und Gelenkbeschwerden». In ihrem kleinen Labor stellt Corinne Villiger verschiedene Crèmes oder Lippenpomaden her. Auch Bio-Pollen oder Bienenwachskerzen gehören in die Angebotspalette der Bio-Imkerei Villiger.

Legende: Corinne Villiger mischt für die Seifenproduktion Natronlauge und gefrorene Ziegenmilch zusammen. Dabei entstehen auch Dämpfe, die nicht so gesund sind. SRF

In allen Produkten steckt sehr viel Handarbeit. So auch in den Duschseifen, die Corinne Villiger gerade produziert, als Redaktor Roman Portmann von der SRF Musikwelle auf Besuch ist. «Ich stelle alle Produkte möglichst schonend her, sodass alle guten Substanzen erhalten bleiben», sagt die studierte Biotechnologin.

Nicht alle Zutaten für die Kosmetikprodukte kann die Bio-Imkerei Villiger selbst produzieren. Weitere Zutaten wie zum Beispiel Öle oder Ziegenmilch kauft Corinne Villiger möglichst regional und Bio ein.

Gefährdete Wildbienen

Die Honigbiene sei in der Schweiz oder in Europa nicht gefährdet, sagt Christoph Villiger im Gespräch mit der SRF Musikwelle. Er sorge sich aber um die Wildbienen: «Fast 50 Prozent der Wildbienenarten sind bedroht.» Dabei seien die Wildbienen wichtig, nicht «nur» für die Bestäubung von Pflanzen, sondern auch für die Biodiversität allgemein.

Der Verband «BienenSchweiz» setzt sich nicht nur für die Anliegen von Imkerinnen und Imkern ein. Neu bietet der Verband auch Kurse für ein breites Publikum an, welches sich für den Schutz von (Wild-)Bienen interessiert.

Um den Bienen etwas Gutes zu tun, braucht es nicht einmal unbedingt einen grossen Garten, betont Christoph Villiger. Oft könne man mit kleinem Aufwand den Wildbienen Nahrung und Unterschlupf bieten, erklärt er. Sogar auf einer Terrasse oder einem Balkon könne man etwas erreichen und sich über die grosse Formen- und Farbenvielfalt der Wildbienen freuen.

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