Ihren ersten Visagisten-Job hat sich Bea Petri ergaunert: Sie bewarb sich mit einem gefälschten Zeugnis als «Schminkerin» im Fernsehstudio des Bundeshauses in Bern. Das markiert vor rund 40 Jahren den Start einer steilen Karriere.
Bea Petri ist die schweizweit bekannteste Maskenbildnerin, die sich auf vielen Fernseh- und Filmsets einen Namen gemacht hat.
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Bild 1 von 5. Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde von Bea Petri geschminkt. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 2 von 5. Zum 2005 verstorbenen Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke entstand durch die Arbeit eine freundschaftliche Beziehung. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 3 von 5. Auch bei Schauspielerin Lilo Pulver legte die Visagistin Bea Petri Hand an. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 4 von 5. Der britische Schauspieler und Musiker Sting wurde von Bea Petri geschminkt. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 5 von 5. Bea Petri kam im Verlauf ihrer beruflichen Karriere mit vielen Stars in Kontakt. Auch mit dem Musiker Ricky Martin. Bildquelle: SRF Screen.
In ihrem langen Berufsleben hat Bea Petri ein Kosmetikunternehmen aufgebaut, die sogenannte «Schminkbar» mit sechs Geschäften in verschiedenen Schweizer Städten. Sie hat zwei Mädchen aufgezogen, am Fernsehen in der Sendung «Lifestyle» Schminktipps gegeben und sie hat ein Hilfswerk für Frauen aus Afrika ins Leben gerufen. Dann entschied sie sich, ihr Unternehmen an ihre Töchter zu übergeben.
Dann bin ich von einem Tag auf den anderen in ein richtig tiefes Loch gefallen.
«Ich habe mich sehr gut darauf vorbereitet, die ‹Schminkbar› zu übergeben.» Das hiess loslassen und sechs Läden mit über 100 Mitarbeitenden in die Verantwortung ihrer Töchter zu geben. Ein Einschnitt im Leben der Übermutter, wie sich Bea Petri selber bezeichnet.
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Bild 1 von 3. Bea Petri hat für ihre Karriere drei Ehen geopfert. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 2 von 3. Heute ist sie in vierter Ehe glücklich mit dem Schaffhauser Alt-Stadtpräsidenten Thomas Feurer verheiratet. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 3 von 3. Die beiden Töchter Lia und Kim Petri traten vor rund zehn Jahren in die Fusstapfen ihrer Mutter und übernahmen das Kosmetikunternehmen. Bildquelle: SRF Screen.
Als der Tag der Übergabe gekommen war, verreiste Bea Petri mit ihrem Mann in die Ferien. «Wow! Jetzt ist der Druck weg und es gibt keine Mails mehr», sagt sie über diese Zeit. Genau fünf Wochen sei es gegangen. «Dann bin ich von einem Tag auf den anderen in ein richtig tiefes Loch gefallen», erzählt die Unternehmerin. Sie quälte sich mit der Frage: «Was mache ich jetzt?»
Sie fiel so tief, dass sie einen Psychiater aufsuchte – verunsichert und mit vielen Fragen. Der Psychiater zeigte Verständnis für ihre Situation, sagt Petri. Doch die Fragezeichen blieben.
Alte Möbel als Wegweiser
Die Kündigung eines Lagerraumes zeigte ihr schlussendlich den Weg aus dem Loch und in einen neuen Lebensabschnitt. Die eingelagerten Möbel aus früherer Zeit mussten raus. Bea Petri begann, sie zu verkaufen. «Ich habe mich mit dem Laden selber therapiert», sagt die umtriebige Geschäftsfrau.
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Bild 1 von 3. Bea Petri plädiert dafür, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, wie es nach der Pensionierung weitergehen könnte. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Bea Petris «Wohnbeizli» in Steckborn TG. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Alte Möbel wiesen Bea Petri den Weg in einen neuen Lebensabschnitt. Mit Gleichgesinnten betreibt sie für wenig Geld und mit grosser Freude das «Wohnbeizli». Bildquelle: SRF.
Etwas später entstand aus der Idee das heutige «Wohnbeizli»: Ein Treffpunkt für Jung und Alt und wo man die Möbel und Accessoires vom gemütlichen Café käuflich erwerben kann.
Das Win-Win-Konzept
«Hier gehen die Sachen zu einem fairen Preis über den Ladentisch», sagt die 70-Jährige. Denn heute sei das, was sie mache, ein Hobby. Eines, das die Unkosten decken soll. Wer im «Wohnbeizli» arbeitet, ist pensioniert und kriegt einen bescheidenen Lohn. Petri selber verzichte darauf.
Mit den Menschen, die ins «Wohnbeizli» kommen, tausche sich gerne aus. Bea Petri strahlt, wenn sie von ihrer neuen Aufgabe erzählt. Es gehe ihr blendend.
Es gibt viel Arbeit im Laden und im Café und immer wieder reist Bea Petri ins Ausland, um neue Möbel und Accessoires zu beschaffen oder sie hält sich für ihr Hilfsprojekt in Afrika auf.
Inspiration für andere
Bea Petri ist sich sicher: Sie ist nicht die Einzige, die nach der Pensionierung in ein Loch gefallen ist. Sie stört sich daran, dass die Pensionierung oft idealisiert wird. «Die Leute sagen: ‹Jetzt bist du endlich pensioniert, jetzt hast du es endlich schön›» – doch das treffe sicher nicht für alle zu.
Man solle sich früh genug Gedanken machen, wie es nach 65 weitergehen könnte. «Es gibt eine Menge Möglichkeiten etwas zu tun.» So wie es Bea Petri mit ihrem «Wohnbeizli» vorlebt.