Ein ganzer Chor im Alleingang

Ein Jodler allein kann klingen, wie ein ganzer Jodelchor. Jede Stimme einzeln einzusingen,so dass es als Einheit daher kommt, ist eine grosse Herausforderung. Aktuell hat dieses «Experiment» der Jodler, Komponist und Dirigent Ueli Moor auf der neuen CD des Jodlerklubs St. Stephan gewagt.

Dirigent Ueli Moor und sein Jodlerklub St. Stephan auf dem Cover der aktuellen CD. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «I dänk chli nah...» Dirigent Ueli Moor und sein Jodlerklub St. Stephan auf dem Cover der aktuellen CD. zvg

Seit 25 Jahren leitet Ueli Moor den Berner Oberländer Jodlerklub St. Stephan. Aus diesem Grund haben die urchigen Jodler eine neue CD produziert. Der Dirigent und Jodler aus St. Stephan hat sich dabei als Überraschung etwas ganz besonderes ausgedacht: Ohne das Wissen seiner Jodlerkameraden hat er einen neuen Naturjodel im Playbackverfahren ganz alleine auf die CD gesungen.

Hans Areggers erste Playbackaufnahme

Was heute technisch ziemlich einfach machbar ist, war früher schon fast revolutionär: Unter dem Titel «Der doppelte Hans» produzierte der Luzerner Klarinettist und Saxophonist Hans Aregger im Jahr 1971 einen Schottisch, bei welchem er sowohl die erste, wie auch die zweite Stimme spielte. Als erster Volksmusikant wagte er sich damals an dieses Experiment und erntete grosse Beachtung dafür.

Patti Page mit ihrer Biographie «Once upon a dream» in der Hand (1960) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Patti Page Gilt als die erste Pop-Künstlerin, die das Playback-Verfahren 1947 bei ihren Aufnahmen verwendete. misspattipage.com

Dieses Vorhaben fand schon bald Nachahmer. So produzierte Carlo Brunner 1975 eine Schallplatte, auf welcher er gleich alle Instrumente einer typischen Innerschweizer Ländlerkapelle selber einspielte. Was er damals als 20jähriger versuchte, wiederholte Carlo Brunner im Jahr 2010 anlässlich seines 55.Geburtstages noch einmal unter dem Titel «5x Carlo Brunner». Dabei spielte er zweistimmig auf der Klarinette oder Saxophon und begleitete sich dabei gleich selber auf dem Akkordeon, Klavier und Kontrabass. Natürlich war diese CD-Produktion für Carlo Brunner im Jahr 2010 einiges einfacher, da die Technik mehr Möglichkeiten bietet als noch 25 Jahre zuvor. In letzter Zeit sind solche Playback-Produktionen immer häufiger geworden, so haben zum Beispiel Frowin Neff, Simon Lüthi oder jüngst Adamo Häller eine solche Playback-CD realisiert.

Naturjodel «Läbesgschicht» von Ueli Moor

Nicht gerade eine ganze CD, aber doch einen selbst komponierten Naturjodel hat Ueli Moor auf die neue CD des Jodlerklubs St. Stephan ganz alleine im Playbackverfahren aufgenommen. SRF Musikwelle-Redaktor Sämi Studer wollte von ihm wissen, wie schwierig dies für ihn war – und wie zufrieden er mit dem Resultat ist. Dies und natürlich auch den Playback-Naturjodel «Läbesgschicht» ist im Magazin «Musik und Geschichten» zu hören. Zudem ist auch mehr über die Geschichte dieser Playbackaufnahmen zu erfahren, und es gibt einen Höreindruck der ersten volkstümlichen Playbackaufnahme aus dem Jahr 1971 mit Hans Aregger.

Sendung zu diesem Artikel