Agatha Schicker – ein «Sprudelbad» voller Erinnerungen

«Ich war nicht die Bravste», sagt Agatha Schicker mehr als einmal, wenn sie von ihrer Kindheit erzählt. Gemeine Buben habe sie verprügelt oder in den Bach geschubst und vor langweiligen Aufgaben habe sie sich als Jugendliche gerne gedrückt. Dafür sei sie später ein richtiger «Küchentiger» gewesen.

Aus dem Fotoalbum von Agatha Schicker

Die Erinnerungen sind frisch, die Erzählung lebendig: Wenn Agatha Schicker aus ihrem Leben erzählt, sprudeln die Worte nur so aus ihr heraus. Ihre Anekdoten werden stets von einem ansteckenden Lachen begleitet.

Dass sie kein braves Kind gewesen sei, erwähnt die 91-Jährige mehrmals. Wenn man ihr zuhört merkt man aber, dass sie einfach im guten Sinne eigenwillig war und sich zu wehren wusste. Aufgewachsen unter Metzgerburschen habe sie das lernen müssen.

Ein zweiter Daddy

Agatha Schicker ist erst zwei Jahre alt als ihr Vater stirbt. Nach dessen Tod zieht ihre Mutter mit ihr von Einsiedeln zurück an ihren Heimatort Oberägeri und arbeitet in der Metzgerei des Bruders. Agatha ist tagsüber bei ihrer Grossmutter gut aufgehoben.

Als Agatha Schicker die erste Klasse besucht, lernt ihre Mutter einen Mann kennen und fragt ihre Tochter, ob sie diesen als Daddy haben möchte. Diese meinte nur: «Du kannst ihn schon haben wenn du willst, aber ich will ihn nicht!».

Johann heisst der neue Mann an Mutters Seite. Agatha nennt ihn zuerst wie alle anderen einfach Hani. Erst später, nach einer gemeinsamen Fahrradtour mit anschliessendem Sirup trinken, sagt sie ihrem «guten» Stiefvater schliesslich Daddy.

Lieber Freizeit statt Schulstunden

Die Schule ist für Agatha Schicker ein notwendiges Übel. Viel lieber würde sie zu Hause bei ihren sechs und zwölf Jahre jüngeren Brüdern bleiben. Auch die Sekundarschule interessiert sie nicht, denn dann müsste sie auf die freien Nachmittage verzichten.

Dann beginnt der Zweite Weltkrieg. Der Vater wird für den Aktivdienst eingezogen. Im Wirtshaus der Eltern geht das Militär ein und aus. Es gibt viel zu tun. Bevor Agatha zur Schule geht, hilft sie beim Abwasch. Am liebsten übernimmt sie das Abtrocknen, weil sie die Küchenhilfe jeweils etwas früher entlässt und die restliche Arbeit selber erledigt.

Auch nach Ende der Schulzeit hilft Agatha Schicker während der Kriegsjahre im Wirtshaus aus. «Ich war der Küchentiger», meint die 91-Jährige. Abwaschen, abwaschen, abwaschen habe zu ihren Aufgaben gehört. Und jeweils am Montag habe sie das ganze Wirtshaus geputzt und den Parkettboden gebohnert. «Danach hat mir meine Mutter jeweils einen Eiercognac offeriert.»

Das erste «Rennen» mit Alfons

Bei ihrer ersten Anstellung – im Maienrisli in Baar – lernt Agatha Schicker Alfons kennen. Die erste Verabredung – sie spricht vom ersten «Rennen» – geht beinahe bachab. Die beiden verpassen sich, treffen aber später in einem Café doch noch aufeinander.

Alfons und Agatha heiraten als ein Kind unterwegs ist. 1949 kommt Tochter Bertha auf die Welt, elf Monate später Tochter Trudy. Nach der Einschulung der Kinder übernimmt das Ehepaar das Wirtshaus Adler. Doch eigentlich führt Agatha das Wirtshaus alleine, denn ihr Mann arbeitet hauptberuflich als Elektriker.

Arbeit und Kinderbetreuung bringt die zweifache Mutter gut unter einen Hut. Die Familie wohnt im oberen Stock vom Wirtshaus. Der Schulweg ist kurz. Zu Mittag essen die Mädchen im Adler. Meistens bringen sie dazu auch ein paar Freunde mit. Trotz der vielen Arbeit schätzt Agatha Schicker, dass sie über selbst verdientes Geld verfügt, dass sie nach eigenem Gutdünken ausgeben kann.

Die Begeisterung fürs Autofahren

Mit einem speziellen Erfolgserlebnis beendet Agatha Schicker schliesslich ihre Reise in vergangene Zeiten: «Ich lernte Autofahren».

Ihre Töchter hatten beide schon den Führerausweis und witzelten: «Da müssen ja alle Häuser und Bäume weggeräumt werden».

Das stachelte Agatha Schicker umso mehr an. «Die Theorieprüfung musste ich zwar wiederholen, die praktische Prüfung habe ich aber auf Anhieb geschafft.»

Danach habe sie es genossen, ihren Mann durch die Gegend zu chauffieren oder mit ihrer Mutter und ihrer Cousine in die «Heubeeri» zu fahren.

Sendungen zu diesem Artikel