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Lebensgeschichte Claire Greber-Muff: «Mit 26 hatte ich die Nase voll»

«Ich hätte furchtbar gerne studiert, Psychologie und Politologie», meint Claire Greber-Muff und lacht über die eigenartige Kombination. «Doch mein Vater hat dies kategorisch abgelehnt. Er wollte, dass ich in seinem Betrieb im Büro arbeite.» Das sei nicht etwa ein Wunsch gewesen, sondern ein Befehl.

Legende: Audio Claire Greber-Muff erzählt aus ihrem Leben abspielen. Laufzeit 20:15 Minuten.
20:15 min, aus Sinerzyt vom 21.11.2016.

Claire Greber-Muff ist 89 Jahre alt und wohnt im «Heim im Bergli» in Luzern. Dort trifft sie sich mit Ihresgleichen regelmässig zum Austausch. Heute widmet sich die Gesprächsrunde der Vergangenheit. Für Claire Greber eine Zeit, in der sie sich gefangen fühlte. «Auch mit 26 Jahren durfte ich nie ausgehen oder ein Konzert besuchen.» Sich mit einem jungen Mann zu verabreden sei überhaupt nicht in Frage gekommen.

Ich wäre schier kaputt gegangen.
Autor: Claire Greber-Muff

Kein Wunder will die junge Frau ausbrechen. «Ich hatte die Nase voll», erzählt die 89-Jährige. «Ich holte mir priesterlichen Rat im Kapuzinerkloster Sursee.»

Der Pater rät ihr von zu Hause auszuziehen, «zu fliehen». Daraus wird vorerst nichts, denn nur wenige Tage später tritt ein Mann in ihr Leben. «Plötzlich stand ein Schatzungsbeamter an meiner Bürotür. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch.»

Ein passabler Ehemann

Die ganz grosse Liebe sei es aber nicht gewesen, meint Claire Greber rückblickend. Die Beziehung habe aber ihr und ihm gleichermassen die «Flucht» aus ihren Elternhäusern ermöglicht. Dieser Emil Greber sei der erste Mann gewesen, der ihrem Vater genehm gewesen sei, weil er gute Beziehungen zu Pfarreien hatte. Claire Greber-Muffs Vater war nämlich Elektroingenieur Johann Muff, seines Zeichens Erfinder der ersten elektrischen Steuerung für Glockengeläut, die er an den Mann – oder in diesem Fall – an den Priester bringen wollte.

Sympathie ist ein brüchiges Band

Emil und Claire heiraten, bekommen drei Söhne und ziehen später nach Luzern. Emil Greber arbeitet als Gerichtsschreiber in Luzern und Stans. Claire Greber tippt zu Hause auf der Schreibmaschine Urteile und Klagen ab.

Dann zieht die Familie nach Winterthur. «Emil und ich haben uns gut verstanden, auch wenn das zwischen uns wohl nicht die grosse Liebe war», betont die 89-Jährige noch einmal.

Schliesslich muss sie der Tatsache ins Auge blicken, dass ihr Mann kein Geheimnis daraus macht, dass er eine Geliebte hat. Obwohl er sich «ändern» will hält er an der Affäre fest, so dass Claire Greber die Scheidung will.

Plötzlich alleinerziehend

Die Monate vor und nach der Scheidung sind schwierig. Claire Greber muss um ihre finanziellen Ansprüche kämpfen. Dann zieht sie mit ihren drei Söhnen zurück nach Luzern und sucht sich Arbeit. Vom Amtsgericht Luzern erhält sie Aufträge, die sie in Heimarbeit erledigen kann.

«Bis in alle Nacht habe ich handgeschriebene Urteile auf der Schreibmaschine ins Reine getippt. Damals gab es ja noch keine Computer.» Dann wechselt sie in die Buchhaltung des Obergerichts und kehrt schliesslich als Kanzleibeamtin zurück ans Amtsgericht. «Ich war 16 Jahre am Amtsgericht tätig, das Team war für mich wie eine Familie», schliesst Claire Greber den Rückblick auf ihr Berufsleben.