Jakob Muff - ein Leben in einfachen Verhältnissen

Jakob «Kobi» Muff wohnt seit diesem Frühling im Landwirtschaftlichen Altersheim Hermolingen in Rothenburg. Mit 66 Jahren ist er einer der jüngeren Bewohner. Zeit seines Lebens hat er auf Bauernhöfen gearbeitet, als Kind im elterlichen Pachtbetrieb, später als Knecht bei verschiedenen Meistern.

Jakob Muff wird am 26. Juli 1948 in der Klinik St. Anna in Luzern geboren. Er wächst in Urswil bei Hochdorf auf, wo sein Vater als Pächter einen kleinen Bauernhof bewirtschaftet. Die Familie lebt in einfachen Verhältnissen. Die Kinder werden streng erzogen, dürfen kaum Kontakt zu anderen Kindern in der Nachbarschaft pflegen. Jakob Muff wächst zu einem scheuen Kind und Jüngling heran.

Die Frühlingszeit gehört zu seinen schönsten Kindheitserinnerungen: «Wenn die Kirschbäume blühten und wir das Vieh wieder zum ersten Mal auf die Weide lassen durften».

Parteiische Lehrer und lustige Feuerwehrmänner

In der Schule tut sich Kobi Muff schwer. «Ich brauchte für alles etwas länger als die anderen», erinnert sich der 66-Jährige. Ausserdem erzählt er von einem parteiischen Lehrer, der nebenberuflich die Zweigstelle einer Krankenkasse unter sich hatte. Schüler von Eltern, die bei dieser Krankenkasse versichert waren, wurden weniger streng behandelt.

An der landwirtschaftlichen Schule lässt sich Jakob Muff einen Winter lang ausbilden. Wegen der Rekrutenschule bricht er die Ausbildung ab. In dieser Zeit erweitert sich sein soziales Netz. Auch weil er der Freiwilligen Feuerwehr beitritt. Als junger Mann geniesst er die gemeinsame Zeit mit Kollegen. Nach den Feuerwehrübungen feiert er mit ihnen manchmal bis in die frühen Morgenstunden.

Die Familie verliert den Hof

Jakob Muff ist 25 Jahre alt und arbeitet auf dem gepachteten Hof seines Vaters, als die Hiobs-Botschaft eintrifft: Der Hof wird zu Gunsten von Bauland verkauft, die Familie muss innerhalb eines halben Jahres Haus und Hof räumen.

Mutter und Sohn sitzen auf der Ofenbank eines Bauernhauses. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jakob «Kobi» Muff in jungen Jahren zusammen mit seiner Mutter. zvg

Bei einem benachbarten Bauern findet Jakob Muff eine Anstellung als Knecht. Ihm unterliegt die Stallarbeit, wo er selbständig schalten und walten kann. Von da an arbeitet Jakob Muff Zeit seines Lebens als Knecht in einfachen Verhältnissen. Er hat keine eigene Familie, kein eigenes Zimmer, nicht einmal einen eigenen Fernseher. Seit seiner Pensionierung lebt er im Landwirtschaftlichen Altersheim Hermolingen in einem kleinen, einfach eingerichteten Zimmer.

Unerfüllter Lebenstraum

Angesprochen auf einen Lebenswunsch meint Jakob Muff: «Eigentlich wäre ich gerne auf die Alp gegangen». Weil er aber nicht wusste, was er dann den Winter hindurch hätte tun können, hat Jakob Muff den Traum wieder begraben.

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