«Lebensgeschichte» von Dorothea Zürrer-von Euw

Dorothea Zürrer-von Euw wird am 12. Juni 1929 in Schwyz geboren. Mit 15 Jahren verlässt sie ihr Zuhause, um im Welschland als Hausmädchen Geld zu verdienen. Die Welschlandjahre absolviert sie nicht ganz freiwillig, denn eigentlich wäre sie lieber Lehrerin geworden.

In ihrer Lebensgeschichte beschreibt die 85-jährige Dorothea Zürrer-von Euw den Alltag, wie sie ihn als Kind und Jugendliche erlebt hat. Ein Holzherd in der Küche, ein Kachelofen in der Stube und ein «Güllebucki», ein Plumpsklo, im Treppenhaus. Keine Zentralheizung, dafür Vorfenster. Eine Puppe, ein Ball und ein Springseil die einzigen Spielsachen.

«  Eigentlich wollte ich mich zur Lehrerin ausbilden lassen, aber es hiess, ich müsse jetzt Geld verdienen.
 »

Dorothea Zürrer-von Euw

Mit 15 Jahren geht Dorothea Zürrer-von Euw für ein Welschlandjahr nach Genf und arbeitet bei verschiedenen Familien als Hausmädchen. An die erste erinnert sie sich vor allem wegen ihrer Unterkunft noch gut. Sie wohnt in einer Mansarde, in der es so kalt ist, dass sich auf dem Wasser in der Schüssel über Nacht eine Eisschicht bildet. Für die Morgenwäsche nutzt sie das noch etwas warme Wasser aus der Bettflasche.

Die Schwyzerin erlebt das Kriegsende in Genf

8. Mai 1945: An diesen Tag hat Dorothea Zürrer-von Euw lebendige Erinnerungen. Europa feiert das Kriegsende. Die Worte «La guerre e fini» verbreiten sich wie ein Lauffeuer, auch in Genf, wo die junge Frau ihr Welschlandjahr absolviert.

Die Stadt ist im Freudentaumel. Die Menschen verlassen Wohnungen und Häuser, treffen sich auf der Strasse. Die Musik spielt. Es wird gesungen und getanzt. Einander fremde Menschen fallen sich in die Arme und feiern gemeinsam den Friedenstag. Die Erleichterung und Freude an diesem Tag widerspiegelt sich in Dorothea Zürrers Bericht. Das eindrückliche Erlebnis hat sich tief in ihrem Gedächtnis eingeprägt.

Vom Hausmädchen zur Bank-Sekretärin

Später arbeitet Dorothea Zürrer-von Euw als Zimmermädchen auf dem Selisberg, dann als Serviertochter in Zürich. Schliesslich erhält sie eine Anstellung bei der Posteingangs-Kontrolle der Schweizerischen Bankgesellschaft. Sie arbeitet sich zur Sekretärin hoch, indem sie sich zu Hause das 10-Finger-System beibringt.

Die 85-jährige Dorothea Zürrer-von Euw lebt noch im eigenen Haushalt in Regensdorf und ist seit ein paar Jahren verwitwet. Sie besucht regelmässig ihren Bruder Xaver von Euw im Seniorama «Im Tiergarten».

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