Mit Glockengeläut machte Josef Birrer Mäuse

Geld gab es während der Kindheit des Luchsingers Josef Birrer eigentlich keines. Da musste man sich mit ein paar Rappen hier und da mal zufrieden geben – mit Gelegenheitsjobs wie Kirchenglocken läuten beispielsweise. Aber auch mit Feld- und vor allem Schärmäusen liess sich ein paar Mäuse verdienen.

Gleich neben dem Schulhaus stand die protestantische Kirche. Eine glückliche Fügung, denn so konnten Jungs wie Josef jeweils bei Gottesdiensten aber auch bei Beerdigungen die Glocken läuten. Der grösste Auftrag war es an Silvester das alte Jahr auszuläuten. Das dauerte jeweils eine halbe Stunde. Im Anschluss durften sich die Buben dann aber über einen Teller Suppe samt Brötchen im Pfarrhaus freuen. Dazu gab es den Jahreslohn in Form eines 20-er Nötlis. Kein Wunder, kamen sich die sonst bescheiden lebenden Jungs plötzlich ganz reich vor.

Mit Mausen fängt man Mäuse

Ebenfalls eine Eintragsquelle bot sich durch die Mäusejagd. Die Tricks, wie man die Nager aus ihren Löchern in die Falle lockt, hatten die Buben drauf. War man erfolgreich, musste man die Mäuse in der Gemeindekanzlei vorzeigen, wo ihnen eine Kralle als Beweis abgezwackt wurde. Erst an der Kirchweihe gab es dann vom Förster pro Kralle einen entsprechenden Lohn. Jeder Junge wollte natürlich der erfolgreichste Mäusejäger sein, zumal sich dadurch einiges verdienen liess. Immerhin erhielten sie pro erbeutete Feldmaus 30, und pro Schärmaus sogar 50 Rappen.

Feuersteine und Chlausmärt

Ebenalls ein regelrechter Wettbewerb entfachte, wenn es darum ging, an Hochzeiten Feuersteine einzusammeln. Deren Bonbonpapiere trugen jeweils einen begehrten Spruch. Diese zu sammeln war damals so angesagt, wie heute die Panini-Bilder.

Am Chläusmärt wiederum wurde am 6. Dezember der Nikolaus mit Glockengeleut willkommen geheissen. Natürlich wurden die Kinder mit den grössten Kuhglocken beneidet.

Per Bahn durchs Leben

Beruflich versuchte sich Birrer anfangs als Laufbursche eines Bäckers und eines Metzgers, danach wurde er Mitarbeiter einer Glarner Tuchfabrik, bis er schliesslich bei der Bahn seine Lebensaufgabe fand. Auch hier zeigte er sich anpassungsfähig und beendete seine Laufbahn, nachdem er als Gleismonteur und Koch im Eisenbahnwagon gearbeitet hatte, schliesslich als Büroangestellter im Bahnbüro Ziegelbrücke.

Zusammen mit seiner Frau zog er vier Kinder gross, half ihr am Wochenende bei ihrer Arbeitsstelle und war aktives Mitglied im Jodelklub Glärnisch. Nach seiner Pension genossen Birrer und seine Frau ihre gemeinsame Freizeit mit grösseren und kleineren Zugfahrten quer durch die Schweiz.

Seinen Lebensabend verbringt der 86-jährige Senior mittlerweile im Alterszentrum Bärgli in Glarus.

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