Zürcher Liebesgeschichten vom Käferberg

Voller Freude erscheinen sie zum Interviewtermin im Radiostudio. Die fünf Damen aus dem Alterszentrum Käferberg in Zürich blühen richtig auf, als sie ihre Lebensgeschichten preisgeben. Dabei wird schnell klar, dass dabei jeweils zwei Komponenten eine Hauptrolle spielen: Zürich und die Liebe.

Die einzige, die es in dieser Frauenrunde nicht erst nach Zürich zog, ist Ida Läng. Kein Wunder, denn sie wuchs ja schon in der Stadt auf und zwar mittendrin im Kreis vier. Ihr erster Mann betrog sie, aber Ida Läng liess das nicht einfach so auf sich sitzen. Sie setzte ihn wortwörtlich vor die Türe. Für den gemeinsamen Sohn musste sie fortan selber aufkommen, da ihr Mann keine Alimente bezahlte. Dafür durfte sie auf die Hilfe ihrer Eltern zählen.

Mit französischem Charme verführt

Simone Enderle wuchs in Vallorbe auf. In Vevey arbeitete sie in einer Pension. Ihr zukünftiger Ehemann hatte ein Zimmer gemietet. Immer wieder besuchte er sie in der Küche, weil er Französisch lernen wollte. Letztlich heirateten die beiden und zogen nach Zürich. Der Bruder ihres Mannes hatte ihm dort eine Stelle bei der Migros verschafft. Bis die erste und einzige Tochter zur Welt kam, musste das Ehepaar 15 Jahre warten.

Per Taxi ins Eheglück

Aus dem Berner Oberland fand Verena Zwahlen ebenfalls den Weg nach Zürich. Sie ist mit ihren 74 Jahren die jüngste in der Runde. An die Freiheit und Unbeschwertheit ihrer Kinderzeit erinnert sie sich gerne zurück. Ebenso zuckt ein freudiges Lächeln über ihr Gesicht, wenn sie an die erste Begegnung mit ihrem Mann zurückdenkt. Sie arbeitete als Serviertochter, er als Taxifahrer. Als sie nach einem langen Arbeitstag ein Taxi bestellte, fuhr ihr zukünftiger Ehemann vor. Sie hatte kein Wechselgeld dabei und schlug vor, dass er einfach morgen wieder vorbeikommen sollte. Folglich fuhr er jeden Tag vorbei um sie abzuholen. Später führten die beiden gemeinsam ein Café in Rümlang bei Zürich. Nach einer Hirnblutung verbringt Frau Zwahlen ihren Lebensabend nun im Käferberg.

Frisch gebackene Liebe

In der Nähe von Kitzbühl wuchs Johanna Lötscher auf, die noch heute mit sympathischem Österreichischen Akzent über ihre Vergangenheit spricht. Die Kindheit war stark vom zweiten Weltkrieg geprägt. Als dieser vorbei war, ging sie nach Bregenz und arbeitete in einem Lebensmittelgeschäft. Ihr zukünftiger Ehemann war Kunde. Er liess sich zuerst von ihr beraten und schlug ihr danach gleich ein Treffen nach Feierabend vor. Von da an waren die beiden unzertrennlich. Ihr Mann war Bäcker und eröffnete in den späten 1960er-Jahren eine Bäckerei mitten in Zürich. Fünfzig Jahre lang waren die beiden glücklich verheiratet, bis er 2012 verstarb.

Direkt ins Herz getanzt

Am weitesten entfernt von Zürich ist die Heimat von Johanna Gujer. Sie kam in der Nähe von Amsterdam zur Welt. Schon mit 14 musste sie in einer chemischen Reinigung mitarbeiten und mit schweren Bügeleisen herumhantieren. Abends ging sie gerne tanzen. Eines Tages wurde sie von einem talentierten Tanzpartner umschmeichelt. Es stellte sich heraus, dass er Schweizer war. Bald darauf wurde geheiratet und sie zogen in die Schweiz. Leider verstarb ihr Mann schon nach 25 Jahren Ehe. Wenn im Käferberg ein Tanznachmittag ansteht, steht sie jedenfalls noch immer auf dem Parkett – und wenn es sein muss sogar mit Rollator als Tanzpartner.

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