Mangelernährung in der Schweiz

Man könnte meinen, Mangelernährung sei etwas, das es bei uns nicht gibt. Schliesslich leben wir im Überfluss. Doch schätzungsweise 10 Prozent der Senioren in der Schweiz sind mangelhaft ernährt, essen also nicht genügend Kohlenhydrate, Eiweisse oder Vitamine.

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Proteinmangel im Alter

18 min, aus Puls vom 24.2.2014

Eine hochwertige, ausgewogene und richtige Ernährung ist im Alter besonders wichtig. «Mangelernährte Senioren haben einen verlangsamten Heilungsprozess, werden nach Krankheiten oder Operationen langsamer wieder mobil und haben vermehrt Infekte», sagt Altersmedizinerin Heike Bischoff-Ferrari.

Dabei sind es immer wieder dieselben Nährstoffe, die im Alter fehlen: zu wenig Kohlenhydrate, zu wenig Vitamine und vor allem zu wenig Eiweisse.

Für eine Mangelernährung gibt es verschiedene Gründe:

  • Soziale Gründe: Senioren mögen nicht für sich selber hochwertig kochen oder gar alleine essen.
  • Immobilität: Senioren mögen nicht mehr einkaufen gehen oder lange in der Küche stehen. Zudem hat, wer sich weniger bewegt, auch weniger Hunger.
  • Medikamente: Diese können den Appetit vermindern.
  • Zähne: Wer schlechte Zähne hat, kann nicht mehr alles essen.
  • Geschmack: Die Geschmacksnerven werden im Alter unempfindlicher. Das heisst, das Essen schmeckt nicht mehr so gut.
  • Sättigungsgefühl: Senioren sind schneller und länger satt als jüngere Personen, darum essen sie mengenmässig weniger. Dies kommt daher, dass der Magen nicht mehr so schnell arbeitet, die Nahrung also länger im Magen verbleibt und damit das Sättigungsgefühl früher auftritt.

Um einer Mangelernährung entgegen zu wirken, gibt es verschiedene Tricks:

  • Kleine Portionen essen.
  • Mehrmals über den Tag verteilt essen.
  • Speisen kräftiger würzen.
  • Einkaufs- oder Kochhilfe in Anspruch nehmen oder auswärts essen gehen, Gleichgesinnte treffen.
  • Mehr Bewegung bedeutet mehr Hunger.
  • Ausgewogen essen: Kohlenhydrate, Gemüse und vor allem auch Eiweiss gehören in alle Speisen.
  • Zähne regelmässig kontrollieren lassen.
  • Bei Appetitlosigkeit den Hausarzt auf die Medikation aussprechen.