Pater Kolumban Reichlin – wenn ein Mönch auch jodeln kann

Obwohl Pater Kolumban Reichlin seit 24 Jahren im Kloster lebt, widmet er sich sporadisch einer anderen Leidenschaft, dem Jodelgesang. Seit sechs Jahren leitet er die zum Kloster Einsiedeln gehörende Propstei St. Gerold als Seelsorger, Hotelier, Kulturveranstalter und seit Kurzem auch als Bauherr.

Pater Kolumban wächst mit vier Geschwistern im kleinen Bergdorf Steinerberg im Kanton Schwyz auf. Seine Kindheit ist geprägt von Musik und Jodelgesang. Sein Vater ist seit über 50 Jahren passionierter Blasmusikant, seine Mutter hat 30 Jahre lang mit ihrer Duettpartnerin Martha Styger gejodelt.

Mit 16 Jahren gründet Pater Kolumban – damals noch als Gymnasiast mit Taufnamen Thomas – in seiner Heimatgemeinde einen Jugendchor, den er auch leitet. Ein Jahr später absolviert er als jüngster Teilnehmer den Dirigentenkurs des Zentralschweizerischen Jodlerverbandes und übernimmt die musikalische Leitung des Kirchenchors seiner Pfarrei.

Gruppenbild mit drei Jodlerinnen und einem Jodler. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Familienquartett Reichlin: Pater Kolumban mit seinen Schwestern und seiner Mutter. zvg

Klassische Konzerte und Auftritte im Jodelterzett

Für seine Abschlussarbeit im Maturafach Musik führt Thomas Reichlin als 18-Jähriger mit drei Kirchenchören und grossem Orchester eine Mozartmesse und Händels «Halleluja» konzertant auf.

In dieser Zeit entdeckt er das Jodeln mit seiner Mutter und deren Duettpartnerin.

Nach dem ersten Jodelauftritt im Terzett am Zentralschweizerischen Jodlerfest in Engelberg, tritt Thomas Reichlin 1991 als Pater Kolumban ins Benediktinerkloster Einsiedeln ein.

18 Jahre dauert es, bis er durch das Engagement seiner beiden Schwestern wieder zum Jodeln findet. Seither tritt er mit den Schwestern ab und zu als Terzett auf oder als Familienquartett, wenn die Mutter noch mitsingt.

Der Pater als Bauherr

Seit 2009 leitet Pater Kolumban die rund 1000-jährige Propstei St. Gerold im Vorarlbergischen Grossen Walsertal. Sie ist eine Filialniederlassung des Klosters Einsiedeln. Grund und Boden besitzt das Schweizer Benediktinerkloster in Vorarlberg seit dem 10. Jahrhundert. Seit dem 13. Jahrhundert gehört die Propstei nachweislich zu Einsiedeln.

Die Propstei St. Gerold ist heute Kloster, Hotel, Seminarhaus, Kultur- und Sozialzentrum in einem. Jedes Jahr finden hier gegen 30 Klassik-, Jazz- und Volksmusikkonzerte statt.

In den Stallungen sind 10 Pferde untergebracht, die Therapeutisches Reiten ermöglichen. Zur Propstei gehört ausserdem ein grosser Bio-Landwirtschaftsbetrieb.

Seit Kurzem ist Pater Kolumban auch als Bauherr engagiert. Im vergangenen Sommer konnten nach einjähriger Bauzeit die neuen Gastronomie-Räumlichkeiten eröffnet werden. Damit wurde eine von mehreren Etappen der geplanten Gesamtsanierung der historischen Klosteranlage erfolgreich abgeschlossen.

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