«Schweizer Geschichten» mit Georges Däscher

Er war so etwas wie die rechte Hand von Kräuterpfarrer Künzle. Zweimal pro Tag brachte Georges Däscher aus Zizers dem bekannten Heilkundler Briefe von Patienten und Kunden vorbei, die gleich haufenweise eintrudelten - ein Erfolg, der für Däscher nicht von ungefähr kam.

Der berühmte Kräuterpfarrer Johann Künzle bewegte schon zu Lebzeiten die Gemüter. Seine Pflanzenheilkunde wurde von vielen als Segen, von andern als gefährlicher Humbug empfunden. Vom Sankt Galler Bischof vertrieben, begab er sich schliesslich nach Zizers im Kanton Graubünden, wo er bis zu seinem Lebensende weilte.

Georges Däscher war es, der ihm die Post ins Haus brachte und so auch die persönlichen Seiten Künzles kennenlernen durfte. Fast ehrfürchtig spricht er noch heute von ihm.

«  Er war ein Heiler aus Überzeugung! »

Georges Däscher

Seinen berühmten «Volkskalender» veröffentlichte Künzle demnach immer kostenlos. Wer wissen wollte, wie man anhand Kräutertees und Salben seine Beschwerden lindern kann, durfte sich hier also gratis mit Ratschlägen eindecken. Die clevere Marketingstrategie, die hinter Künzle steckte, war allerdings nicht von der Hand zu weisen. Auch Däscher betont, dass die entsprechenden Firmenmanager genau wussten, wie man ans grosse Geld kommt. Nur schon Künzles Lapidar-Tabletten waren der Renner. Sogar im Kino und in Illustrierten wurde dafür Werbung gemacht.

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Kräuterpfarrer Johann Künzle

Kräuterpfarrer Johann Künzle
  • Künzle kam 1857 in St. Gallen zur Welt und verstarb 1945 in Zizers.
  • Er wirkte als katholischer Pfarrer, Publizist und Wegbereiter der Phytotherapie.
  • Sein Wissen eignete er sich durch ausgiebiges Studium entsprechender Literatur an.
  • Sein Buch «Chrut und Unchrut» wurde millionenfach verkauft.

Teure Gesundheit

Lapidar-Tabletten waren zur Behandlung von Heiserkeit über Magenschmerzen bis hin zu Rheuma begehrt. Sogar Bettnässer sollten dadurch von ihrem Leiden befreit werden. Eine Packung kostete damals drei Schweizer Franken. Bei einem durchschnittlichen Verdienst von 85 Rappen pro Stunde, waren die Tabletten also teuer. Dennoch gingen pro Tag über 1000 Bestellungen dieser Lapidar-Pillen über den Ladentisch, wie Georges Däscher berichtet.

Auch nach Johann Künzles Tod (1945) war Georges Däscher bei der «Künzle-Firma» angestellt. Beruflich war er sowohl in der Schweiz, als auch in Österreich, Luxemburg und Deutschland unterwegs. Die Nachkriegszeit war hart. Seine Erkenntnis: «Uns erging es damals nicht besser als den andern!». Natürlich waren die meisten Städte in Deutschland dem Erdboden gleich gemacht worden. Aber auch die Schweiz war damals kein Land wo sprichwörtlich «Milch und Honig fliessen».

Diese Erinnerungen haben Georges Däscher geprägt. Genauso wichtig ist ihm aber auch sein grosses Hobby als Weinbauer. «Im Wingert kriegt man mehr Sauerstoff ab als im Wald», schwärmt der rüstige Rentner. Vielleicht ist dies auch der Grund, weshalb er selber nie eine von Künzles Tabletten nötig hatte.

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