Alles nur geklaut?

Wer den Schottisch «En urchige Muotathaler» mit der «Veteranen-Polka» vergleicht, stellt fest, das beide Stücke die gleiche Melodie haben. «Alles nur geklaut?», hat sich Volksmusikredaktor Dani Häusler gefragt. Bei der Suche nach einer Antwort ist er auf spannende Fakten gestossen.

Eine sechsköpfige Musikformation lehnt an einem Brückengeländer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Tanzkapelle Ueli Mooser spielt «Tanzmusik-Klamotten». zvg

«Tanzmusik-Klamotten» heisst das erste Album der Tanzkapelle Ueli Mooser. Es enthält lauter alte Melodien, die heute in neueren Versionen unter anderen Namen bekannt sind. Ein Beispiel von vielen ist die «Veteranen-Polka», geschrieben 1862 von Josef Vollmàr. Sie diente zwei späteren Komponisten als Vorlage: Fredy Zwimpfer (1925-1977) für «En urchige Muotataler» und Rees Gwerder (1911-1998) für «De Chüefer».

Ueli Mooser auf die Frage «Alles nur geklaut?»

0:25 min, aus Musikwelle Magazin vom 12.12.2017

Entlehnt und nicht geklaut

Man könnte meinen, hier handle es sich um Diebstahl geistigen Eigentums. Dem widerspricht Ueli Mooser: «Die Melodien sind nicht geklaut, sondern einfach entlehnt», sagt er gegenüber Volksmusikredaktor Dani Häusler. Das erkläre sich aus der Geschichte der Volksmusik. Früher seien Melodien meist überliefert worden, auch aus dem benachbarten Ausland. Selten habe man sie auf Notenblättern festgehalten. Man habe sie im Ohr behalten und später nachgespielt.

Während seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit internationaler Folklore ist Ueli Mooser zufälligerweise auf Musik gestossen, die grosse Ähnlichkeit mit der Schweizer Ländlermusik hat. Das hat sein Interesse geweckt und ihn zu einer intensiven Recherche motiviert. Fündig geworden ist er in Antiquariaten, im Internet oder beim Digitalbestand verschiedener Universitätsbibliotheken.

Musikschätze aus den Archiven

«Interessantes, fast vergessenes Material zum Bearbeiten fand ich zum Beispiel in dicken, antiquarischen Klaviernoten-Büchern mit ‹klingenden› Titeln wie ‹Goldene Leier – Perlen der Tonkunst›, ‹Tongers Musikschatz›, ‹Hundertelf Tänze›, ‹Scribners Radio Music Library› oder anderen vergilbten Notenheften und -blättern», so Ueli Mooser. Aus dem reichen Fundus hat er bis heute über hundert Stücke transkribiert und eine umfangreiche Notensammlung erstellt, die sich sehr gut für seine volkstümliche «Trivialmusik» gebrauchen lässt.

Nun geht die Tanzkapelle Ueli Mooser mit diesen «Melodien auf Reisen», entsprechend dem Untertitel ihres ersten Tonträgers «Tanmusik-Klamotten».

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