Die «Callas der Berge» blüht nach wie vor

Sie galt als die «Callas der Berge», die Grenchner Jodlerin Therese Wirth-von Kaenel. Ihre Art zu Singen ist bis heute einzigartig. Therese Wirth-von Kaenel hatte eine kräftige, sehr ausdrucksstarke und dadurch auch unverwechselbare Stimme. Beim Jodeln schwang stets ein Hauch von Klassik mit.

Collage auf einem originalen Plattencover. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Therese Wirth-von Kaenel. zvg

Am 6. August 1923 in Erstfeld UR geboren, wuchs Therese Wirth-von Kaenel anschliessend in Goldau auf. Sie war in ihrer Familie die Einzige, die so grossen Gefallen am Jodelgesang fand. Es war für sie von klein auf eine Möglichkeit ihre Freude und Lebenslust auszudrücken.

Therese Wirth-von Kaenel in eindrücklicher Tracht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Therese Wirth von-Kaenel war ihre Freiheit wichtig. Deshalb ging sie immer ihren eigenen Weg. zvg

Bedingt durch die Heirat mit Werner Wirth zog sie 1945 nach Grenchen, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Vor 10 Jahren starb Therese Wirth-von Kaenel am 18. September 2005.

Von Jodel bis Mozart

Erst ihr Mann Werner ermunterte Therese Wirth-von Kaenel ihre schöne Naturstimme klassisch ausbilden zu lassen.
Ihre kultivierte, markante Stimme umfasste einen Umfang von vier Oktaven. So war es ihr möglich neben Jodelliedern und volkstümlichen Schlagern auch Lieder aus der klassischen Literatur zu interpretieren – seien das nun geistliche Werke oder auch die «Arie der Königin der Nacht» aus Mozarts «Zauberflöte».
Es ist daher kein Zufall, wenn man sie im Ausland stets mit Superlativen wie «Königin der Schweizer Jodlerinnen», Jodelnde Nachtigall» oder «Callas der Berge» ankündigte.

Ein Dorn im Auge des Eidgenössischen Jodlerverbands

Gerade wegen ihrer leicht klassischen Art zu jodeln wurde Therese Wirth-von Kaenel früher im Eidgenössischen Jodlerverband eher gemieden. Obwohl sie eine Zeit lang Mitglied des Verbandes war, polarisierte die ausgebildete Sopranistin mit ihren unkonventionellen Interpretationen. Diese Freiheiten waren der Grenchnerin sehr wichtig. Da ihr der Eidgenössische Jodlerverband andauernd Steine in den Weg legte und sie nicht ernst nahm, trat sie schliesslich aus dem Verband aus.

Mit den Konsequenzen wusste sie gut umzugehen. Schwieriger war die Situation für Musiker, die mit ihr zusammenarbeiten wollten. Diese bekamen es nun ebenfalls mit dem Verband zu tun. Damals war es nämlich nicht erlaubt mit Interpreten aufzutreten, die nicht dem Eidgenössischen Jodlerverband angehörten.

Trotz ihrer grossen Begabung und der einzigartigen Stimme behielt Therese Wirth-von Kaenel ihre herzliche Art und blieb stets bescheiden.
Sogar durch ihre erfolgreichen Auftritte vor Tausenden von Zuschauern in den grössten Konzertsälen der Welt liess sie sich nicht blenden.
Als «Callas der Berge» feierte sie grosse Erfolge im In- und Ausland. Im Verlaufe ihrer Gesangskarriere trat sie in allen Ländern Europas auf.

Legendäre Auftritte in London und New York

In besonders guter Erinnerung blieben ihr die Auftritte in der Londoner «Royal Festival Hall» oder in der New Yorker «Radio City Music Hall». Dort bestritt sie zusammen mit anderen Interpreten während vier Wochen eine Schweizer Folklore-Show. Mit dabei waren auch Peter Hinnen, der Klarinettist Karli Oswald, der Schwyzerörgeler Josias Jenny, die Kernser Singbuben, verschiedene Alphornbläser und Fahnenschwinger sowie – als Hauptattraktion – die «Geschwister Schmid». Die Radio City Music Hall hat 6200 Sitzplätze. Täglich fanden vier Vorstellungen statt, die über die ganzen vier Wochen stets ausverkauft waren.

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