Jodlerchörli Geuensee Marie-Theres von Gunten will mehr Zeit für sich

Dank seiner gewissenhaften und exakten Arbeit avancierte das Jodelchörli Geuensee zu einem Aushängeschild der Szene. Als Komponistin gilt für Marie-Theres von Gunten die Maxime: «Ich möchte den Sängern nichts zumuten, was nicht gut ist». Nun will sich die Jodelkoryphäe aber zurückziehen.

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Archivperle: Marie-Theres von Gunten mit «Hebs Chöpfli uuf»

3:01 min, vom 28.8.1993

Sie war gerade 26 Jahre jung, als sie angefragt wurde, ob sie Dirigentin des Jodelchörli Geuensee werden möchte. Eine grosse Herausforderung für die engagierte Jodlerin, für welche sie zuerst absagte. Schon damals zeigte sich ein wichtiger Charakterzug Marie-Theres von Guntens: wenn überhaupt, dann wollte sie es gewissenhaft angehen. Letztlich übernahm sie das Amt und blieb ihrem Jodelchörli 40 Jahre lang treu.

«Potzmusig» mit Marie-Theres von Gunten vom 18.05.2013

34 min, aus Potzmusig vom 18.5.2013

Geplaudert wird woanders

Voraussetzungen für einen guten Chor sieht sie in guten Sängern gepaart mit einer kameradschaftlichen Einstellung. Disziplin zählt aber genauso dazu. Nicht zuletzt stellte schon so manches Chormitglied fest, dass es von Gunten mit den Proben sehr genau nimmt. Punkt 22:00 Uhr wird zwar jeweils Schluss gemacht, bis dahin wird aber fleissig geübt. Plaudereien zwischendurch werden nicht geduldet.

Mit gleicher Disziplin geht von Gunten auch als Komponistin vor. In jeder Note steckt Disziplin. Am Ende lässt sie ihre Lieder von einer Zweitperson korrigieren. Sie ist sich sicher, dass sich so immer etwas verbessern oder verschönern lässt. Fleiss, der sich letztlich bewährt. Ihre Melodien zählen zum Standartrepertoire der meisten Jodelklubs und zu den beliebtesten Vortragsstücken an Jodelwettbewerben.

Kritische Stimmen

Aber auch eine Jodelkoryphäe wie Marie-Theres von Gunten stösst mit ihren Kompositionen nicht nur auf Gegenliebe. Einige Kritiker bemängeln, ihre Lieder seinen zu komplex und würden von den Sängern zu viel abverlangen. Irgendwie will sie das auch gar nicht abstreiten und darf die Kritik gewiss auch als eine Art Kompliment sehen.

Auch sie selber wurde mit einer herrlichen Stimme beschenkt. Ihre Aufgabe sieht sie darin, das Beste aus ihrem Instrument herauszuholen, damit es bis in die Herzen des Publikums klingt. Dafür holt sie sich jeweils Inspiration bei ihrem indischen Lieblingsspruch.

«  Gott achtet mich wenn ich arbeite, aber er liebt mich wenn ich singe. »

Ravindranath Thakur
bengalischer Dichter (1861 - 1941)

Ihren Dirigentenstab beim Jodelchörli Geuensee übergibt von Gunten nun in die Hände von Yvonne Fend. Der Abschied fällt ihr leichter als gedacht, weil sie überzeugt davon ist, dass mit Fend frischer Wind ins Chörli kommen wird.

Die Jahreskonzerte des Jodelchörlis Ende November 2017 werden ihre letzten sein. Gleichzeitig freut sich Marie-Theres von Gunten die Doppel-CD «Mir säge Dank» mit nostalgischen Rückblicken und ein paar neuen Lieder zu präsentieren.

Gesangsunterricht will sie vereinzelt noch geben, aber vor allem Zeit für sich selber geniessen. Zeit für die Natur, aber auch fürs Töfffahren, das man ihr als Jodlerin auf den ersten Blick gar nicht zutrauen würde. «Keine Angst, ich nehms immer gemächlich», meint sie schmunzelnd.

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