Darum sollten Erwachsene viel mehr Comics lesen

Comics sind nur für Kinder und Nerds! So zumindest das gängige, ausgelutschte Vorurteil. Das ist absoluter Mist, denn im ganzen Comic-Universum gibt es so viele Genres und Nischen, dass auch Erwachsene voll auf ihre Kosten kommen. Wir stellen dir fünf Beispiele vor, die den Einstieg erleichtern.

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Bildlegende: Comics auch für Erwachsene gibt es mehr als genug geeignete SRF Virus

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Comix Shop Basel

Comix Shop Basel

Der Comix Shop Basel ist eine der besten Anlaufstellen, wenn du kompetente Beratung in Sachen Comics brauchst. Nebst Comics bietet der Laden diverse Workshops an und hat gerade einen Zeichnungswettbewerb zum Thema Nachbarschaft lanciert. Hier findest du mehr Infos.

Um ein für allemal Schluss mit Vorurteilen gegenüber Comics zu machen, sind wir in den Comix Shop in Basel gegangen und haben mit Inhaberin Angela Heimberg gesprochen.

«Natürlich gibt es die Nerds, aber es gibt auf keinen Fall nur diese oder Kinder, die Comics lesen. Mit steigendem Alter gibt es Genres, die anspruchsvoller sind und somit direkt auf Erwachsene abzielen», erzählt uns Angela. Oft finde die Sensibilisierung in der Kindheit statt, in der Jugend beginnt man sich dann für Mangas zu interessieren und der Weg ist geebnet, sich auch nach dem Teenie-Alter mit dem Thema Comics auseinanderzusetzen.

Mittlerweile ist die Vielfalt an Genres und Nischen so gross, dass dies längst nicht der einzige Weg ist, mit Comics in Berührung zu kommen. «Wir haben mittlerweile viel mehr erwachsene Kunden, die noch nie Comics gelesen haben und nun erste Berührungen mit diesem Medium haben», sagt Angela. Zudem führt das Genrewachstum auch dazu, dass sich vermehrt Menschen dem Comic zuwenden, die sich vorher lediglich der Belletristik verschrieben haben. «Die Ansprüche steigen, was die Substanz der Geschichte betrifft», so Angela.

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Comic-Shops in der Schweiz

Hier findest du eine Liste mit massig Comic-Shops in der ganzen Schweiz.

Aber kann man dann nicht gleich ein Buch lesen? Angela kontert: «Nein, eigentlich nicht. Man kann Comics und Bücher komplementär nutzen. Sie sprechen unterschiedliche Bedürfnisse an», und fügt dann gleich noch an: «Die Erzählart mit Bild und Text hat eine ganz andere Dimension. Das hat etwas sehr künstlerisches und musisches, das sehr ansprechend sein kann, was einen Mehrwert schafft.»

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Tipp Nr. 1: «Low» von Rick Remender und Greg Tocchini

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Genre: Science-Fiction

Um das geht es: «Die Geschichte spielt in weiter Zukunft. Die Erde droht von der immer grösser werdenden Sonne einvernehmt zu werden und es muss dringend eine Lösung gefunden werden, wie die Menschheit gerettet werden kann. Die Welt ist hoffnungslos, pessimistisch und es ist alles dem Tod geweiht – dementsprechend sind die Menschen wild, unmoralisch, brutal und es gilt das Gesetz des Stärkeren.»

Deswegen musst du diesen Comic lesen: «‹Low› ist aus zwei Gründen eine ziemlich spannende Science-Fiction-Geschichte: erstens ist eine Frau in der Hauptrolle und zweitens sind die Illustrationen bahnbrechend. Die Zeichnungen sind modernes und völlig neues Artwork.»

Tipp Nr. 2: «Berichte aus der Ukraine (Erinnerungen an die Zeit der UdSSR)» von Igort

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Genre: Reportage

Um das geht es: «Igort war ein paar Monate in der Ukraine und wollte sich ein Bild des Landes und seiner Bewohner machen. Dafür hat er unterschiedlichste Menschen unterschiedlichsten Alters getroffen. Der Comic ist sehr erschütternd, weil man sieht, dass die Ukraine während den letzten 90 Jahren oftmals in den Interessen anderer Mächte gewesen ist.»

Deswegen musst du diesen Comic lesen: «Der Comic ist ein Zeitzeugnis von der Zeit als Stalin gnadenlos Menschen in der Ukraine verfolgte bis hin zum Krieg in Donbass und der Annektierung der Krim. Es ist vieles historisch belegt und man lernt beim Lesen vieles über das Land. Gezeichnet ist die Geschichte ganz behutsam, mit weichen Farben, und schafft somit eine intime und ganz berührende Art.»

Tipp Nr. 3: «Sweet Tooth» von Jeff Lemire

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Genre: Amerikanischer Comic

Um das geht es: «‹Sweet Tooth› ist eine ganz eigenwillige Geschichte eines Jungen, der mit seinem Vater irgendwo im Outback der USA aufwächst. Die Besonderheit des Jungen ist, dass er ein Geweih hat. Was genau das auf sich hat, erfährt man lange nicht. Eines Tages stirbt der Vater des Jungens, der noch nie etwas von der Aussenwelt gesehen hat, er wird von einem Kopfgeldjäger entdeckt und zieht mit ihm los in die Welt.»

Deswegen musst du diesen Comic lesen: «Die Geschichte ist total spannend: die Dramaturgie ist total toll, der Comic ist spannend und richtig fesselnd.»

Tipp Nr. 4: «Opus» von Satoshi Kon

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Gerne: Manga

Um das geht es: «In diesem Manga geht es um einen Mangazeichner, der von einem Redaktor den Auftrag bekommt, seine Serie zu beenden. Widerwillens muss sich der Zeichner also mit dem Ende seiner Geschichte auseinandersetzen. Während er am Zeichnen ist, kommen seine Figuren plötzlich aus dem Manga heraus, sagen ihm ‹So nicht› und ziehen ihn dann in seine eigene Geschichte hinein.»

Deswegen musst du diesen Comic lesen: «Satoshi Kon hat bereits mit den Anime ‹Perfect Blue› und ‹Paprika› grosse Erfolge gefeiert und es ist einmalig, dass auch er einen Manga gezeichnet hat.»

Tipp Nr. 5: «Adrastée» von Mathieu Bablet

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Genre: Französischer Comic

Darum geht es: «Es wird die Geschichte eines unsterblichen Königs erzählt, der mit anschauen muss, wie sein Königreich und Imperium langsam untergeht. Die Menschen verschwinden, seine Paläste werden zu Ruinen und von der Natur zurückerobert. Daraufhin macht sich der König auf die Suche nach der Sterblichkeit.»

Deswegen musst du diesen Comic lesen: «‹Adrastée› ist eine klassische Fantasy-Geschichte, aber mit bahnbrechenden Illustrationen. Bei der Geschichte schwingt immer ein bisschen Melancholie mit, die zusammen mit den wunderschönen Landschaftszeichnungen einen richtig schönen Augenschmaus aus dem Comic machen.»