Das steckt hinter der neuen Lifestage-App von Facebook

Wer Facebook nutzt, stammt aus der Steinzeit: So urteilten wohl viele Millennials, die spätestens nach der Anfrage ihrer (Gross-)Eltern panisch auf eine Alternativplattform wie Snapchat ausgewichen sind. Mit der Video-App «Lifestage» will Facebook nun all jene wieder zurückgewinnen.

Mädchen an Smartphones Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Haha Lug de Fritzli het grad es neus Video teilt Pinterest

Das kann «Lifestage»

In Zeiten der inszenierten Selbstdarstellung bietet Facebook eine neue und noch kostenlose App im amerikanischen App Store (iOS) an, mit welcher junge Menschen bis zu 21 Jahren Fragen über ihre Person per Videobotschaft beantworten - und sich so ihren Mitschülern präsentieren.

«  Lifestage ist quasi das Poesiealbum oder Freundschaftsbuch von damals - nur in Videoform. »

Guido Berger
SRF-Digitalredaktor

Haben sich genügend Schülerinnen und Schüler einer Schule angemeldet, wird deren Standort freigeschaltet.

Der Gedanke dahinter

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Guido Berger

Guido Berger

Er ist der Babo wenn's um digitale Fragen geht: Guido aus der SRF-Digital-Redaktion.

«Facebook weiss, dass sich Jugendliche auf Plattformen wie Snapchat bewegen und will sie mit diesem Versuch neu anlocken», schätzt SRF-Digitalredaktor Guido Berger.

Da die Jungen aber ohnehin verschiedenste Plattformen nutzen, laute die primäre Frage nicht, ob (!) die Jungen auch anderswo anzutreffen sind, dafür umso mehr, wie viel Zeit sie wo verbringen:

«  Die bildhafte Kommunikation auf Instagram oder Snapchat zieht viel besser, als der text- und linkbasierte Newsfeed von Facebook. »

Die Älteren würden sich durch diese App ebenfalls nicht gestört fühlen: «Sie werden zwar ausgeschlossen, aber die fragen sich ja auch bei Snapchat, was das Ganze eigentlich soll», lacht Guido Berger.

Nur ein weiterer Versuchsballon

Entgegen der weitverbreiteten Wahrnehmung, Facebook sei scheintot, müsse sich der blaue Riese überhaupt keine Sorgen machen: «Alle wichtigen Zahlen, etwa wie viele Menschen täglich Facebook nutzen oder wie viele Werbeeinahmen das Unternehmen generiert, steigen», meint Guido Berger.

Gerade dadurch könne sich das Megaunternehmen immer wieder solche Versuche leisten, eine Idee schnell auf den Markt zu werfen und einfach mal die Resonanz zu beobachten.

Es gibt nie «DIE» App

So wie die Plattformen untereinander abkupfern, könnte man meinen, es laufe irgendwann darauf hinaus, dass es nur noch eine Plattform geben wird, auf der alles möglich ist. Dem widerspricht Guido Berger: «Ich denke nicht, dass es es soweit kommen wird. Es wird zwar nicht wahnsinnig viele Plattformen geben, aber ein paar grosse werden bestehen. Das liegt daran, dass je nach App verschiedene Bedürfnisse erfüllt werden und je nach Freundeskreis, einzelnen Personen, Tätigkeit und Art der Kommunikation verschiedene Plattformen die optimale Lösung für den User bieten.»