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Die Pandemie ausgenutzt Fitnessbetreiber locken Frauen für Sex ins Training

Einige Zürcher Fitnessbetreiber locken Frauen in ihr Fitnesscenter, um sie dort sexuell zu belästigen. Und das auch noch trotz Corona-Massnahmen, die die Öffnung der Fitnesscenter eigentlich verbietet.

*Triggerwarnung: Wenn du Erfahrungen mit sexueller Belästigung oder sexueller Gewalt gemacht hast, könnte folgender Beitrag retraumatisierend für dich sein.*

Anna* ist 21 Jahre alt und lebt in Zürich. Vor Corona trainierte sie täglich im Fitnessstudio. Wie viele Frauen, wird Anna regelmässig auf Instagram von Männern angeschrieben und angemacht. In letzter Zeit häufen sich aber Nachrichten von Männern, die die aktuelle Coronasituation zu ihren Gunsten nutzen wollen.

Es beginnt immer ähnlich: Ein älterer Mann schreibt Anna und fragt sie, wie sie mit der ganzen Situation umgehe, jetzt wo alle Fitnesscentren geschlossen sind. Anna fehlt der tägliche Fitnessbesuch extrem. Die Homeworkouts sind einfach nicht das Gleiche. Nach kurzem Smalltalk bietet er ihr an, mit ihm trainieren zu gehen. Manchmal sind es Fitnessbetreiber, Bekannte des Inhabers oder ehemalige Fitnesstrainer, die Zugang zum Studio haben. Dies war auch der Fall, als Anna zum ersten Mal eine solche Nachricht bekommen hat. Und darauf eingegangen ist.

Wenn du trainieren willst, dann erwarte ich, dass etwas läuft. Sonst kannst du das vergessen.

«Der Typ war Fitnesstrainer und versicherte mir, dass es die Corona-Massnahmen erlauben, dass ich mit ihm trainieren darf», sagt Anna. «Ich war total naiv und habe das nicht hinterfragt». Anna willigt ein. Bereits im Voraus möchte sie aber klar machen, dass es sich nicht um ein Date handelt. Sie sagt ihm, dass sie nur zum Training komme und kein Interesse an ihm habe. Der Fitnesstrainer gibt sich einverstanden.

Das Training läuft ganz normal, Anna fühlt sich wohl. Doch nach dem Training kommt der Mann ihr näher. Er fragt sie, ob sie mit ihm in die Sauna gehen wolle. Anna wiederholt, dass sie kein Interesse an ihm habe. Doch er wird aufdringlich, fängt an, sie zu küssen. Anna schafft es, ihn von sich wegzudrücken. «Er sagte: ‹Wenn du trainieren willst, dann erwarte ich, dass etwas läuft. Sonst kannst du das vergessen›». Anna packt ihre Sachen und läuft weg. «Ich konnte mich gerade noch so retten, aber das hätte auch schlimmer ausgehen können.»

Sie nutzen die Situation schamlos aus.

Danach hört die Belästigung nicht auf. Insgesamt wird Anna drei weitere Male angeschrieben. Von drei verschiedenen Männern aus drei verschiedenen Fitnesscentren in der Region Zürich. Das Angebot ist immer das Gleiche: Fitness gegen Sex. «Sie nutzen die Situation schamlos aus.» Anna geht nicht mehr auf solche Angebote ein. Aber auch in Annas Freundeskreis erleben viele Frauen ähnliches. Sie werden zum Training in das eigentlich geschlossene Fitnesscenter eingeladen. Die Gegenleistung soll mit Sex beglichen werden. Tauchen die Frauen im Gym auf, ist sexuelle Belästigung vorprogrammiert. Anna möchte mit ihrer Erfahrung an die Öffentlichkeit gehen, um andere Frauen zu warnen: «Bitte hinterfragt diese Angebote kritisch und seid nicht so naiv wie ich, sonst könnt ihr euch in gefährliche Situationen begeben!»

Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Schreib uns per Whatsapp an +41 79 909 13 33!

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*Name der Protagonistin wurde aus Sicherheitsgründen geändert

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Stephan Mueller  (Shi Mile)
    @ Nico Bucher Verlange nichts, wundere mich bloss. Feuersbrunst, Amoklauf, Erdbeben, Flugzeugabsturz - viele traumatisierende Ereignisse, von denen täglich berichtet wird. Da _kann_ man eine Triggerwarnung anbringen. Man _kann_ auf einer Passstrasse vor jeder Kurve ein Warnschild platzieren. Man _kann_ auf einer Waschmaschine darauf hinweisen, dass diese nicht geeignet sei, um Haustiere zu waschen. Soll oder muss man denn auch, bloss weil man kann?
  • Kommentar von Yves Juillard  (Yves Juillard)
    Und auf einen Schlag ( Schlagzeile) sind alle Fitnessbetreiber Frauenschänder.
    Danke SRF für diese Lehrstunde.
  • Kommentar von Tinu Sado  (Tinu2)
    die ganze Sache scheint so surreal, dass es doch in einer modernen Welt gar nicht passieren dürfte. Warum aber sollen sich betroffene an SRF wenden? Die einzig korrekte und logische Reaktion auf solche primitive Menschen ist der sofortige Gang zur Polizeit. Es mag sein, dass es für eine einzelne schwer ist, die Vorwürfe zu beweisen, wenn es dann aber ettliche Machen, dann wird es rechtlich kaum noch Fragen geben, was mit solchen Typen zu passieren hat. Ein lebenslanges Berufsverbot inklusive.