«Nerdig ist das neue Sexy»

Die «JapAniManga Night» in Davos lockt jedes Jahr Japan-begeisterte Menschen nach Davos. Ob Anime, Mangas, Games oder eine traditionelle Shinto-Zeremonie: hier trifft Popkultur auf Tradition und die Schweiz auf ein Japan, das mit all seinen Facetten gezeigt werden soll.

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Bildlegende: Tempura Kids an der JapAniManga Night gibt's nebst Anime und Mangas auch japanischen Pop zu entdecken Tempura Kids

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Bildlegende: Lukas Zuberbühler ist Festivalpräsident der JapAniManga Night und Mitgründungsmitglied JapAniManga Night

Lukas Zuberbühler ist seit den Anfängen der «JapAniManga Night» dabei. Angefangen hat alles ganz klein: man traf sich in einer Kneipe um neue Anime-Folgen zu schauen. Aus dieser Leidenschaft entwickelte sich die Idee, einen Event für Manga- und Animenerds zu machen.

Das war damals noch sehr exotisch. Denn 2002, als die «JapAniManga Night» ins Leben gerufen wurde, waren Anime und Mangas noch nicht wirklich in der Schweiz etabliert und wurden als Kindersendungen (90er-Kids denken zurück an die glorreichen Anime-Nachmittage auf RTL 2) oder pornografische Inhalte (aka Hentai) abgestempelt.

2017 findet nun die 17. Ausgabe der «JapAniManga Night» statt – und in Davos treffen sich mittlerweile längst nicht nur Anime- und Mangafreaks. Der Event ist zu einem Festival geworden, das Japan in all seinen Facetten ablichten möchte. Sei das nun popkulturell, kulinarisch oder traditionell.

Age of the Nerds

«Früher fühlte man sich als Nerd eher als Aussenseiter – heute regieren Nerds die Welt. Hornbrillen gelten als cool, wir leben im Zeitalter der Nerds», sagt Lukas, der sich selbst als Berufsnerd sieht.

Es erstaunt also nicht, dass Anime, Mangas und co. um einiges salonfähiger geworden sind, als sie es vor 15 Jahren noch waren: «Die Szene in der Schweiz ist gross und wird immer grösser. Der Verkauf von Mangas nimmt im Buchhandel zu, während der Buchmarkt allgemein eher stagniert oder schrumpft. Mangas sind extrem populär beim jungen Publikum und gerade Frauen fahren auf Anime ab.»

Dass Frauen und Junge auf Mangas abfahren, das merkt Lukas auch an der JapAniManga. «65 Prozent unseres Publikums ist weiblich und im Kern zwischen 15 und 25. Jedoch kommen in den letzten Jahren vermehrt auch ältere Menschen und Familien mit Kinder.»

Grund dafür sieht Lukas in der Erweiterung ihres Programms, denn es geht längst nicht mehr nur um die ganz nerdigen Themen.

Instant-Noodle-Soups und J-Pop

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JapAniManga Night

JapAniManga Night

Hier kannst du noch Tickets für das nerdig angehauchte Festival kaufen.

Das Festival hat sich geöffnet und ist vom reinen Nerd-Event zum «Schmackhaftmacher» der japanischen Kultur geworden. Dabei soll alles einen Platz erhalten, was ihn Japan gelebt wird – so auch der Erwachsenenunterhaltung: «Das ist ein Milliarden-Business in Japan – ob man das nun mag oder nicht. Deswegen gibt es bei uns auch eine Ecke für Inhalte ab 18 Jahren, wo man zum Beispiel erfahren kann, warum ebendiese Inhalte grösstenteils von Frauen gezeichnet werden.»

Die «JapAniManga Night» ist im Gegensatz zu einer Messe ein Festival, wo bis spät in die Nacht unterhalten wird – und zwar mit original-japanischen Bands, vom J-Pop zum J-Metal. Oder man kann sich auch einfach eine zufällig ausgewählte Instant-Noodle-Suppe reindrücken, bei der man nicht genau weiss, nach was sie schmecken wird und wie scharf sie genau ist.