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Zerlaufene, rote Wasserglace
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Tag der Frau Stigma Menstruation: Es ist Zeit für eine Aufklärung

Viele Frauen werden damit konfrontiert: Regelblutungen – und mit den unzähligen Un- und Halbwahrheiten darüber. Darum ist es Zeit, reinen Tisch zu machen und darüber aufzuklären, denn auch bei uns wird die Periode noch stigmatisiert. Und wann passt das besser als am Weltfrauentag am 8. März?

Ein scheues Kichern geht durch die Runde, als indische Teenager-Mädchen in der mit einem Oscar ausgezeichneten Kurzdoku «Period. End of Sentence.» (dt. «Stigma Monatsblutung») über die Menstruation ausgefragt werden. In Indien besteht nämlich bis heute ein Tabu, wenn es um die monatliche Blutung geht, mit der jede Frau im Verlaufe ihres Lebens konfrontiert wird.

Auch Tampons oder Binden sind quasi non-existent und Frauen setzen sich jeden Monat einem grossen Infektionsrisiko aus. Ändern will das ein Mann namens Muruganantham, der eine Maschine zur Herstellung von kostengünstigen, biologisch abbaubaren Damenbinden entwickelte und die Bedienung an eine Frauengruppe im nordindischen Hapur weitergibt.

Mit dieser Maschine soll nicht nur die wirtschaftliche Situation der Frauen in der Gesellschaft verbessert, sondern auch die Tabus rund um die Menstruation aus der Welt geschafft werden – es wird momentan quasi eine sexuelle Revolution in Indien eingeleitet.

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Mehr zu «Period. End of Sentence.»

Die Kurzdokumentation (ca. 25 Minuten) «Period. End of Sentence.» (dt. «Stigma Monatsblutung») begleitet eine Gruppe von Frauen im nordindischen Hapur, die eine sexuelle Revolution einleiten. Sie erlernen die Bedienung einer Maschine, mit der kostengünstige und biologisch abbaubare Damenbinden hergestellt werden können – etwas, das zurzeit in Indien zu einer Seltenheit gehört.

Durch den Zugang zu Hygieneprodukten, der damit geschaffen wird, wird nicht nur die Monatshygiene verbessert, sondern soll die Frauen dazu ermutigen, die heute noch herrschenden Tabus über die Periode in Indien abzulegen.

Durch «The Pad Project, Link öffnet in einem neuen Fenster», einer kalifornischen Non-Profit-Organisation, ins Leben gerufen wurde und Geld für die Entwicklung und Herstellung ebendieser Maschinen sammelt (und die auch hinter der Dokumentation steht), soll zudem die wirtschaftlichen Situation ihrer Gemeinschaft gestärkt und verbessert werden.

Ende Februar gewann «Period. End of Sentence.» den Oscar als «Bester Dokumentar-Kurzfilm» und ist auf der Streaming-Plattform Netflix verfügbar.

Aber nicht nur in Indien, auch bei uns geistern Halb- und Unwahrheiten über die Periode durch die Köpfe der Menschen. Mythen, mit denen wir endlich einmal aufräumen müssen, um auch in der westlichen Welt die Stigmatisierung der Menstruation zu verbannen. Deshalb haben wir Dr. med. Irène Dingeldein, die eine Praxis für Gynäkologie und Geburtshilfe in Murten hat, mit Aussagen konfrontiert, die von der Gesellschaft teilweise bis heute als wahr angesehen werden.

Während der Menstruation kann eine Frau nicht schwanger werden

«In der Regel wird man nicht schwanger während der Regel», erklärt Dr. med. Irène Dingeldein. Die fruchtbaren Tage seien vom 12. bis 14. Zyklustag und der Beginn der Periode sei der Tag eins des Zyklus. «Jedoch kann es durch Stress oder eine hormonelle Störung Zyklusunregelmässigkeiten geben. Dann kann es sein, dass man auch während der Blutung schwanger wird.»

Dr. med. Irène Dingeldein

Dr. med. Irène Dingeldein

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Irène Dingeldein hat eine Praxis für Gynäkologie und Geburtshilfe in Murten. Unter anderem ist sie spezialisiert auf Kinder- und Jugendgynäkologie.

Ab Juli 2019 wird sie zudem das Präsidentinnenamt der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe übernehmen.

Blähungen und schlechte Haut sind Menstruationssymptome sowie Heisshunger auf Junkfood und Süsses

«Das ist durchaus wahr», so Dingeldein. Grund dafür sei die hormonelle Umstellung während der Menstruation – also alles keine Einbildung.

Während der Tage verliert man extrem viel Blut und bekommt einen Eisenmangel

«Über die ganze Menstruation verliert man nur 60 bis 80 Milliliter Blut, das sich bei gesunden Frauen auch gleich wieder bilden kann.» Ein Eisenmangel wegen der Periode ist also unwahrscheinlich. «Es gibt auch Frauen, die sehr stark bluten. Bei diesen macht es Sinn, etwas Therapeutisches zu machen», weiss die Gynäkologin.

Ein Tampon kann entjungfern

«Ein dickes ‹Nein›, never!», sagt Dr. Dingeldein vehement «das Jungfernhäutchen ist geöffnet, sonst könnte man gar nicht bluten!» Genauso wenig wie den Tampon könne man auch Sport oder Stürze nicht für eine Entjungferung verantwortlich machen.

PMS (Prämenstruelles Syndrom) ist medizinisch nicht nachweisbar und nur eine Ausrede, um zickig zu sein

«PMS ist keine Ausrede!» Es könne schwerwiegende emotionale und körperliche Probleme machen. «Es gibt Frauen, die leiden wirklich sehr stark unter der hormonellen Umstellung.» Vom PMS gäbe es gar eine stärkere Form, die bis zu Depressionen führen könne.

Während der Periode ist der Geruchssinn schlechter

Das stimme nicht, so die Gynäkologin. «Schlechter ist der Geruchssinn nicht, jedoch verändert er sich. Man reagiert aufgrund einer Veränderung der Hormone empfindlicher auf Gerüche.» Dasselbe passiere auch während einer Schwangerschaft, da das Schwangerschaftshormon Progesteron gegenüber dem Östrogen überwiege.

Frauen haben während der Mens eine erhöhte Libido

«Eine erhöhte Libido haben Frauen während den fruchtbaren Tagen», erklärt Dr. Dingeldein. Das sei von Natur aus quasi so eingerichtet – macht Sinn, wir sind ja schliesslich da, um uns fortzupflanzen. «Es gibt aber Frauen, die auch während der Blutung eine höhere Libido haben, wie mir von Patientinnen schon berichtet wurde.»

Man sollte während der Menstruation keinen Sex haben

Das solle jede Frau selber entscheiden. «Man hat das Recht, auf Sex zu verzichten. Aber wenn es eine Frau nicht stört und sie sich wohlfühlt, gibt es kein Verbot, das Sex während der Periode untersagt.»

Sind Frauen oft zusammen, synchronisieren sich ihre Perioden

«Das ist tatsächlich so, vor allem in Familien, WGs oder wenn Frauen keine Hormone nehmen», beobachtet die Gynäkologin. Es habe auch mit der Mondphase zu tun. «Die Natur hat viel mit dem Zyklus einer Frau zu tun.»

Wer starke Menstruationsbeschwerden hat, hat das nicht grundlos. Es läuft etwas falsch im Körper

«Das Schmerzempfinden ist von Frau zu Frau unterschiedlich und kann zum Beispiel durch Stress bei der Arbeit, in der Schule oder privat verstärkt werden.» Ein Grund zur Sorge müssten Schmerzen also nicht sein, aber: «Man muss wachsam sein. Hat eine Frau immer starke oder gar zunehmende Schmerzen, könnte auch eine Krankheit dahinter stecken.» Deshalb rät Irène Dingeldein in diesen Fällen, eine Untersuchung machen zu lassen.

Wer einen Tampon länger als acht Stunden drin lässt, kann einen toxischen Schock kriegen

«Das stimmt nicht. Das toxische Schocksyndrom entsteht durch Bakterientoxine», beruhigt die Gynäkologin. Früher sei es vorgekommen, dass ein Tampon infiziert gewesen sei, heute sei das eigentlich nicht mehr der Fall. «Es gibt Frauen, die ihren Tampon relativ lange vergessen und es passiert aber nichts.» Bei eigenen Patientinnen, die das toxische Schocksyndrom erlitten, sei das aufgrund einer vorher schon da gewesenen Infektion passiert.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Søren Ehlers  (Søren)
    Danke für diesen Artikel. Da habe ich etwas dazugelernt (obwohl ich mich für einen ausreichend aufgeklärten Mann halte :-))
    Ich finde, auch in der Schweiz tut Aufklärung gut. Je mehr Männer und Frauen voneinander wissen, desto besser.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Statt in unserer "freien Schweiz" ewig zu jammern, wäre es an der Zeit in den "rückständigen Kulturen" Aufklärung für die Frauen zu leisten!
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  • Kommentar von Achim Frill  (Afri)
    Während die Inder richtigerweise daran arbeiten, mit falschem Gedankengut zu diesem Thema aufzuräumen, hirnen unsere übereifrigen Feministinnen sicher schon daran herum, wie / wem sie die Schuld für die diskriminierende, frauenverachtende Menstruation in die Schuhe schieben können.
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