«The Interview» und 3 weitere kontroverse Filmveröffentlichungen

Nordkoreanische Hackerangriffe, Cyberterror, abgesagte Kinovorführungen: Der Film «The Interview» war die dominante Hollywood-Story der letzten Wochen. Dabei ist der Film selbst eigentlich kaum der Rede wert, findet Virus-Film-Experte Jérõme Brunner.

Rückblick auf letzten Dezember: Nordkoreanische Hacker hacken sich in das Computersystem von Sony, veröffentlichen private E-Mails der Studiobosse, leaken noch unveröffentlichte Filme und kündigen weitere Cyberterror-Attacken an. Und das alles nur aus Rache wegen der Blödelkomödie «The Interview», in welcher Seth Rogen und James Franco als Undercover-Journalisten das Nordkoreanische Staatsoberhaupt Kim Jong-un enthaupten sollen.

«Hätte sich Kim Jong-Un diesen Film tatsächlich angesehen, hätte er sofort gemerkt, dass dieser Film weder Relevanz noch politische Sprengkraft hat», findet unser Film-Spezialist Jérôme Brunner. Wieder so ein Film also, der die ganze Kontroverse eigentlich gar nicht wert gewesen wäre.

3 weitere unnötige Filmkontroversen aus den letzten 10 Jahren:

1. Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan (2006)

Nebst der Inspiration für haufenweise abgelutschte Halloween- und Fasnachtskostüme erreichte die Mockumentary «Borat» vor allem eines: Sie machte Kasachstan verdammt hässig.

Denn obwohl der Film gar nicht in Zentralasien, sondern in Rumänien gedreht wurde, passte der Regierung Kasachstans die Darstellung ihres Landes überhaupt nicht. Dementsprechend wurde in Kasachstan der Verkauf von «Borat»-DVDs verboten und die offizielle Webseite des Films gesperrt.

Dabei hatte die Veröffentlichung von «Borat» rückblickend betrachtet eigentlich nur positive Folgen für Kasachstan: So verzehntfachte sich zum Beispiel die Anzahl ausgestellter Touristen-Visas nach dem Release des Filmes. Zufall?

2. Fahrenheit 9/11 (2004)

Der So-böse-ist-George-W.-Bush-Dokumentarfilm von Ich-nehme-kein-Blatt-vor-den-Mund-auch-dann-nicht-wenn-die-Leute-buhen-Regisseur Michael Moore ist bis heute der finanziell erfolgreichste Dokumentarfilm aller Zeiten. Über 220 Millionen Dollar spielte der Film in die Kinokassen.

Die republikanische Partei der USA nervte sich jedoch über die einseitige (und zum Teil auch unwahre) Darstellung ihrer Partei und ihres Präsidenten. Regisseur Moore musste zahlreiche Gerichtsverfahren über sich ergehen lassen.

Auch hier gilt: Viel Lärm um nichts! Denn das eigentliche Ziel des Filmes - die Wiederwahl von George W. Bush zu verhindern - konnte auch der «erfolgreichste Dokfilm ever» nicht erreichen.

3. Noah (2014)

Bahrain, Kuwait, Katar, Saudi Arabien, VAE, Malaysia, Indonesien. Das sind die Länder, in denen Darren Aronofskys Film verboten wurde. Warum? Weil es der Film mit den originalen Bibel- respektive Korantexten nicht ganz so genau nimmt. Und weil ein Prophet abgebildet wird, was in islamischen Staaten gänzlich verboten ist.

Naja, halb so schlimm: «Noah» ist der mit Abstand schlechteste Aronofsky-Film und wäre den Kinogang sowieso nicht wert gewesen. So wie «The Interview» eben auch.