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Vorurteile abbauen Balletttänzer: «Ich wurde mehrfach als ‹Schwuchtel› beleidigt»

Kevin ist Balletttänzer und Mitglied des Ballett Zürich. Seit seiner Kindheit wird er wegen seiner Passion immer wieder mit Vorurteilen oder gar Beleidigungen konfrontiert. Auch seine Eltern haben Mühe mit seinem Beruf. Wie er damit umgeht, erzählt er uns zwischen den Rängen des Opernhaus Zürich.

Als kleiner Junge entdeckt Kevin (31) die Leidenschaft fürs Ballett. Er liebt die klassische Musik und die dazugehörende Ästhetik. Seine Eltern jedoch sind weniger begeistert von seinem Interesse. Sie zögern damit, ihren Sohn in ein Tanzstudio zu schicken und versuchen, Kevin für andere Tanzstile zu begeistern.

Sie hatten Angst, dass ich schwul werde.

Kevin gibt nicht auf, lässt nicht locker, terrorisiert. Seine Eltern stellen ihn vor ein Ultimatum: «Ich durfte nur tanzen, wenn ich auch gute Noten schrieb.»

«Die Gesellschaft war noch nicht so weit»

In der Schule trifft seine Leidenschaft auf wenig Akzeptanz. «Ich hörte immer wieder negative Kommentare wie ‹Schwuchtel›. Es war komisch, dass sich ein Junge für Ballett interessiert. Das war sehr negativ behaftet.»

Seine Leidenschaft aufgrund des gesellschaftlichen Widerstandes aber aufzugeben, steht für ihn ausser Betracht. Er arbeitet hart und lernt viel, um weiterhin Ballett tanzen zu dürfen. Verletzende Kommentare ignoriert Kevin.

Kevin Pouzou

Kevin Pouzou

Balletttänzer

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Kevin ist 31 Jahre alt. Seine Kindheit verbringt er in Marseille, wo er auch seine ersten Tanzstunden belegte. Seit 2017 ist er Mitglied des Balletts Zürich. Zuvor war er am Staatsballett Berlin tätig.

«Als Mädchen wäre es einfacher gewesen»

Als Teenager entscheidet sich Kevin für eine professionelle Ballettkarriere. Seine Eltern merken, dass die Leidenschaft mehr als nur eine Phase ist, hoffen aber insgeheim, dass ihr Sohn irgendwann noch studieren wird.

Meine Eltern hatten Mühe, dass ich mein Geld mit meinem Körper und nicht mit meinem Gehirn verdiene.

Das Misstrauen gegenüber seinem Beruf bestehe vor allem aber wegen seines Geschlechtes, meint Kevin. «Wäre ich ein Mädchen, wären meine Eltern stolz auf mich und würden Angehörigen und Freunden Bilder von mir in Tutus zeigen».

Bekämpfung der Vorurteile dank Social Media

«Nein, es sind nicht alle schwul. Nein, wir sind nicht dumm. Und nein, wir sind nicht alle magersüchtig.» Als Tänzer fühlt sich Kevin häufig nicht genug ernst genommen. Es gehe oftmals nur um die negativen Seiten des Tanzens und nicht um die Bereicherung, die die Kunst mit sich bringt. Kevin wünscht sich, dass Ballett in ein besseres Licht gerückt wird. Die Kultur könne dazu beitragen. Auf Social Media zum Beispiel sieht Kevin bereits eine leuchtende Zukunft. Mit TikTok tanzen nun auch viele Jungs, was das Bild der Tanzszene in der Gesellschaft langsam verändere.

«Es ist ein täglicher Kampf gegen dich selbst»

Die Selbstakzeptanz stellt in der Ballettszene fast die grösste Herausforderung dar. «Balletttänzer sind Perfektionisten, setzten sich tagtäglich mit sich selbst und dem Körper auseinander.» Das erklärt auch, wieso Essstörungen und Drogen in dieser Szene keine Seltenheit sind. Die körperliche Belastung im Ballett ist aber so gross, dass ungesundes Essverhalten oder Drogenkonsum ein sofortiges Karriereende bedeuten. Kevin erklärt:

Jedes Training ist so als würden wir uns auf die Olympischen Spiele vorbereiten und das jedes Jahr.

«Mir verging die Freude am Ballett»

Kevin hat vor allem damit zu kämpfen, dass man als Balletttänzer oftmals nur eine Marionette sei. Die Choreograf*innen schreiben vor, was du tanzen darfst. Sie sagen genau, wie sie es möchten. Deshalb gab es Zeiten, in denen Kevin aufgeben wollte. «Ich sah keinen Sinn mehr.» Er kämpft sich aber zurück und tanzt weiterhin mit Leidenschaft.

Eine bessere Welt für Jungs im Ballett

Für die Zukunft wünscht sich Kevin, dass Ballett als normales Hobby für Jungs und als legitimer Beruf angesehen wird. Es solle sich keiner mehr schämen, in ein Tanzstudio zu gehen.

Ballett ist eine Bereicherung für jedes Kind: körperlich, seelisch und geistig.

Wie stehst du zu Ballett? Sag es uns via Whatsapp unter der Nummer 079 909 13 33 oder kommentiere auf Instagram oder YouTube.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    "Auch seine Eltern haben Mühe mit seinem Beruf." Dass es solche Eltern noch gibt. Ich dachte dieser Typ sei längst ausgestorben und von Eltern ersetzt worden, die dem Himmel dankbar sind, wenn ihre Sprösslinge endlich irgendeinen bezahlten Job gefunden haben. Alles Legale ist ok. Als Zückerchen kommt oben drauf, wenn der Job sogar noch gemocht wird. Besser kann man es als Eltern ja wohl in dieser Hinsicht nicht treffen.
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  • Kommentar von André Furrer  (Raumzeit Pfleger)
    Vorurteile lassen sich nicht ausrotten. Nicht mal Impfung ist möglich. Im Leben sollte man auch lernen, dass man auf verletzend wahrgenommene Meinungen / Äusserungen andere auch souverän reagieren kann. Von bedacht analytisch bis ignorant. Gelassen sein und Humor wahrzunehmen sind zwei Eigenschaften im Alltag die mir mental helfen dem weitverbreiteten Bullshit plappern und der permanenten Überforderung der viel zu Vielen zu begegnen. Den sie wissen nicht was sie tun und ausser man tut es.
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  • Kommentar von Eduard Müller  (edewolf)
    Einfach nur traurig, dass solche Ansichten heute immer noch herumgeistern. Tanz ist etwas Wunderschönes. Ich sehe sehr gerne Ballett oder auch moderne Tänze.
    Ob schwul oder nicht ist doch egal. Mich als Zuschauer erfreuen diese Tänzerinnen und Tänzer es ist für mich ein Ausdruck von Lebensfreude!
    Viel Glück all diesen Künstlerinnen und Künstlern die es ja jetzt besonders schwer haben!
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