Zum Inhalt springen
Inhalt

Aktuell Warum sehen wir an Fussballspielen immer nur schöne Menschen?

Wer viel Fussball schaut, dem fällt vielleicht auf, dass wir bei den Publikumsaufnahmen oft nur schöne Frauen oder besonders schön geschminkte Fans sehen. Warum ist das so? Und wer hat einen Einfluss auf die Aufnahmen? Wir haben mit SRF-Sport-Regisseur Beni Giger über das Phänomen gesprochen.

Am Tag nach dem Spiel der albanischen Nationalmannschaft gegen Gastgeber Frankreich interessierte sich die Medienlandschaft lediglich für eines: die zwei freizügigen, attraktiven Albanien-Fan-Girls Irid und Rike (siehe Bild oben).

Auch bei Live-Übertragungen - sei das nun an der Euro 2016, in der Super League oder in der Champions League - fällt auf, dass bei den Nahaufnahmen des Publikums meistens attraktive Frauen und zurechtgeputzte, geschminkte Fans zu sehen sind. Normalos sieht man da nie. Aber warum ist das so?

Man braucht die besten Bilder

«Die Kameraleute können richtig tief hineinzoomen und suchen dann logischerweise jemanden im Publikum, der/die attraktiv ist. Sie versuchen einfach die besten Bilder zu bekommen», erzählt uns Beni Giger. Beni Giger ist SRF-Fussball-Regisseur und auch an der Euro 2016 für SRF im Einsatz.

Die Erklärung von Giger macht Sinn. Trotzdem stellt sich hier die Frage, ob dies nicht auch eine Vorgabe von oben sein könnte.

Ich habe noch nie an irgendeinem Spiel, an dem ich gearbeitet habe, irgendwelche Richtlinien für die Bilder aufgebrummt bekommen
Beni Giger
Legende: Beni Giger SRF-Sport-Regisseur SRF

Beni Giger verneint: «Ich habe noch nie an irgendeinem Spiel, an dem ich gearbeitet habe, irgendwelche Richtlinien für die Bilder aufgebrummt bekommen. Ich denke, dass es einfach menschlich ist, dass man sich beim Filmen, sowie auch beim Schneiden, für das Attraktive und nicht das Langweilige entscheidet.»

Auffälligerweise sind oft die weiblichen Fans im Bild, obwohl Fussballspiele vermehrt von Männern besucht werden. Könnte das daran liegen, dass die Kameraleute hauptsächlich männlich sind? «Es ist so, dass es sicher zwischen 80 und 90 Prozent Männer sind, die filmen. Es könnte daran liegen, aber mit Sicherheit kann ich das nicht sagen», so Giger.

Privatsphäre im Stadion = 0

Beni Giger hat uns erklärt, dass es im Stadion absolut keine Privatsphäre gibt, da es ca. 80 Kameras hat (fixe und bediente) sowie mindestens 200 Fotografen. Jeder Fauxpas wird von irgendeiner dieser Kameras festgehalten. So kommt es auch, dass die heikle Eierkraul-Szene von Jogi Löw viral ging. Denn diese würde nämlich nicht live ausgestrahlt, sondern wurde von irgendjemandem mit Zugriff auf die Bilder geleakt.

Von wo und wem die Medien diese Aufnahmen bekommen, das weiss ich nicht, aber jemand muss sie ja herausgeben.

«Man hat eine ethische Verantwortung, aber solche Szenen schaffen es immer wieder an die Öffentlichkeit und lösen einen Hype aus. Von wo und wem die Medien diese Aufnahmen bekommen, das weiss ich nicht, aber jemand muss sie ja herausgeben», erklärt uns Beni Giger. Er selbst habe schon unzählige lustige und komische Momente erlebt, aber für ihn sei es selbstverständlich, dass man die betroffenen Menschen schützt und die Bilder nicht zeigt.

Wahre Emotionen sind gefragt

Bei den Publikumsaufnahmen sollen wahre Emotionen vermittelt werden, deswegen wird auch die Einstellung der Kamera geändert, sobald sich jemand selbst im Bild entdeckt.

Attraktive Fans sind gefragt
Legende: Attraktive Fans sind gefragt Reuters

«Die Fans können auf Grossleinwänden den Live-Schnitt parallel zum Spiel verfolgen. So kommt es, dass die Fans sich selbst im Bild entdecken können. In einem solchen Fall wird die Einstellung gewechselt, denn wir möchten wahre Emotionen sehen und keine gestellten», so Beni Giger.

«Ich finde es ein bisschen schade, dass die Fans sich selbst sehen können, denn damit verschwinden ein bisschen die wahren Emotionen.»

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.