Wat labersch du mir Zeugs ins Gsicht?

In der Schweiz ist der Wahlkampf langweilig. Aber wir wollen das so. Das sagt Andreas Hugi. Er ist politischer Kommunikationsberater und spricht Klartext, was behind the scenes läuft.

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Bildlegende: Andreas Hugi, politischer Kommunikationsberater. SRF Virus

Wenn Politiker am Rednerpult stehen, dann wird's manchmal ein bisschen komisch. Die sprechen teils soooo gestellt, geschwollen, verschwurbelt, kompliziert - wer soll da noch mitkommen? Wann kommt endlich das Wörterbuch «Politisch - Deutsch, Deutsch - Politisch»? Andreas Hugi ist politischer Kommunikationsberater in Zürich und hofft: Nie.

«  Es ist ja genau die Aufgabe der Politiker dem Volk zu erklären, warum es neue Gesetze braucht oder nicht. Sie haben also diese Übersetzungs- und Brückenbau-Aufgabe. Und die müssen sie auch wahrnehmen. »

Aber vor allem, wenn es um Finanzthemen geht, dann ist's schnell mal vorbei mit der Verständlichkeit. Können komplexe Themen wirklich nicht einfacher erzählt werden?

«  Wenn man den Staatshaushalt erklärt wie einen Privathaushalt, dann können auch komplizierte Finanzthemen einfach erklärt werden. Wenn man erklärt, dass zuhause ja auch nur ausgegeben werden kann, was eingenommen wird und laufende Kosten nicht dauernd durch Kleinkredite gedeckt werden können - dann begreifen das alle. »

Staatshaushalt, Krankenkassen, AHV, Bildung - das sind halt auch nicht wahnsinnig sexy Themen. Warum dann nicht wenigstens den Wahlkampf ein bisschen spannend machen? So amerikanische Showeinlagen würden sich in der Schweiz doch auch noch gut machen, nicht?

«  Das wollen wir Schweizer gar nicht. Ich finde auch, dass es eher ein Wahl-Streicheln als ein Wahl-Kampf ist, aber Schweizer finden nicht gut, wenn man sich gegenseitig angreift. Das liegt auch daran, dass wir genau wissen, dass die gewählten Politiker immer gemeinsame Lösungen für unsere Probleme finden müssen. Ein amerikanischer Wahlkampf entspricht schlicht nicht unserer Kultur. »

Aber etwas moderner könnte es schon sein. Wieso sind denn so wenig Politiker auf Social Media aktiv?

«  Die meisten machen alles alleine. Kommen abends von einer Podiumsdiskussion nach Hause, sind erschöpft und müssen dann noch ihre Kernbotschaften für Facebook, Twitter, usw. runterbrechen. Das muss man jeden Tag machen, wenn man's ernst nehmen will. Wenn Fragen oder Kommentare auftauchen, muss reagieret werden. Das braucht viel Zeit. Das liegt nicht jedem Politiker. »

Ja, das mit dem Sich-kurz-fassen ist schon schwierig. Sieht Andreas Hugi auch in seinem Büro, wenn ein Politiker seine Beratung braucht:

«  Das grösste Problem, das die meisten Politiker haben ist die Frage: Warum bist du in dieser oder jener Partei? Warum sollte man dich wählen? Da erwarten wir dann immer eine Antwort in einem Satz. Aber die Politiker beschäftigen sich mit so viele Themen - und wissen kaum, wo anfangen. »

Trotzdem: Nicht wählen gehen ist whack. Siehst du anders? Dann schau dir dieses Video an: