Melissa Kassab: ein neuer, heller Stern am Schweizer Folk-Himmel

Musikalische Entschleunigungskur aus Genf: bei Melissa Kassabs Debütalbum «Dog» muss man ganz genau hinhören, wenn einem keine Nuance entgehen soll. Wir laden das singer-songwriterische Versprechen der Zukunft zu einer Studio Session ein.

Angehende Musiker aufgepasst: Um euer Album aufzunehmen, braucht ihr weder ein High-Tech-Studio noch ein Budget in Milliardenhöhe. Die Genfer Songwriterin Melissa Kassab macht’s vor.

Ihr im März erschienenes Debütalbum «Dog» hat Kassab während nur gerade zwei Tagen, im Keller einer Genfer Fabrik aufgenommen. (Im Pressetext wird als Aufnahmeort eine «Rocket Factory» angegeben – wir sind uns aber nicht so ganz sicher, was das konkret sein soll. Eine Feuerwerksfabrik?)

Das Resultat dieser spontanen Session ist herzerwärmend: Zwölf intime Songs, die gerne auch Mal weniger als zwei Minuten lang sein dürfen.

Dabei hinterlassen aber auch die kürzesten Songskizzen einen bleibenden Eindruck. Immer wieder gibt es unerwartete Momente, die einem nicht mehr loslassen: der wunderschön gedoppelte Gesang in «Nightjar» zum Beispiel.

Es erinnert an Feist oder Agnes Obel, was die Musikerin aus dem Welschland da herzaubert. Sochli Augen zumachen und unter der Wolldecke wegdriften halt.

Die Erfahrene Autostöpplerin

Melissa Kassab ist im Wallis geboren und verbrachte ihre Jugend zwischen Genf und Tripolis, der Heimat ihrer Eltern. In den letzten Jahren gabs längere Reisen durch die USA und Neuseeland, meist ohne eigenen Untersatz und nur mit der eigenen Gitarre im Gepäck. Auf diesen Autostopp-Touren sind auch die Songs von «Dog» entstanden.