«Modern Age» von Wolfman: Schweizer Musik war noch nie so sexy

Auf ihrem exzellenten zweiten Album «Modern Age» tritt das Zürcher Duo Wolfman in die Fussstapfen von Nicolas Jaar. Sexy Grooves und minimalistische Popsongs: Ungewohnte Klänge für eine Schweizer Band. Schliesslich mag man's hier ja viel lieber gross und klebrig...

Dass Plattenfirmen gerne zur Übertreibung neigen, kann man ihnen eigentlich gar nicht übel nehmen. Schliesslich liegt es ja in ihrem Interesse, ihre Künstler und Produkte so gut wie möglich anzupreisen. Trotzdem: Mit zu viel Vorschusslorbeeren oder unrealistischen Vergleichen schiesst man in der Regel über das Ziel hinaus.

Wenn also Irascible, das Label des Zürcher Duos Wolfman, im Pressetext zu deren zweiten Album «Modern Age» Nicolas Jaar und Darkside als Referenzpunkte aufführt, erntet das im ersten Augenblick ein «Oookay Jungs...gaaanz easy. Nicht übertreiben!». Schliesslich sollte man ja auch nicht jedes aufstrebende Fussball-Nachwuchstalent mit Lionel Messi vergleichen, oder?

Weniger ist eben doch mehr

Sobald man das neue Wolfman-Album dann aber anwirft und sich Tracks wie «The First to Walk» oder «Overboard» zu Gemüte führt, sind sämtliche Zweifel im Nu verflogen. Hoppla, das klingt tatsächlich nach Nicolas Jaar! Und ja, ein bisschen Bob Moses ist auch dabei.

Das Beste daran: Wolfman sind trotz den klar erkennbaren Referenzen weit davon entfernt, eine aufgewärmte Kopie zu sein. Während sich Nicolas Jaar auf seinen Alben gerne mal in experimentellem Geschwurbel verirrt, lassen Wolfman ihren 10 Songs zwar ausgiebig Platz, bleiben aber trotzdem mit beiden Füssen auf dem (Pop-)Boden.

Auf «Modern Age» ist kein Ton zu viel: Der Bass ist tief und groovig, die Gitarre verlangt keine dauernde Aufmerksamkeit. Wolfman setzen auf musikalisches Understatement: keine unnötigen Keyboard-Flächen, keine nervigen Chöre. Der beste Beweis dafür, dass weniger eben doch mehr ist.

Der Coolness-Faktor: Maximal

«Modern Age» sprüht nur so von Coolness und Selbstsicherheit. Der perfekte Soundtrack für eine Party, an der man sich seltsam zu fühlen hat, wenn man keine 400-fränkigen Limited-Edition-Sneakers trägt. Ein Album für einen Club, in dem die Frauen High Heels tragen und sich in Zeitlupe bewegen - und bei den Männern Uhren unter den Ärmeln hervorblitzen, die dein durchschnittliches Monatsgehalt um ein Vielfaches übersteigen.

Für das, was Katerina Stoykova und Angelo Repetto auf ihrem neuen Album herzaubern, verdienen sie zwei Daumen nach oben. Ob sie mit solcher Musik hierzulande aber ein Publikum finden werden, sei hiermit in Frage gestellt. Schliesslich funktioniert es hier ja meistens nur, wenn mit der grossen Kelle angerührt wird und jeder Refrain auch von meilenweiter Entfernung als ein solcher erkennbar ist. Wir bleiben optimistisch und hoffen das Beste.