Bittersalzige Wucht: «Bruchstück» von Baze

Beim Berner Rapper Baze ist seit dem letzten Solorelease ein Momentchen vergangen. Sein neustes Werk ist kein Rapalbum, aber eben doch ein bisschen: die traurigen, gesprochen/gesungenen Sechsminüter auf «Bruchstück» verkörpern die destillierte Essenz seines Könnens.

Baze (Chlyklass, Boys on Pills, Tequila Boys) muss niemandem mehr etwas beweisen. Baze ist und bleibt einer der besten, wichtigsten und einflussreichsten Musiker der Schweiz. Sein Gespür für Rhythmus, Pausen und Stimmklang ist superheldig.

Baze darf man so etwas aber nicht ins Gesicht sagen. Auf solch überschwängliche Komplimenten wirkt der Berner eher kauzig. Aber da er mir ja gerade nicht gegenüber steht, darf ich: Der Grund, wieso ich seit dem ersten Berührungspunkt Baze-Fan bin – zugegebenermassen anfangs nur durch zusammengeknirschte Zähne ausgedrückt (#neid) – ist sein Flow.

xc Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Düster, wuchtig, ehrlich das neue Album von Baze ist dunkel - und doch irgendwie ein Loblied auf das Leben. official

Baze hört wohl Beats anders, als andere Rapper und rappt auf ihnen eigen, kreativ und so ungewöhnlich, dass man einfach aufhorcht, auch wenn es der dreihundertste Track ist, der an einer CH-Rap-Party gespielt wird. Und zwar wirklich auf jedem Song den ich je von ihm gehört habe. Natürlich, Bazes Stimme ist crazy, der Typ kann Geschichten erzählen, Songs schreiben –so viele Rapper kriegen zwar geile Strophen hin, aber bei den Songs haperts dann –, aber eben: meine Liebe zu ihm als Rapper, basiert auf seinem Flow.

Album Nr. 18 ist da

Nun ist Baze beim achtzehnten Album angekommen. Es heisst «Bruchstück» und all die Skills, die ich oben beschrieben habe, wurden auf diesem 52-minütigen Werk auf ihre Kernessenz zusammengeschmolzen.

Der Flow? Baze singt, grenz-singt und erzählt sich durch ein schweres, tiefes Album hindurch – von «rappen» kann hier eigentlich nicht die Rede sein. Aber: seine Fähigkeit, seine Worte rhythmisch unglaublich präzis einzusetzen und mit minimalem Textvolumen maximalen Effekt zu kreieren, treibt Baze auf «Bruchstück» auf die Spitze. Langsam ist schwierig! Nur schon daran kann ich mich, auch von der Warte des Rapfans aus, richtig ergötzen.

Düster, wuchtig und ehrlich

Die Geschichten, die Baze erzählt, sind allesamt grau und es riecht tötelig auf «Bruchstück». Das ist kein Album zum Autofahren, mit den Jungs oder Mädels pumpen, oder zur allgemeinen Wohnungserheiterung beim Putzen. Das ist ein Album für den Sessel, für die Einsamkeit.

Das Album ist eine 52-minütige Variante des Moments, wenn das Brennen in Hals und Augen nach einem Shot Korn gerade von Schmerz in Akzeptanz kippt. Der Tod als unausweichliches Ziel, das Leben als Schlepp, Kampf und Krampf, aber eben:

«  Mängisch wärs easy abzgäh, aber ebe, z Lebe isch sone beschisse schöni Aglegeheit. »

Ein wuchtiges Werk, auf dem sich Baze emotional nicht auskotzt, sondern eher bei einer Zigarette, leicht fröstelnd auf einem Balkon stehend vor sich hinsummt. Grosse Kunst.

Sendung zu diesem Artikel