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Bounce Manillio mit «Plus Minus»: Ästhetisch verpackte Selbstfindung

Zwischen Selbstzweifel und Ablenkung, Rebellion und Frust schwimmt ein Manillio, den wir genau so kennen: Auf der Höhe seines Rapkönnens gibt er uns traumhafte Wortspiele und komplexe Reimschemata, wählt Beats, die seine Smoothness unterstreichen und verwandelt Nachdenkliches in Tanzbares.

Die Beatwahl auf «Plus Minus» schreit nach Manillio, Link öffnet in einem neuen Fenster-Ästhetik. Die smoothe Schlafzimmerstimme des 31-jährigen Solothurners kommt nicht von ungefähr: Meistens pickt Manillio Beats, die die grundsätzlich reservierte und ruhige Wirkung seiner Performance unterstreicht, so auch auf «Plus Minus». Mit der Ausnahme des Instrumentals von «Bon Appetit» feat. Lo & Leduc, das verhältnismässig brachial und leicht aggressiv daher-bangt, balancieren die Produktionen mood-technisch zwischen leichter Melancholie, reservierter Coolheit und Verträumtheit. Kombiniert mit dem angenehmen Flow von Manillio, wirken die Songs sehr entspannt.

Hinter dieser ohrenscheinlichen Einfachheit steckt aber akribische Arbeit: Der reduzierte Stil von Manillio ist wie ein auf seine Grundelemente reduziertes Haut-Cuisine-Mahl. Wenn Form und Delivery locker oder simpel wirken, muss jeder Millimeter des Gerichts ausgeklügelt sein, da keine fehlerkaschierende Tuile oder Sosse den Braten versteckt.

Portrait des nachdenklingen Rappers, hat den Arm aufgestützt
Legende: Manillio auf «Plus Minus»: von Selbstzweifel und Mittelfinger Der 31-jährige Solothurner veröffentlicht sein zweites Album seit dem Major-Durchbruch «Kryptonit». Keystone / Universal Schweiz

Und solche Fehler finde ich keine. Manillio ist zwar im Gegensatz zu anderen Releases im CH-Rap-Jahr 2018 primär mit sich selber, seiner Selbstfindung und dem periodischen Besiegen seiner Zweifel beschäftigt, aber da seine Herangehensweise an diese Themen stets offen bleibt, finde ich mich als Hörer nie in der Position, in der ich denke: «Jetzt hab ich aber genug von deinen Problemen gehört.» Dadurch erhöht sich für mich das wiederholte Hören von «Plus Minus» drastisch: Die ausgefeilte und durchdachte Ästhetik, die Präzision der bildhaft beschreibenden Texte von Manillio, die smarten Punchlines, all das beflügelt den Rap-Fan in mir sehr. Dass mein aktueller Lieblingssong die Reggae-Pop-Nummer «Mond» ist, bestätigt meinen Eindruck von Manillio: Ich wünsche mir nicht, wie noch beim letzten Album «Kryptonit» ein paar härtere Instrumentals und mehr Biss, sondern pumpe den wohl «weichsten» Song auf dem Album auf Repeat.

Stand-out Songs

  • «Snack»
  • «Bises hell wird»
  • «24/7»
  • «Mond»
  • «Bon Appetit»