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Bytes/Pieces Wo bleibt das E-Voting, wenn man es braucht?

Dein Liebesleben und deine Finanzen vertraust du einer App an, deine politische Meinung schreibst du aber noch immer auf ein Blatt Papier und wirfst es in einen Briefkasten. Warum das mit dem E-Voting derart kompliziert ist, zeigen wir dir in der neuen Folge «Bytes/Pieces».

Man stellt es sich im ersten Moment echt einfach vor: Bei «Ja» oder «Nein» ein Häkchen setzen, vielleicht noch irgendwo ein Passwort oder eine Geheimzahl eingeben zur Verschlüsselung, auf «Senden» drücken und weg mit deiner Stimme und her mit dem guten Gefühl, dass du deine BürgerInnenpflicht erfüllt hast.

An dieser Stelle müssen wir dir leider mitteilen, dass das Ganze nicht so einfach ist. Das haben die letzten Jahre und die jüngsten Ereignisse gezeigt.

Der Bundesrat möchte das digitale Abstimmen schon seit dem Jahr 2000 ermöglichen und damit einen dritten Abstimmungsweg einführen. Seither gab es auch ein paar Testsysteme: Zum Beispiel das Genfer System, das aber im nächsten Jahr aus Kostengründen eingestellt wird. Und dann gibt es das neueste System der Schweizer Post, das von Februar bis März einem öffentlichen Intrusion-Test unterzogen wurde. Das heisst, registrierte Hacker konnten das System angreifen, um Schwachstellen zu finden. Tatsächlich waren diese Schwachstellen so gravierend, dass dieses System nun für die nächsten Abstimmungen nicht zur Verfügung steht.

Was es für ein sicheres E-Voting braucht

Heisst: Obwohl die Bemühungen gross sind, sieht es trocken aus in der E-Voting-Landschaft. Das grosse Problem ist die Sicherheit. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit ein E-Voting (theoretisch) sicher ist:

  • Individuelle Verifizierbarkeit: Jeder und jede muss nachprüfen können, dass die Stimme richtig abgegeben und registriert wurde.
  • Universelle Verifizierbarkeit: Spätestens bei der Auszählung muss das System automatisch merken, wenn irgendwo ein Fehler passiert ist.
  • Wahrung des Stimm- und Wahlgeheimnisses: Nach der Stimmabgabe müssen die Personen von ihrer Stimme abgetrennt werden, sodass man nicht mehr nachvollziehen kann, wer welche Stimme abgegeben hat.

Bytes/Pieces

Bytes/Pieces

«Bytes/Pieces» ist das investigative Hintergrundformat für junge Menschen im Netz. Lena Oppong und das Team von SRF Data beantworten Fragen wie: «Woran erkenne ich Fake Follower auf Instagram» oder: «Warum gehen die Schweizer Waffenexporte nur scheinbar zurück?» – faktenbasiert, seriös und trotzdem unterhaltsam.

Diese drei Punkte müssen gleichzeitig funktionieren, was mit einem komplizierten Verschlüsselungsverfahren funktionieren soll. Und genau das war der Knackpunkt beim neuesten System der Schweizer Post. Verschiedene Komponenten haben den Sicherheitstest nicht bestanden – obwohl diese früher einmal als «sicher» zertifiziert worden waren.

Wann und ob wir überhaupt je flächendeckend online abstimmen können, kann im Moment niemand sagen. Stift und Papier bestimmen also bis auf Weiteres unser Abstimmungs- und Wahlprozedere.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Luca Andrea Zambrino (lucandrea)
    Verglichen mit der brieflichen Wahl, scheint mir e-Voting viel zu aufwändig was die Sicherheit und die Kosten angeht. Warum bleiben wir nicht einfach beim guten alten Brief?
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  • Kommentar von Reto Derungs (rede)
    Na ja, Estland setzt E-Voting seit 2005 erfolgreich ein. Und da käme niemand auf die Idee, das System als unsicher zu bezeichnen. In der Schweiz ist das System seit 2005 und in über 250 Abstimmungen im Einsatz. Nie kam es zu Manipulationen. Im Vergleich zum Beispiel zu E-Banking oder zum Einkaufen mit der Kreditkarte im Internet ist das E-Voting extrem sicher. Das E-Voting wird sich international sicher durchsetzen. Die Frage ist nur, wie sich die Schweiz da positioniert.
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    1. Antwort von Hernâni Marques (hernani)
      Das ist eine vereinfachte Darstellung ohne Faktenlage; zu Estland, soviel: https://estoniaevoting.org/ (gilt unverändert)

      Zudem haben Länder wie Norwegen (nach 10 Jahren Tests) oder Finnland (mit blanker Risikoabwägung) davon Abstand genommen: diese Länder sind nur wenig im Verdacht, gegen Digitalisierung zu sein.

      Wichtig auch: die Digitalisierung aller Lebensfacetten ist kein Naturgesetz; das ist menschengemacht. Entsprechend kanns auch gestoppt werden, wo es unsinnig / gefährlich ist.
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