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SRF/Saskia Widmer & Noëlle Guidon
Legende: SRF/Saskia Widmer & Noëlle Guidon
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Openair Frauenfeld 2019 Tattoos im Gesicht, das letzte Tabu? Von wegen!

Wir haben Menschen am Openair Frauenfeld mit Gesichtstattoos gefragt, wieso sie sich diese Dinger haben stechen lassen, wie ihr Umfeld darauf reagiert – und wie ihre Arbeitgeber auf die Tattoos reagieren.

Ramon aus Fischingen TG, 23 Jahre: «Wenn eine Oma hinter mir geht, dann packt sie ihre Handtasche ganz fest.»

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Welche Gesichtstattoos hat Ramon? Am Hals einen Löwen, sein Sternzeichen. Unter dem Auge eine Träne. Im Gesicht «Fuck Karma». Seine Lebenseinstellung und sein Lifestyle: «Wer an Karma glaubt, glaubt wahrscheinlich noch an den Weihnachtsmann.»

Warum hat er diese Tattoos? Ramon: «Weil ich es kann und weil ich Eier dazu habe.» Alle seine Tattoos hat er sich spontan stechen lassen.

Wie reagiert das Umfeld? «Meine Mutter war schon schockiert. Sie hat es aber akzeptiert, weil sich mich so nimmt wie ich bin.» Auf der Strasse wird er oft komisch angestarrt: «Wenn eine Oma hinter mir geht, dann packt sie ihre Handtasche ganz fest. Ich bin kein böser Mensch, aber ich komme mir manchmal so vor.»

Was arbeitet er? Ramon ist Strassenbauer von Beruf. Dort hat niemand ein Problem mit seinen Tattoos: «Auf dem Bau wird man das ja wohl noch dürfen», sagt er.

Jeanine aus Rorschach SG, 24 Jahre: «Viele waren nicht begeistert, aber sie haben es akzeptiert.»

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Welche Gesichtstattoos hat Jeanine? Am Hals und im Gesicht hat sie einen Flügel, ein Kreuz, einen Diamanten und den Spruch «Kein Erbarmen» tätowiert.

Warum hat sie diese Tattoos? Es gibt einen Grund, den möchte sie aber nicht verraten. Zu privat!

Wie reagiert das Umfeld? Jeanine: «Viele waren nicht begeistert, aber sie haben es akzeptiert.» Die Menschen auf der Strasse starren sie jedoch komisch an, erzählt sie uns weiter.

Was arbeitet sie? Jeanine arbeitet in einer Druckerei. Dort spiele es keine Rolle, wie sie ausschaue, sagt sie.

Dominik aus St. Gallen, 23 Jahre: «Ich wusste, dass es so wird. Ich bereue nichts.»

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Welche Gesichtstattoos hat Dominik? Oberhalb seines rechten Auges ist ein Buchstabe mit einem Datum, zusammen mit einem Herzchen.

Warum hat er diese Tattoos? Das Geburtsdatum ist das seines Grossmamis. Seine beiden Tattoos im Gesicht hat er sehr spontan stechen lassen: «In einer Mittagspause», erzählt Dominik. Viele würden ihn zudem fragen, ob seine Tattoos echt sind.

Wie reagiert das Umfeld? Dominik: «Vor allem im Ausgang schauen die Leute blöd. Als hätten sie noch nie einen Menschen gesehen. Aber ich wusste, dass es so wird. Ich bereue nichts.»

Was arbeitet er? Von Beruf ist er Barbier und arbeitet bei einem Herrencoiffeur. Seinen Chef habe er nie gefragt, ob ein Gesichtstattoo okay sei. «Bis jetzt ist alles gut», sagt er.

Philipp aus Moskau, 21 Jahre: «Bei meinem ersten Tattoo hat mich meine Mutter mit dem Staubsaugerrohr verprügelt.»

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Welche Gesichtstattoos hat Philipp? Es steht übersetzt: «Ich will zu mir schauen.»

Warum hat er diese Tattoos? Da sind wir leider an der Sprachbarriere gescheitert. Aber irgendeinen Grund wird es sicher geben, oder?

Wie reagiert das Umfeld? Philipp hat sowieso überall Tattoos und mag sie darum auch im Gesicht. «Bei meinem ersten Tattoo hat mich meine Mutter mit dem Staubsaugerrohr verprügelt», erzählt er uns.

Was arbeitet er? Philipp ist Tätowierer. Er erzählt uns von der Tattoofront: In Deutschland gäbe es wenig Menschen mit Gesichtstattoos. In Russland aber habe er schon über 40 Leute im Gesicht tätowiert.

Antonella aus Deutschland: «Die Leute denken: ‹Aus welchem Knast kommst denn du?›»

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Welche Gesichtstattoos hat Antonella? Ein Tribal-Tattoo. Und am Hals? «Weiss ich nicht, muss ich selber zuerst gucken», sagt sie. Wir können’s gleich erkennen: ein Totenkopf und ein Engel.

Warum hat sie diese Tattoos? Zur Bedeutung mag uns Antonella nur etwas verraten: «Beschissene Vergangenheit.» Okay!

Wie reagiert das Umfeld? Antonella verkehrt in einem Umfeld, in dem ihre Tattoos toleriert werden. Anderswo sei das nicht so: «Meine Eltern haben das nicht akzeptiert. Aber das ist mir egal», erzählt sie. «Männer haben öfters Gesichtstattoos als Frauen. Für eine Frau gehört sich das eigentlich nicht so.» Dementsprechend fallen die Reaktionen auf der Strasse aus: «Die Leute denken: ‹Aus welchem Knast kommst denn du?›, ‹Drogenweib›, oder ‹Schlägerweib›.»

Was arbeitet sie? Im Sicherheitsdienst am Openair Frauenfeld: «Im Gesicht tätowiert sein – das ist schwierig im Berufsleben. Ich muss mich immer doppelt beweisen, gerade als Frau und Mutter. Ich muss immer zeigen, dass ich auch eine gute Mutter bin. Das ist schlimm. Man wird einfach abgestempelt.»

Karam aus Solothurn, 22 Jahre: «Die Leute hier schauen schon. In meinem Herkunftsland Irak wäre es aber viel schlimmer.»

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Welche Gesichtstattoos hat Karam? In seinem Gesicht steht «This is Art». Ausserdem hat er über dem Ohr Mandalas tätowiert.

Wie reagiert das Umfeld? «Die Leute schauen schon. In meinem Herkunftsland Irak wäre es aber viel schlimmer», erzählt er uns. «Es interessiert mich nicht, wenn es den Leuten nicht gefällt», so Karam weiter.

Was arbeitet er? Karam arbeitet als Tätowierer: «Da ist es nicht schlimm, wenn ich im Gesicht tätowiert bin. Ich arbeite ja nicht in der Migros an der Kasse.»

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