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Helvetia «Mein Lehrer nannte mich ‹Jugogrind›»

Aufgewachsen ist Rapper EAZ in Wetzikon, seine Wurzeln hat der 26-Jährige im Kosovo. Bei «Helvetia» erzählt er, wie schwierig es für ihn und seine Familie teilweise war und warum ihn Alltagsrassismus so richtig wütend macht.

«Ich weiss nicht, ob ich das gekonnt hätte», fragt sich Rapper EAZ, als er über seinen Vater spricht. Mit 19 entschied sich dieser nämlich, vom Kosovo in die Schweiz auszuwandern, um vier Monate hier zu bleiben. Daraus sind mittlerweile über 30 Jahre geworden.

Ich bin so stolz auf meine Mutter.

Auch seine Mutter konnte in dieser Zeit in der Schweiz Fuss fassen: Angefangen mit einem Job in der Altersheim-Wäscherei, schliesst sie vor rund drei Jahren eine Lehre im Pflegebereich erfolgreich ab. «Ich kriege Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich bin so stolz auf sie», schwärmt EAZ.

«Helvetia»

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«Helvetia»

Wie tickt die junge Schweiz?In der fünfteiligen Webserie «Helvetia» übernehmen junge Menschen mit und ohne Schweizer Pass das Wort. Sie erzählen persönliche Geschichten aus ihrer Kindheit, und von ihrer Herkunft.

Arber, wie der Rapper bürgerlich heisst, wird als einziges der vier Kinder von Familie Rama in der Schweiz geboren, aufgewachsen ist er in einem grossen, multi-kulturellen Wohnblock-Komplex in Wetzikon. «Es ist unglaublich, wie viele Emotionen hochkommen, wenn ich hier bin. Ich vermisse es auch», erzählt er, als er mitten in der Überbauung steht.

Unerwünscht – aufgrund von Vorurteilen

Einfach ist es dort für seine Familie anfangs nicht. Eine Nachbarin habe im ganzen Haus Unterschriften gesammelt, um sie loszuwerden. «Mein Vater hat zwei Tage später einer Frau in unserem Block geholfen, Wäsche aufzuhängen und Zeitungen zu entsorgen.» Was EAZs Vater damals nicht weiss: Genau diese Frau ist es, die seine Familie wieder zum Ausziehen bringen will. «Nach dieser Aktion hatte sie aber ein komplett anderes Bild von meinem Vater», erzählt er. Kurzum zieht die Nachbarin die Unterschriftensammlung zurück: Familie Rama darf bleiben.

Mein Verhalten hat meine Mum zum Weinen gebracht, mein Vater lebte deswegen ein unruhiges Leben.

So geht der heute 26-Jährige in Wetzikon auch in den Kindergarten: «Es war eine wunderschöne Zeit im Chindsgi», erinnert er sich zurück. In der Schule rutscht EAZ jedoch immer mehr auf die schiefe Bahn: ein Schulverweis, Drogenkäufe und -verkäufe und sogar eine kurze Gefängnisstrafe muss er absitzen. «Das hat meine Mum zum Weinen gebracht, meinem Vater lebte deswegen ein unruhiges Leben. Deshalb bin ich überhaupt nicht stolz drauf.»

Rassismus? Müll!

Später, in der Oberstufe, fällt ihm zudem immer mehr auf, dass gerne schubladisiert wird: «Mein Lehrer nannte mich ‹Jugogrind›, das ist mir bis heute geblieben.» Und es macht den Rapper wütend: «Warum ist man so? Ich verstehe es nicht!»

Rassismus ist etwas Alltägliches geworden, das ist Müll.

Rassismus sei für ihn fast wie eine Krankheit: «Es ist etwas Alltägliches geworden, das ist Müll», sagt EAZ und fügt an: «Wenn mir jemand sagt: ‹Geh zurück in dein Land›, dann wünsche ich ihm, dass ihm der liebe Gott hilft.» Und auch wenn er sich in der Schweiz zuhause fühlt: Seine Wurzeln hat er bis heute nicht vergessen und releast nebst Songs auf Schweizerdeutsch auch Tracks mit albanischen Texten.

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