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Helvetia «Sie sind kein Eidgenosse, darum sind Sie auch kein Zürcher»

In der neusten Folge unserer Webserie «Helvetia» erzählt Musiker Ketelby James seine Geschichte. Obwohl er hier geboren wurde und die Schweiz seine Heimat ist, wurde er oft beschimpft. Aus seinen Erfahrungen kann er jedoch Positives mitnehmen und ist heute dankbar dafür.

Er hat Wurzeln in Portugal, Angola, Mosambik und Indien, aber geboren ist Ketelby James in St. Gallen. «Ich bin ein Schweizer wie jeder andere, ich bin hier geboren», sagt der Musiker.

Als Kind hat er jedoch von seinen Eltern oft zu spüren bekommen, was diese durchmachen mussten: «Ich fragte mich dann: Warum seid ihr so streng? Warum tut ihr das jetzt? Warum seid ihr so laut?» Erst als er älter wurde, wurde ihm klar, was sie alles erleben mussten, damit er hier in der Schweiz aufwachsen, leben und in die Schule gehen konnte.

Ich bin von Anfang an hier, ich bin Schweizer.

Auch in seinem Zuhause war es etwas anders als bei anderen in der Schweiz. Das merkte James oft, wenn Besuch kam und dieser die Wohung klein fanden. «Aber auch sonst war es anders: Anders dekoriert, anderer Sound, anderes Essen, andere Gerüche.»

Wenn du noch jung bist, checkst du nicht immer, wo genau du eigentlich hingehörst.

Und auch wenn James nach Portugal oder Mosambik reiste, wurde er dort als Ausländer angeschaut. «Vorallem wenn du noch jung bist, checkst du vielleicht nicht, wo du eigentlich genau hingehörst.» Wichtig sei es, das mit sich selber zu vereinbaren. «Bei mir geht es nicht um Integration: Ich bin von hier, ich bin hier aufgewachsen, spreche die Sprache und denke in dieser Sprache.»

«Helvetia»

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«Helvetia»

Wie tickt die junge Schweiz?In der fünfteiligen Webserie «Helvetia» übernehmen junge Menschen mit und ohne Schweizer Pass das Wort. Sie erzählen persönliche Geschichten aus ihrer Kindheit, und von ihrer Herkunft.

Alle Folgen von «Helvetia» findest du hier, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Erfahrungen, die ihn bis heute treffen

Er sei ein quirliges Kind gewesen, mit sehr viel Energie, erzählt Ketelby. «Da gab es schon viele Fights, denn ich habe mich gewehrt.» Selbst wenn das Gegenüber grösser als er war und er dafür viel kassieren musste.

Auch Beschimpfungen wie «Neger» oder «Geh zurück in dein Land» hörte er oft. Es sei nicht fair, wenn Leute einem so was nachrufen würden: «Der einzige Unterschied ist die Hautfarbe. Ansonsten sind wir alle genau gleich.»

Als ich den Brief bekam, dass ich jetzt eingeschriebener Zürcher bin, da war ich stolz.

An eine Situation, die ihn besonders hart getroffen hat, erinnert sich James noch genau: Als er nach Zürich zog, ging er auf das Amt und erhielt dort den Brief, dass er jetzt ein eingeschriebener Zürcher war. «Ich war so stolz und sagte zur Frau am Schalter: «Jetzt bin ich ein waschechter Zürcher»». Mit ihrer Reaktion hat James allerdings nicht gerechnet: «Nein. Sie sind kein Eidgenosse, darum sind Sie auch kein Zürcher.» – «Das hat mich sehr getroffen.»

Negatives als Chance sehen

Obwohl er auch viele negative Erfahrungen gemacht hat, sieht Ketelby James all das als Chance: «Wäre mir das nicht passiert, würde ich mich heute nicht für sauberes Trinkwasser in Drittweltländern, für Flüchtlinge und Immigranten einsetzen.»

Jeder hat eine Geschichte und meine hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin.

Er sei sehr dankbar: «Ich mache Musik, ich kann junge Leute unterstützen, ich kann Ausländer unterstützen, ich kann Schweizer unterstützen.» Da sei es völlig egal, woher man komme.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Ich finde es schön von Ihm zu hören, dass er sich als ein Teil der Schweiz sieht. Viele Leute in unserer Schule hatten mühe sich als Schweizer anzusehen, da dies etwas mit "Bünzli" zu tun hat,"man hat kein Style, kein Rhytmus und ist meistens sehr Kleinkariert". Menschen wie er und ich sind hier aufgewachsen also denken und sind wir im Verhalten eben die Leute aus der Schweiz. Die Schweiz ist Multikulti und kann auch stolz darauf sein.
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  • Kommentar von Julian Schmid  (Julian Schmid)
    Ich finde, wenn sich jemand selbst als Schweizer fühlt und bezeichnet, wird er auch eher (von den meisten) als solcher akzeptiert.
    Wenn er hingegen sich selbst von der Mehrheitsgesellschaft separiert, sinkt auch die Anerkennung.
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