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Helvetia «Wer an Landesgrenzen glaubt, glaubt an etwas Erfundenes»

In der neusten Folge unserer Webserie «Helvetia» erzählt Moderatorin Gülsha Adilji ihre Geschichte. Was andere Menschen über ihre türkisch-albanischen Wurzeln denken, ist ihr «scheissegal». Denn Landesgrenzen seien irrelevant und es mache keinen Sinn, daran zu glauben.

Aufgewachsen ist die Moderatorin Gülsha Adilji in Niederuzwil im Kanton St. Gallen. Als ihre Eltern in die Schweiz kamen – ihre Mutter ist eine Türkin aus dem Kosovo, ihr Vater ein Albaner aus Serbien – konnten sie die Sprache nicht und hatten kein Umfeld hier. «Sie haben sich hier ihr Leben erarbeitet – sie sind schon geili Sieche», sagt Gülsha stolz.

Ihre Mutter hat sie schon früh in verschiedene Vereine geschickt. So musste Gülsha in die Jugi und auch ein Instrument lernen – «so richtig Schweizerisch halt». Anders als die anderen Kinder hat sich Gülsha nie gefühlt. Dass es aber irgendwie doch einen Unterschied zwischen ihr und den Kindern nebenan gab, merkte sie, als sie im Kindergarten einen Deutschkurs machen musste. Das hat sie nicht verstanden, denn schon damals war ihr Deutsch sehr gut.

Im Kindergarten musste ich in einen Deutschkurs, was ich völlig absurd fand, denn ich sprach gut Deutsch.

Im Gegensatz zu den anderen Kindern gab es zudem bei Gülsha daheim nicht so viele Regeln. Sie durfte so viel fernsehen, wie sie wollte, immer Süssgetränke trinken und musste nie fragen, ob sie etwas Essen durfte. «Bei den Nachbarskindern gab es die Schokolade, die versteckt in einer Box war, nur zum Zvieri – und erst, nachdem wir die Apfelschnitze gegessen hatten.»

Gülshas Mutter führte einen eigenen Kebabstand, an dem sie einmal in der Woche mithelfen musste. «Nachdem die Eltern weg waren, haben wir heimlich Alkohol getrunken und Bier geklaut», erinnert sich Gülsha.

«Helvetia»

«Helvetia»

Wie tickt die junge Schweiz? In der fünfteiligen Webserie «Helvetia» übernehmen junge Menschen mit und ohne Schweizer Pass das Wort. Comedian Kiko, Sängerin Ta'Shan, Journalistin Gülsha Adilji, Musiker James Ketelby und Sängerin Naomi Lareine: Sie erzählen persönliche Geschichten aus ihrer Kindheit, und von ihrer Herkunft.

Alle Folgen von «Helvetia» findest du hier, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Grenzen? Gibt es für Gülsha nicht!

Es ist doch viel spannender zu wissen, was meine Lieblingsserie ist, als über die Herkunft meines Namens zu sprechen.

Auch heute, mit 34 Jahren, wird Gülsha regelmässig auf die Herkunft ihres Namens angesprochen, wenn sie jemanden kennenlernt. «Das nervt mich! Wieso interessiert es jemanden, dass der Name persisch ist und im Türkischen gebraucht wird? Es ist doch viel spannender zu wissen, was meine Lieblingsserie ist.» So würde man doch viel mehr über sie herausfinden, denn der Name sei ihr ja einfach gegeben worden.

An eine Situation, in der Gülsha wegen ihrer Herkunft gegen eine Wand gelaufen sei, könne sie sich nicht erinnern. «Das würde ich ja spüren und das habe ich bisher nicht. Aber vielleicht habe ich auch eine Insel geschaffen.» Solange eine Person sie nicht kenne, könne diese sie nicht nur wegen ihrer Herkunft beurteilen. Das mache keinen Sinn: «Menschen, die an Landesgrenzen glauben, die glauben auch an Gott. Es ist irrelevant, denn sie glauben an etwas Erfundenes.» Und fügt an: «Welche Meinung andere Menschen gegenüber Türken oder Albaner haben, ist mir scheissegal.»

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