5 Dating-Apps im Test

Eine Woche lang habe ich 5 Dating-Apps unter verschiedenen Kriterien ausprobiert: happn, Tinder, Badoo, OkCupid und Once. Meine Bewertungen reichen von total scary bis zu ziemlich spannend.

1 HAPPN

Herkunft: Frankreich | Gründung: 2014 Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Happn Herkunft: Frankreich | Gründung: 2014 Official

Was? Der Name «happn» ist die Kurzform von «happen», dem englischen Wort für «geschehen».

Diese App funktioniert mittels GPS-Daten. Wenn der Location-Tracker aktiviert ist, begleitet dich happn. Alle Menschen, die auch happn benutzen, werden so getrackt. Überall wo sie hingehen.

Die App zählt, wie oft du wem wann und wo über den Weg läufst. Den Menschen, denen man über den Weg gelaufen ist, kann man bei Bedarf einen «like» verpassen. Das passiert heimlich. Eine Person sieht den «like» nur, wenn er mich auch «liket». Wenn man jemanden supermegatoll findet, kann man ihm / ihr auch einen «Charm» senden. Dieser ist dann auch ohne Gegen-«Charm» – sichtbar. Bei gegenseitigen Likes oder Charms kann gechattet werden.

Die App wurde 2014 in Frankreich entwickelt und schlängelt sich langsam zu uns.

Datenschutz: Die App braucht GPS-Daten und den Zugang via Facebook. Obwohl «happn» nie an deine Facebook-Wall postet, sammelt sie natürlich Daten. Auch der Location-Tracker ist für Datenschutz-Freaks nicht so optimal. Die meisten Dating-Apps sind jedoch nicht sicher. Aufgrund der Ermittlung von Standort und Arbeitsgeber sammeln Dating-Apps Informationen, die missbraucht werden können.

inApp Werbung: Keine

Gratisversion vs. Paid-Version: Frauen können «Charms» (also sichtbare «Likes») gratis vergeben, wogegen Männer dafür zahlen müssen. Gleichberechtigung? Fehlanzeige.

Meine Erfahrungen: «happn» ist von allen 5 getesteten die Apps, die App, die mir etwas Angst machte. Die ganze Zeit wird einem gesagt, wo man wem über den Weg läuft. Leon ist mir in 48 Stunden insgesamt 4x am Bahnhof Wiedikon über den Weg gelaufen. Jedes Mal, wenn ich dann an den Bahnhof kam, hatte ich Angst ihn zu treffen. Ausserdem hatte ich ein Match mit einem Mädchen (ja, ich habe beide Geschlechter eingestellt), die mich zu einem Dreier mit ihrem Freund eingeladen hat. Fazit: Bei «happn» passiert mir etwas zu viel.

Mein Rating: 3/6

2 TINDER

Herkunft: USA | Gründung: 2012 Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tinder Herkunft: USA | Gründung: 2012 Official

Was: Der Klassiker. Tinder hat schon lange in der Popkultur Fuss gefasst. Seit 2012 benutzen heutzutage allein in Deutschland 2.2 Millionen Menschen die App.

Nach dem Download muss Tinder mit dem Facebookprofil verbunden werden. Danach generiert ein Algorithmus aus 5 deiner Facebook-Fotos und aus deiner beruflichen Tätigkeit ein Profil. Ebenso wird das Alter von Facebook übernommen.

Ist die App einmal gestartet, werden dir sofort Leute in deinem Umfeld gezeigt. Die kannst du dann entweder nach links («nicht-like») oder rechts («like») swipen. Swipen beide Parteien nach rechts, ist es ein Match. Dann kann der Flirt beginnen.

Datenschutz: Da viele Daten von Facebook übernommen werden, hinterlässt man mit einem Tinderprofil sicherlich mehr Spuren, als wenn man sich einfach anonym anmelden könnte. Zudem muss man zur Verifizierung die Mobiltelefonnummer eingeben, was zusätzlich in die Privatsphäre eingreift.

inApp Werbung: Keine

Gratisversion vs. Paidversion: In der Gratisversion liegt der Umkreis potenzieller Matches bei maximal 120 Kilometern, in dem sich der Tinder-Prinz oder die Tinderella befindet.

Für Hardcore-Dater gibt es seit 2014 eine Paid-Version, bei der man 20 Dollar pro Monat zahlt. Dabei kann man den Ort bestimmen, an dem man seine Matches finden will. Wenn also ein Engländer voll auf Peruanerinnen steht, kann er seinen Tinder-Standort nach Peru verlegen. Mit 20 Dollar App-Kosten pro Monat fliegt der Engländer aber lieber nach Peru, je nachdem wie lange er Tinder benutzen muss, um tatsächlich ein Match zu landen.

Meine Erfahrungen: Es ist nicht das erste Mal, dass ich Tinder benutze. Letztes Jahr habe ich die App benutzt, dann wieder gelöscht, dann wieder benutzt. Benutzt habe ich sie aus einem einfachen Grund: Neugier.

Gelöscht habe ich sie wegen all den gleichbleibenden Profilbildern (vor einer Sehenswürdigkeit, mit herzigem Tier, am Surfen) und den oftmals oberflächlichen Gesprächen. Das war jetzt nicht anders. «Woher kommst du?», «Hattest du ein gutes Weekend?» oder «Hübsche, willst du mal auf einen Kaffee kommen?» sind auch jetzt noch an der Tagesordnung. Einen interessanten Match hatte ich bisher erst ein, zwei Mal. Mit den Personen habe ich mich dann auch getroffen.

Mein Rating: 5/6

3 BADOO

Herkunft: England | Gründung: 2006 Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Badoo Herkunft: England | Gründung: 2006 Official

Was: Badoo ist eine der einzigen Dating-Apps, bei der man kein Login via Facebook oder einer anderen Plattform benötigt. Lediglich eine Registration via E-Mail ist nötig und schon ist man im Spiel.

Bei Badoo kann man sein ganzes Leben preisgeben: Im Steckbrief ist es möglich, umfangreiche Infos preiszugeben - wenn man denn will.

Datenschutz: Dating-Apps sind generell nicht des Datenschützers beste Freunde, aber bei Badoo ist die Sache besonders trügerisch. Man denkt, weil man sich nur mit dem Handy einloggt, dass man keine Informationen von sich offenbart. Jedoch hat die App Zugriff auf praktisch alle Inhalte deines Smartphones: Kontakte, Standort, Kamera & Mikrofon, Fotos, Bluetooth und vieles mehr.

inApp Werbung: Ja

Gratisversion vs. Paidversion: Viele Funktionen sind in der Gratisversion nicht sichtbar. Man kann Credits erwerben: 100 Credits kosten 3 Franken. Damit kann man Leute freischalten, die einen geliked haben und sein eigenes Profil sichtbarer machen.

Meine Erfahrungen: Weil das eigene Profil für alle sichtbar ist, heisst das auch: Alle können mir eine Nachricht schreiben. Daher habe ich bereits nach der Anmeldung, ohne sonst etwas zu tun, viele Nachrichten im Postfach gehabt.

Darunter waren Nachrichten wie «lonely and horny?» oder «auf was schaust du beim ersten Eindruck einer Person?». Ich hab der zweiten Person dann zurückgeschrieben «auf's Foto». Danach kam aber leider nichts mehr. War wohl die falsche Antwort. Ich habe einen Bekannten, der Badoo nutzt für seine Vorliebe für ältere Frauen. Dafür eignet sich Badoo gut, denn die App ist sehr freizügig.

Mein Rating: 2/6

4 OKCUPID

Herkunft: USA | Erscheinungsjahr: 2001 Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: OkCupid Herkunft: USA | Erscheinungsjahr: 2001 Official

Was: OkCupid gibt es schon seit 2001 und war ursprünglich eine Website. Mittels kollektiver Fragen werden Benutzer / -innen kategorisiert und auf potenzielle Flirtpartner verwiesen. Startet man die App auf, beantwortet man etwa Fragen zum Rauchen oder zu Religion.

Datenschutz: Für die Registrierung braucht man bei OkCupid nur eine E-Mail-Adresse.

inApp Werbung: Ja, es tauchen immer wieder Banner auf.

Gratisversion vs. Paidversion: Bei der Paid-Version können OkCupid Benutzer ihre Fotos prominenter platzieren oder beliebig viele Awards verteilen.

Meine Erfahrungen: Da OkCupid am meisten in den USA benutzt wird, ist die Zahl an lokalen Kontakten in der Schweiz klein. Zudem herrscht das gleiche Szenario vor wie bei Badoo: Man erhält viel zu viele Nachrichten und die Profile darauf wirken nicht sortiert. Die Faktoren «random» und «überflüssig» werden meiner Meinung nach bei dieser App grossgeschrieben.

Mein Rating: 2/6

5 ONCE

Herkunft: Frankreich | Gründung: Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Once Herkunft: Frankreich | Gründung: Official

Was: Once aus Frankreich wurde im April 2016 in der Schweiz eingeführt. Diese App verfolgt eine Anti-Verschleiss-Strategie. Das Motto lautet hier anscheinend nicht «Quantität vor Qualität».Once ist so konzipiert, dass man alle 24 Stunden jeweils ein Match bekommt. Dabei hat man dann 24 Stunden Zeit, sich auszutauschen. Diese Matches werden nicht nur durch Algorithmen bestimmt. Bei Once sitzen tatsächlich Menschen (sog. «Matchmaker»), die Männchen und Weibchen miteinander vernetzen.

Once-Gründer Jean Meyer richtet sich gezielt an Menschen zwischen 20 und 35 Jahren, die eine ernsthafte Beziehung suchen.

Datenschutz: Ist bei Once am meisten gegeben. Niemand kann dein Profil sehen, ausser dem 24-Match und das auch nur für 24 Stunden.

inApp Werbung: Nein

Gratisversion vs. Paidversion: Wenn man bei Once bezahlt, hat man die Chance, einem Match den man in den begrenzten 24 Stunden verpasst hat, im Nachhinein zu schreiben. Ausserdem kann man durch Bezahlung das Stalker-Game aufleben lassen und prüfen, ob die andere Person die Nachricht gelesen hat oder nicht.

Meine Erfahrungen: Ich hatte in meiner Testphase nur ein Match. Ein 27-jähriger Zürcher. Das hat einen ganzen Tag gedauert. Mir gefällt die Idee, dass echte Menschen jeweils zwei Profile zusammenbringen. Mein Match hatte jedoch auch nach meinem «Hallo» nichts zu sagen. Dennoch denke ich, dass Once grosses Potenzial hat. Denn man konzentriert sich einzig auf eine Person.

Mein Rating: 4/6