Junge Mamis in der Lehre: Wenn's erst nach 100 Bewerbungen klappt

Chillig ist anders. Junge Mütter, die eine Lehre machen, haben viel zu tun: Arbeiten. Lernen. Prüfungen schreiben. Zeit mit dem Kind verbringen. Es erziehen. Da sein, wenn es das Mami braucht. Keine leichte Aufgabe. Brenda (22) aus Zürich packt es trotzdem - dank einer Teilzeitlehre.

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Montags ist sie nie da

Ich treffe Brenda an einem Mittwochmorgen beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen PwC Schweiz, wo sie ihre Lehre als Büroassistentin macht. Wäre ich am Montag gekommen, hätte ich sie nicht getroffen. Dann ist ihr Lerntag. Aber dazu später.

Brendas Sohn ist drei Jahre alt. Sie war 19, als er zur Welt kam. Zusammen mit dem Kleinen und ihrem Freund, der auch der Vater ist, lebt sie in einer Wohnung in Zürich.

Eine Lehrstelle zu finden, sei sehr schwierig gewesen, sagt Brenda. Sie vermutet, dass das auch damit zusammenhängt, dass sie ein Kind hat - was sie in ihren Bewerbungsunterlagen auch immer offen dargelegt habe. Man gehe vermutlich davon aus, dass Mamis mit kleinen Kindern unpünktlich sind, immer wieder mal früher gehen müssen oder ganz fehlen, weil das Kind krank ist, meint sie.

«  Es ist nicht einfach. Ich habe über 100 Bewerbungen abgeschickt und nur Absagen bekommen. »

Die Chance kam per Flyer: Brenda erfährt vom Projekt «MIA - Mütter in Ausbildung» und meldet sich umgehend. Durch MIA hat sie ihre Lehre als Büroassistentin bei PwC vermittelt bekommen. Das Spezielle an ihrer Ausbildung: Sie arbeite 80 statt 100 Prozent, sagt Brenda:

«  Ich habe montags frei und habe dann Zeit zum lernen. Sonst gelten für mich die gleichen Regeln wie für alle anderen Lehrlinge. »
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Mütter in Ausbildung

Christoph Meier-Krebs mit Bart, Brille und Schal

MIA - Mütter in Ausbildung ein Pilotprojekt der Zürcher Stiftung Chance, die sich für berufliche Integration einsetzt. MIA wurde im August 2015 von Christoph Meier-Krebs gestartet. Zur Zeit sind zwei Mütter bei zwei Betrieben in Ausbildung. Nach ihrem Abschluss haben sie ein eidg. Berufsattest im Sack.

Mit diesem Modell bleibe ihr genug Zeit für Ausbildung und Familie. Während Brenda am Arbeiten oder Lernen ist, ist ihr Sohn in der Krippe. Den Montag nützt sie fürs Lernen. Dafür muss sie unter der Woche nicht büffeln, nachdem sie ihr Kind ins Bett gesteckt und den Haushalt erledigt hat. Die Abende und die Wochenenden sollen der Familie gehören, das sieht das Projekt MIA vor.

Was für Sportler geht, muss auch für junge Mütter gehen

Gestartet hat das Projekt MIA Christoph Meier-Krebs von der Stiftung Chance. An einer Lehrstellenbörse hätten ihm gleich drei junge Mütter ihre Bewerbung hingelegt - der Moment, der ihn dazu bewegt hat, etwas zu unternehmen. Seine Vision: Was für Sportler geht, müsste auch für junge Mütter möglich sein, nämlich eine Teilzeitausbildung zu machen.

Ohnehin sei es für junge Mütter - im Gegensatz zu jungen Vätern - nicht einfach, einen Ausbilungsplatz zu finden:

«  Ich kenne wenig Betriebe, die junge Mütter einstellen. Bei Vätern ist das kein Thema, die können sich abkoppeln. Für Mamis wird's schwierig. »

MIA wurde im Sommer 2015 als Pilotprojekt gestartet. Zur Zeit sind zwei Mütter in Ausbildung, sagt Christoph Meier-Krebs. Eine macht bei der Zürcher Kantonalbank ihre Ausbildung, und Brenda bei PwC. Beide machen eine Ausbildung zur Büroassistentin.

Das Ziel sei es, das Angebot mit der Zeit auf andere Ausbildungen auszuweiten. Christoph Meier-Krebs ist auf der Suche nach Betrieben, die in Zukunft mitmachen wollen. An Bewerbungen mangelt es nicht.

«  Ich bekomme jede Woche Bewerbungen von jungen Müttern, obwohl wir gar nichts ausgeschrieben haben. »

Brenda wird nächstes Jahr ihre Ausbildung abschliessen. Was dann kommt? Sie wolle dann eine fixe Stelle finden - und sie träumt von einem Haus für ihre Familie.